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Dieter Falk bringt Luther als Pop-Oratorium auf die Bühne

Westfalenhalle Dortmund

3000 Sänger in der Dortmunder Westfalenhalle 1, und mittendrin: Komponist Dieter Falk, mit über 50 Platin- und Goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Sandra Heick sprach mit ihm über sein neuestes Projekt: das Pop-Oratorium "Luther". Uraufführung ist am 31. Oktober.

DORTMUND

, 21.09.2015 / Lesedauer: 3 min
Dieter Falk bringt Luther als Pop-Oratorium auf die Bühne

Dieter Falk, der Komponist des Pop-Oratoriums „Luther“, bringt 3000 Sänger in die Westfalenhalle 1.

Herr Falk, was erwartet das Publikum in der Westfalenhalle 1? Ein großes Musikkino – ein Konzert mit 3000 Sängern, Band, Orchester. Der Aufwand ist ähnlich groß wie bei der „Night of the Proms“.

Haben Sie schlaflose Nächte? Nein. Ich gehe ja nicht blauäugig an die Sache heran. Michael Kunze und ich, die Songschreiber, wir haben 2010 bereits ein Pop-Oratorium in die Westfalenhallen gebracht. „Die 10 Gebote“. Wir wissen, auf was wir uns einlassen, und dass es machbar ist.

Dieter Falk (55) ist Musikproduzent, Arrangeur, Komponist, Keyboarder und Professor für Pop in Düsseldorf.

 

3000 Sänger – das sind ziemlich viele. Wie organisieren Sie die Proben? Es gibt drei große Proben, eine davon hat bereits stattgefunden. Da waren alle Chöre anwesend, die mitmachen – und ich hatte Gänsehaut. So einem gigantischen Massenchor zu lauschen, wie er deine Lieder singt, und ihm ein Fortissimo zu entlocken – das ist auch für alte Hasen emotional.

Und wie geht’s weiter? Die zweite große Probe findet eine Woche vor der Uraufführung statt, mit allen Sängern, auch den Solisten. Und dann wird ein einziges Mal mit allen Akteuren zusammen geprobt, am 30. Oktober.

Ist das Chaoslevel hoch? Es treffen ja die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Der Jüngste, der mitmacht, ist neun, der älteste 84. Es sind Kirchen-, Jugend-, Männer- und Frauenchöre mit Sängern dreier Generationen dabei. Chaos bedeutet das aber nicht. Alle sind bestens vorbereitet. Als die Stücke geschrieben waren, da hatte ich die rund 100 Chorleiter zusammengetrommelt, um mit ihnen eine CD aufzunehmen. Die läuft inzwischen bei allen Sängern rauf und runter.

Was fasziniert an Luther? Was macht seine Geschichte so spannend, dass man auf ihr ein Pop-Oratorium aufbaut? Luther kennt jeder – auch Menschen, die sonst nicht so viel mit Kirche am Hut haben. Der Mann ist eine Marke. Hat dickköpfig gegen das Establishment aufbegehrt. War ein Medienstar, der die deutsche Schriftsprache maßgeblich geprägt hat. Und: Er hat deutschsprachiges Liedgut in die Kirchen gebracht. Luthers Geschichte war ein gefundenes Fressen für mich.

Sie komponieren in Düsseldorf, Michael Kunze schreibt in Hamburg die Texte. Was liegt zwischen der ersten Idee und dem fertigen Stück? Anfangs haben wir uns ein paar Mal getroffen und besprochen, an welcher Stelle in Luthers Biografie wir den Schwerpunkt setzen. Wenn dann ein Stück komponiert war, schickte ich eine MP3 nach Hamburg, mit viel „lala“ drauf. Dann kam ein Textdokument zurück. Wir feilten an unseren Kreationen, bis wir zufrieden waren. Im Studio entstanden schließlich erste Demo-Auf nahmen. Ich hoffe, dass der eine oder andere Song vielleicht sogar seinen Weg in die Kirchen findet.

Und was war für Sie als Komponist die größte Herausforderung? Es ist nicht leicht, den richtigen Weg zu finden, der zwischen Mainstream – eingängigen Songs – und Kantigkeit entlangführt. Es besteht bei kirchlichen Themen eine große Gefahr, zu glatte Songs zu komponieren. Das hatte ich stets im Hinterkopf.

Frank Winkels spielt Martin Luther – was prädestiniert ihn für diese Rolle? Seine Hartnäckigkeit? Frank Winkels ist wie 80 Mitbewerber zum Casting erschienen – und hat vor allem mit seinem Blick überzeugt. Luthers Dickköpfigkeit, die fast schon Besessenheit war, bringt er genau auf den Punkt. Und dann kommt noch ganz viel Herzblut hinzu.

Muss ich gläubig sein, um Spaß an „Luther“ zu haben? Es ist eine Aufführung für jeden. Wir machen bei unseren Oratorien einen Spagat zwischen religiösen Themen und weltlicher Kunst. Bauen Brücken. Die Kirche hat einen Imageschaden, ist aktuell eher unsexy. Viele Musiker haben im Kirchenchor zur Musik gefunden – und verschweigen es. Das ist schade.

Haben auch Sie mal im Kirchenchor gesungen ? Meine Mutter hat einen Kirchenchor geleitet. Und in der Kirche, wo sie musiziert hat, stand ein Klavier. Da habe ich mich als 14-Jähriger dran gesetzt und die Sänger begleitet. Der Kirchenboden war meine erste kleine Bühne. Dieses Erlebnis war der Antrieb, bis ins Alter bei der Musik zu bleiben.

Rund 800 Sänger aus ganz Deutschland, die nicht in einem Chor singen, proben Sonntag (27. 9.) in der Hagener Stadthalle für . Die übrigen 2200 Sänger studieren das Oratorium seit Wochen mit ihren Chören ein. Die Uraufführung beginnt am 31. 10. um 14 Uhr in der Dortmunder Westfalenhalle 1. Zweite Vorstellung: 31. 10., 19 Uhr. Es folgen weitere Aufführungen in verschiedenen Städten, jeweils mit Chören aus der Region. Abschlussveranstaltung: 29. 10. 2017 in Berlin, anlässlich 500 Jahre Reformation.

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