Die Zeit im Blick

WEITMAR Es knallt, zischt und pufft. Alles in Sekundenschnelle. Die Galerie m widmet sich in ihrer aktuellen Ausstellung dem Phänomen Zeit, mit Installationen, Videos, Bildern und Texten. Laut und lustig die Arbeit von Cork Marcheschis, die "Infernal Machine", bedrückend der Blick von Lucinda Devlin in die Hinrichtungszelle eines US-Gefängnisses.

von VonUlrike Maas

, 20.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Zeit im Blick

<p>Dieser Krachmacher trägt den Titel zu Recht: Infernal Machine</p>

Auf witzig-interessant und recht ungewöhnliche Weise hat sich Gert van Elk dem Thema genähert. In einer Mischung aus Fotografie, Video und Gemälde reflektiert der Künstler mit "Holbein Adieu" seien eigene Vergänglichkeit, wenn sich zum Beispiel der Totenschädel, von Holbein gezeichnet, langsam per moderner Technik in ein Portrait des Künstler verwandelt. Die Arbeit von Francois Morellet dagegen fordert den Betrachter zur Aktion auf: Im Vorbeischreiten scheinen sich die einfachen Metallstäbe, in einem bestimmten Abstand angeordnet, aufeinander zu und voneinander weg zu bewegen.

Der Palast mit Vergangenheit

Die minimale Bewegung, nur einen Wimperschlag lang, hat Frank Höhle in seinen Fotografien zweier junger Männer festgehalten. Dagegen hält Thomas Florschuetz mit seiner großformatigen Fotografie einen historischen Moment fest: Der Blick aus dem Asbest verseuchten Palast der Republik geht auf die mit Abdeckplanen verhängte Fensterfront, in der Mitte das schier überdimensionale Hammer- und Sichel-Emblem, entleert, ohne Sinn und Zukunft. Den Kontrast dagegen schafft Melanie Manchot mit dem liebevoll gestalteten Doppelportrait der lächelnden Mutter.

In kalter Realität und ohne großen Interpretationsspielraum zeigt Lucinda Devlin ihre Arbeit: Das Foto in einen Hinrichtungsraum aus der Sicht der Familie des Deliquenten. Evelyn Hofer und Boris Savelev sind Fotografen mit unterschiedlichem Blickwinkel. Während Hofer mit ihrer Großbildkamera in ihren Landschaften und Stadtansichten die Ewigkeit zu bannen scheint, kombiniert Savelev außergewöhnliche Blickwinkel und besondere Lichtverhältnisse.

Elektrizität wird sichtbar

Barbara Köhler ist eine Literatin, die mit ihrem Schriftzug "Ici c'est hier ist gestern" auf sandgestrahltem Spiegelglas zum Blick zurück wie zum Wortspiel einlädt.

 

 

Holzkiste, Glasplatte, Transformator, Schaltgerät und Stromkabel komplettieren sich in Cork Marcheschis Installation zur "Infernal Machine", die ihren Titel wahrlich zu Recht trägt. Ist doch seine Visualisierung von Elektrizität, der "Augenblitz" mit einem riesigen Knall verbunden. Ulrike Maas

 

 

"Time is always now!", bis zum 7. September in der Galerie m an der Schlossstraße 1a, Mi+Fr 14-18 Uhr, Sa 12-18 Uhr.