Diese Netter recyclen Computer für den guten Zweck

Noah-Jugendkeller

Immer mittwochs verwandelt sich der Jugendkeller der Noah-Gemeinde in Nette in eine PC-Werkstatt. 10 bis 15 Jungen – anfangs waren auch mal 2 Mädchen dabei – reparieren dort ausgemusterte Computer. Zusammen mit IT-Experten. Für die meisten ist das PC-Recycling aber gar nicht die Hauptsache. Die Jugendlichen genießen vor allem die Gemeinschaft und die familiäre Atmosphäre.

NETTE

, 18.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Diese Netter recyclen Computer für den guten Zweck

Auch einige Flüchtlinge helfen regelmäßig in der Netter PC-Werkstatt, die Dieter McDevitt (nicht im Bild), Bianca Budde (l.), Wolfgang Schlunder (M.) und Uwe Martinschledde (r.) leiten.

Die Idee zur Computer-Werkstatt hatte der Mengeder Bezirksvertreter Dieter McDevitt von der Piraten-Partei. Mit Jugendlichen und jungen Flüchtlingen alte Modelle wieder auf Vordermann zu bringen, um sie dann an bedürftige Haushalte zu verschenken – von diesem Konzept war Jugendreferentin Bianca Budde sofort begeistert.

Auch seine Partei-Kollegen Uwe Martinschledde und Wolfgang Schlunder musste McDevitt nicht lange überreden. „Mit gefiel von Anfang an der Gedanke, mit Jugendlichen zu arbeiten, sie zu unterstützen. Das alles hier gibt mir so viel, das kann man sich mit Geld nicht kaufen“, sagt Wolfgang Schlunder. Er ist die „rechte Hand“ von Uwe Martinschledde, der offiziell für die Organisation der PC-Werkstatt zuständig ist. „Obwohl ich von Computern keine Ahnung habe“, sagt Martinschledde.

20 Laptops

Sein Job besteht vor allem darin, für Nachschub zu sorgen. Und den macht er gut. Seine Garage steht bereits voll, genauso wie ein Lagerraum im Jugendkeller. Heute hat er 20 ausrangierte Laptops aus einem Berufskolleg mitgebracht. „Natürlich dürfen sich die Jugendlichen die Computer auch für sich selber reparieren und mitnehmen.“

Bei Julien (13) zu Hause steht bereits ein Computer, den er selbstständig repariert, mit Grafikkarte, Software, Tastatur, Maus und Monitor ausgestattet hat. „Bevor ich hier herkam, wusste ich nicht einmal, was ein VGA- oder ein Kaltkabel ist“, erzählt er. Doch noch mehr als die technische Ausbildung gefällt dem Teenager die Gesellschaft der anderen Jungs und der Teamgeist untereinander. „Die Flüchtlinge sind hier die PC-Experten, und wir bringen ihnen die Sprache bei.“

Juliens ganz persönliches Highlight sind die Pizza-Runden, die die drei „Piraten“ und Bianca Budde häufig ausgeben. Heute haben sie Schokoküsse und Weingummi mitgebracht. Viel ist davon nach einer halben Stunde nicht mehr übrig…

„Er ist wie ein Vater für mich“

Regelmäßig kommt auch Kamal (21), gebürtiger Marokkaner, in die PC-Werkstatt. Uwe Martinschledde sammelt ihn und andere Flüchtlinge jedes Mal am Dortmunder Hauptbahnhof ein. In seiner Heimat habe er sich politisch engagiert, erzählt Kamal. „Ich finde es gut, dass ich hier etwas für andere tun kann, gleichzeitig neue Leute kennenlerne und meine Sprachkenntnisse verbessere.“ Besonders dankbar ist er, dass er Uwe Martinschledde kennengelernt hat. „Er ist wie ein Vater für mich.“

Der familiäre Charakter der Gruppe wird durch gemeinsame Ausflüge unterstützt. „Wir waren schon im Binarium, dem Museum für digitale Kultur, und im Freilichtmuseum“, erzählt Uwe Martinschledde. Stolz ist er auch auf die Kooperation mit einem Seniorenheim in Brambauer. „Die Einrichtung ist mit Freifunk ausgestattet worden, und unsere Jugendlichen zeigen den Bewohnern nun, wie sie surfen können.“

Apropos Freifunk: Demnächst möchte die Gruppe mithilfe einer Freifunkstation Feinstaubwerte ermitteln. Einen entsprechenden Förderantrag hat Bianca Budde beim Landesjugendamt bereits gestellt.

Gruppe trifft sich immer mittwochs

Die Gruppe „PC-Recycling Nette“ trifft sich immer mittwochs ab 17.30 Uhr im Jugendkeller der Noah-Gemeinde, Joachim-Neander-Straße 3. Wer teilnehmen möchte, kann ohne Anmeldung dazustoßen (Achtung: In den Sommerferien könnte das eine oder andere Treffen ausfallen).

Auch nach dem Auszug aus dem Gemeindezentrum, das die Gemeinde Ende 2017 aufgibt, soll die Werkstatt weiterhin stattfinden. Der Ort steht noch nicht fest.