Dieser Dortmunder zieht in der Kulturszene die Strippen

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Wolfgang Kienast prägt seit mehr als zwei Jahrzehnten mit seinen Veranstaltungen die Subkultur in Dortmund – mit Lesungen, Konzerten, Partys, Stadtführungen oder als Autor, DJ und Künstler.

Nordstadt

, 04.09.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er scheint mehr Zeit zu haben als andere und scheint einen unendlichen Ideenreichtum zu besitzen. Zugleich ist er ein Kulturförderer der ganz speziellen Art. Wolfgang Antonius Kienast, Graf von Roit zu Hoya, DJ Martini: Eine Person, der kreative Kopf hinter vielen Formaten, die seit den 90er-Jahren die Dortmunder Kultur und das Nachtleben mitprägen.

Dabei ist der gebürtige Arnsberger eher ein zurückhaltender und nachdenklicher Typ, der über sich selbst sagt, sein Leben sei wie ein Puzzle: Alles greift ineinander, ergänzt sich.

Kultur bestimmt sein Leben

Seit 1989 hat Wolfgang Kienast seinen Lebensmittelpunkt in Dortmund. Nach dem Abschluss des Studiums der Verwaltungswissenschaften und einigen Semestern Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Archäologie wurde er 1995 Gründungsmitglied des Kreativzentrums „Depot“.

Sein Atelier als bildender Künstler hat er dort noch, allerdings verlagerten sich seine Arbeitsschwerpunkte. Der Journalismus wurde zu einem bis heute bestehenden Begleiter seines Schaffens.

Neben der freien Mitarbeit beim Musikmagazin „Visions“ bis 2010 ist er bis heute freier Mitarbeiter des Kultur- und Designmagazins „Heimatdesign“ und seit 2009 Kolumnist für das Straßenmagazin „bodo“.

Seine „Kräuter-Kolumne“ beim bodo-Magazin war auch Auslöser für die bis heute stattfindenden Wildkräuterführungen und Exkursionen in die urbane Fauna, die er leitet. „Ich möchte die Menschen für das, was in ihrer Stadt wächst, sensibilisieren“, erklärt er. Zumal er bei den Führungen immer wieder neue Inhalte einstreut. So wird der Themenkomplex Kräuter bei Führungen zur Dortmunder Brauereigeschichte ebenso eingebaut wie bei der soeben gestarteten Ausstellung „Robin Hood“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Dort verbindet Kienast mittelalterlicher Historie mit lokalen Naturbezügen – vom Eibenholz für Langbögen oder Linden bis hin zu Kräutern im Mittelalter, die auch in Dortmund wachsen. Zwei Projekte haben ihn vor allem in der Szene- und Subkultur bekannt gemacht: sein Pseudonym DJ Martini und die Kulturreihe „Ekamina“.

Ein elektrischer Kamin als Markenzeichen

„Ekamina“ wurde 2000 im Club Cosmotopia an der Schützenstraße ins Leben gerufen. In dem Club war zuvor ein illegales Bordell und das einzige, nutzbare Überbleibsel war ein an der Wand montierter, elektronischer Kamin. Dieser wurde zum Markenzeichen und Namensgeber der Kulturreihe mit einer interessanten, teils extravaganten Mischung aus Literatur, Theater, Film oder Tonkunst im Spagat zwischen Underground und Hochkultur.

Dieser Dortmunder zieht in der Kulturszene die Strippen

„Fräulein Nina“ sinniert und singt in ihrer Gedanken- und Musikshow über „Love Stories“, begleitet romantische Lovesongs aus den 50er- und 60er-Jahren: Am 12. September um 20 Uhr im Sissikingkong. © Didi Stahlschmidt

Seit 2004 ist das Format im Sissikingkong zu Hause und bliebt seinem Konzept treu, oftmals experimentelle Formate ohne großen technischen Aufwand fernab des Mainstreams zu präsentieren.

Sein Alter Ego „DJ Martini“ und damit seine Tätigkeit als gleichnamiger DJ mit dem Schwerpunkt auf Retro-Sounds von Swing, Rock’n’Roll und Beat bis Soul und Funk der 60er- und 70er-Jahre sowie Schlager der Wirtschaftswunderjahre machten ihn in der Dortmunder Partyszene bekannt.

Zumal er schon als Zivildienstleistender anfing aufzulegen und das bis heute bei Formaten wie „La Boum“ tut. „Bei mir hängt irgendwie alles wie in einem Spinnennetz zusammen“, sagt er.

So auch sein erworbener Adelstitel. Nach einer Lesung im Sissikingkong über einen Herzog recherchierte er zu dem Thema weiter und kam auf die Möglichkeit, eine Parzelle Land zu erwerben, um sie vor einer möglichen Kommerzialisierung zu retten – und als Dank gab es den Ehrentitel Graf von Roit zu Hoya.

Informationen und Termine: 12. September: Konzert „Fräulein Nina“ , 19. September: Lesung mit „Dond und Daniel“, 26. September: Live-Jazz mit dem „Holger Weber Trio“ // „Ekamina“ im Sissikingkong, Landwehrstraße 17 // ekamina@web.de // www.ekamina.de
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