Die Welt in den Händen von Jesus und Gelehrten

Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg

Alte Stadtsiegel und Schriften, Skulpturen und Gemälde - die Auswahl der rund 100 Exponate, die das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg im Rahmen der Ausstellung "Die ganze Welt in Gottes Hand" zeigt, ist vielseitig.

DUISBURG

, 01.01.2017, 13:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Welt in den Händen von Jesus und Gelehrten

Die Salvator-Skulptur aus Dormagen-Nievenheim

Anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Duisburger Salvatorkirche hat das Museum zahlreiche Objekte zusammengetragen, die die Entwicklung von der Heilserwartung des Mittelalters zu Mercators Beschreibung der Welt skizzieren. Einem vergleichsweise kleinen Element kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu: dem Globus.

Goldener Christus

Inmitten des Ausstellungsraums strahlt der goldene Salvator mundi, Christus als Welterlöser. In der linken Hand hält er eine kleine Weltkugel, die rechte ist zum Segensgruß erhoben. Die Skulptur aus dem 15. Jahrhundert ist vorübergehend zurückgekehrt in die Stadt, in der sie bis zur Zeit der Reformation verehrt wurde.

Im Jahr 1464 soll sie hier einen Besessenen geheilt und später in der Dormagen-Nievenheimer St.-Pankratius-Kirche die Stadt vor der Pest bewahrt haben. Die Bewunderung hat sie bewahrt, wie Katharina Selent, Sprecherin des Museums, weiß. Erst vor Kurzem sei sogar eine Pilgerin aus dem Bergischen Land zu Fuß gekommen, um Salvator zu sehen.

Historischer Übergang

Ein paar Schritte hinter der Skulptur hängt ein Gemälde aus Amsterdam, das einen historischen Übergang verdeutlicht. Auch hierauf ist Salvator zu sehen - ebenfalls mit Segensgruß und Globus in der Hand. Die kleine Weltkugel sieht jedoch anders aus, viel detaillierter, penibel kartiert. Es ist das Ergebnis neuen geografischen Wissens im 16. Jahrhundert, zu dem besonders der Kosmograf Gerhard Mercator einen wichtigen Teil beigesteuert hat.

Im Zuge von Mercators Arbeiten wurden nicht nur die Globen immer detaillierter. Auch ihre Verwendung in Gemälden und Skulpturen weitete sich aus.

Selbstdarstellung

War das Privileg der in der Hand gehaltenen Welt bis dato Kaisern und Königen als Zeichen der Macht sowie Christus als Zeichen des Schutzes vorbehalten, so nutzten es nun auch Gelehrte für ihre Selbstdarstellungen - der gute Mercator eingeschlossen.

"Ohne ihn gäbe es heute vielleicht noch nicht einmal GPS", sagt Museumssprecher Werner Pöhling augenzwinkernd. Und detaillierte Globen wahrscheinlich auch nicht - zumindest nicht bereits seit dem 16. Jahrhundert.

 

Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg: "Die ganze Welt in Gottes Hand", bis 8.1., Johannes-Corputius-Platz 1, Di-Sa 10-17 Uhr, So 10-18 Uhr.