Dieses Buch hat viele Gesichter

Bibelmuseum Wuppertal

Es ist ein schwieriges Unterfangen, jemanden zu finden, der der Sprache Worora mächtig ist. Allenfalls noch 20 Aborigines der nord-west-australischen Kimberley-Küste beherrschen sie heute noch. Noch seltener als Sprachkundige sind Bücher in Worora. Vier Stück gibt es auf der Welt. Eines steht im Bibelmuseum Wuppertal - das Neue Testament im Worora-Dialekt Unggumi.

WUPPERTAL

, 20.12.2016, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Armenbibel aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Schlüsselszenen der Schöpfungsgeschichte und der Evangelien in Bildform. Zu sehen sind zum Beispiel die Vertreibung aus dem Paradies oder die Geburt Christi. Das Buch stammt aus einer Zeit, in der viele Deutsche nicht lesen oder schreiben konnten.

Diese Armenbibel aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Schlüsselszenen der Schöpfungsgeschichte und der Evangelien in Bildform. Zu sehen sind zum Beispiel die Vertreibung aus dem Paradies oder die Geburt Christi. Das Buch stammt aus einer Zeit, in der viele Deutsche nicht lesen oder schreiben konnten.

Es handelt sich um eine der 1334 bekannten Übersetzungen der Evangelien. "Wie nah die alle jetzt am ursprünglichen Text sind, lässt sich aus dem Stegreif natürlich nicht beurteilen", sagt Museumsleiter Stefan Drüeke und schiebt das Buch zurück ins Regal. In bisher 2935 Sprachen wurden Teile der Bibel bisher übersetzt.

Rund 1500 verschiedene Übersetzungen stehen in dem langen Bücherregal, das den Eingangsbereich des Museums flankiert. Die Sprachfassungen machen nur einen kleinen Teil der Exponate auf den 1800 Quadratmetern des Hauses aus. "17000 Bibeln und Schriftstücke aller Art und aller Epochen wurden über die Jahre zusammengetragen" , erklärt Drüeke. Und die zwölf Mitglieder des gemeinnützigen Trägervereins "Museum für Bibelgeschichte" arbeiten stetig daran, ihre Sammlung zu vergrößern. "Manches bekommen wir geschenkt, wieder anderes wird über Spendengelder angeschafft."

Schriftstücke aller Epochen

Bei der gezielten Suche nach Neuzugängen sind Stefan Drüeke und sein Team ständige Besucher von Antiquariaten, aber auch oftmals im Internet unterwegs. "Seltene Übersetzungen gibt's mitunter sogar nur als Book-on-demand-Varianten", so Drüeke. Intensiv beschäftigt hat sich der promovierte Chemiker schon immer mit der Bibel. Was er und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren an verschiedenen Schriften ansammelten, wurde in kleinen Ausstellungen präsentiert.

Bis dann im Jahr 2000 der Traum vom eigenen Museum mit ständiger Ausstellung langsam Realität wurde. An der Bendahler Straße, in nächster Nähe des Wuppertaler Hauptbahnhofs, kaufte der Verein die ehemaligen Räume eines Möbelhauses und baute sie zum Museum um. Heute ist ein Streifzug durch das Haus nicht nur eine Reise durch die Geschichte der Bibel, sondern ebenfalls ein Blick in die Historie der Schrift. Bilderschriften der Sumerer, Keilschriften, Hieroglyphen und erste Vorläufer des lateinischen Alphabets gibt es zu entdecken, wenn man 3500 Jahren Bibelgeschichte nachspürt.

Bilderkodex für die Armen

In der gab es aber nicht immer nur prunkvolle Prachtschriften auf feinstem Papier wie etwa die lateinische Vulgata, die hauptsächlich in den Klöstern des Mittelalters anzutreffen war. "Im Spätmittelalter war der Analphabetismus so verbreitet, dass bis zu 80 Prozent der Deutschen nicht schreiben oder lesen konnte", so Drüeke. Für des Lesens Unkundige entstand in dieser Zeit die Armenbibel, auch als Bilderbibel oder -kodex bekannt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bibelmuseum Wuppertal

06.09.2013
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Ein Bild aus dem "Heliand", ein im Original um 863 verfasstes Werk, das die vier Evangelien in Gedichtform enthält.© Foto: Fabian Paffendorf
Ein Blick in den sogenannten Krumauer Bildercodex, eine Armenbibel, die um 1360 entstand.© Foto: Fabian Paffendorf
Über 1500 verschiedene Übersetzungen und Sprachfassungen gibt es zu entdecken.© Foto: Fabian Paffendorf
Die sogenannte Wenzelsbibel ist eine der ältesten Prachthandschriften der Bibel.© Foto: Fabian Paffendorf
Die teils aufwändigen Illustrationen der alten Bibeln machen optisch gut was her. © Foto: Fabian Paffendorf
Der Nachbau einer Druckpresse aus Gutenbergs Zeiten gehört zu den optischen Höhepunkten im Museum. © Foto: Fabian Paffendorf
Auch dieser Nachdruck eines Exemplars aus dem 13. Jahrhundert gehört zur Gattung der Bilderbibeln.© Foto: Fabian Paffendorf
Im Bibelmuseum gibt es viele alte Originalschriften zu bewundern.© Foto: Fabian Paffendorf
Armenbibeln wie diese waren im Spätmittelalter weit verbreitet, denn viele Menschen konnten nicht Lesen oder Schreiben.© Foto: Fabian Paffendorf
Stefan Drüeke zeigt eine seltene Übersetzung, das Neue Testament in der Worora-Sprache.© Fabian Paffendorf
Den Eingang des Bibelmuseums Wuppertal flankiert eine Bücherwand mit diversen Sprachfassungen der Bibel.© Foto: Fabian Paffendorf
Eine Abbildung aus einer Goldenen Bilderbibel, die im 15. Jahrhundert erschien.© Foto: Fabian Paffendorf
Dieses griechische Evangelien-Lektionar (Vorlesebuch für Gottesdienste) entstand um 1470. © Foto: Fabian Paffendorf

Darin werden Schlüsselszenen der Geschichten in handgezeichneten Bildern dargestellt, denen nur kurze Erklärtexte anbeigestellt sind.Echte Hingucker im Bestand des Museums sind ebenso einige originale Schriftrollen. Höhepunkt darunter ist eine 45 Meter lange Schrift, die die Bücher Mose beinhaltet. 

Bibelmuseum Wuppertal, Bendahler Straße 58-60, freitags von 14-18 Uhr geöffnet. Besuche an anderen Tagen nur nach Anmeldung unter Tel. (0202) 317727 37. Eintritt frei.

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