Dieser Hitler ist ein böser Witz

Verfilmung des "Vermes-Romans"

Nur ein Haufen Hitler-Witze? Keinesfalls. Timur Vermes' "Er ist wieder da" war eine veritable Mediensatire um Adolf Hitler. Die Verfilmung sattelt noch eins drauf, wenn sie den "Führer" mit echten Nazis, AfD-Politikern und Leuten von der Straße konfrontiert.

07.10.2015, 16:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dieser Hitler ist ein böser Witz

Hitler entdeckt im Jahr 2014 das "Internetz".

Zur Erinnerung: Vermes lässt Hitler im Berlin von heute erwachen, wo er in kürzester Zeit eine Blitz-Karriere im Fernsehen startet, weil man ihn für einen Comedian hält. Regisseur David Wnendt hatte nun den grandiosen Einfall, seinen Hitler-Darsteller Oliver Masucci in unsere Wirklichkeit zu stellen. 2014 ging er mit dem Uniformierten auf die Straße.

Der "Führer" unter Fußball-Fans am Reichstag, bei einer NPD-Demo, im Dunst bayrischer Bierzelte, wo alten Herren völkisches Gedankengut von der Zunge geht. "In meinem Verständnis von Demokratie sagt einer, wo es langgeht", meint sinngemäß der Kamerad von der NPD. "Absolut mein Demokratieverständnis", schnarrt Hitler-Masucci.

Ironische Brechung

Junge Burschen machen Selfies mit Hitler. Der "deutsche Gruß" wird gezeigt, auch von grinsenden Arabern, an denen Masucci in vollem Wichs im Cabrio vorbeifährt. Dazu singt Katja Ebstein "Er ist wieder da" (1968) - köstlichste ironische Brechung.

Immer lief die Kamera. Die Leute haben unterschrieben, dass die Bilder genutzt werden dürfen. Wer es nicht tat, erscheint mit verpixeltem Gesicht. Was ist Fiktion, was Realsatire? Wie viel Hitler steckt in den Deutschen? Mit ihren Doku-Splittern zielt die Kinoversion noch über den Roman hinaus.

Regisseur überzeugt

David Wnendt ("Kriegerin", "Feuchtgebiete") zeigt sich erneut als überragender Regie-Stratege und gewiefter Handwerker. "Er ist wieder da" ist so lustig wie hintersinnig und bissig. Ausgeteilt wird in viele Richtungen: Quotengeile Fernsehfritzen, hippe Videoblogger, Politiker aller Lager kriegen vor den Latz. Des "Führers" Schandmaul kennt kein Pardon.

Wnendt weiß, wie man Pointen setzt, leichte und ganz, ganz böse. Die Inszenierung hat Schwung, Oliver Masucci, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Fabian Busch und Michael Kessler sind prima besetzt. Frank Plasberg, Jörg Thadeusz, Joko, Klaas und andere Promis treten als sie selber an. Großartig.