Dieter Hildebrandt nahm in der WerkStadt die Wirtschaftskrise aufs Korn

WITTEN Am "Ascherfreitag" feierte die ausverkaufte WerkStadt den Meister des deutschen Kabaretts, Dieter Hildebrandt, zu Recht mit Minuten langen Ovationen. Der in Höchstform befindliche Wahl-Münchener nahm sich aller globalen und nationalen Missstände bissig an. Er ließ dabei kein Auge trocken.

von Von Dietmar Bock

, 01.03.2009, 16:34 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dieter Hildebrandt war am Freitag in Hochform.

Dieter Hildebrandt war am Freitag in Hochform.

Mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten "Doppel-Over-Wipper-Strauß" und den Gepflogenheiten zum politischen Aschermittwoch ("Der Bayer startet mit vier Litern Bier in die Fastenzeit") leitete er eine kabarettistische, exzellent pointierte Weltreise vom Feinsten ein.

Geld als Metapher

Mit "Es scheint, als wollten sich die Minister unserem Niveau angleichen, also unser Niveau senken" nahm er die politische "Klasse" ebenso auf die Schüppe wie die Wirtschaftskrise: "Für die Politiker ist Geld eine Metapher, etwas, was gar nicht mehr da ist. Das ist Scheingeld, nicht mehr Geldschein" und "Zehn Milliarden wurden in den Sand gesetzt, der Sand wird knapp". Der Mitbegründer der Münchener Lach- und Schießgesellschaft sprühte vor Elan, zeigte sich angriffslustig und sprach seinen Fans dabei spürbar aus dem Herzen. Er war Freitag in der Form seines Lebens und mitunter auch sichtbar verärgert, gar wütend.

Quereinsteiger

Angesichts der milden Verurteilung des Millionen-Steuerhinterziehers Zumwinkel und der Entlassung der Kassiererin, die Leergutbons im Wert von 1,30 Euro veruntreut haben soll, rief er aus: "Es scheint jetzt auch bei Gericht Quereinsteiger zu geben! Recht haben reicht nicht, man muss auch mit der Justiz rechnen!"

Die Politiker watschte der Wahl-Münchener gleichfalls ab: Merkel ("Krampfhenne aus der Uckermark"), Huber und Beckstein ("Murks-Brothers"), Tiefensee ("bedrückende Kompetenzschwellenüberschreitung"), Schröder ("unsere Zentralheizung") und Westerwelle ("Er ist nicht das Licht am Ende des Tunnels, sondern der Tunnel. Da wird´s dunkel im Denkbereich").

Altersmilde zeigt sich Dieter Hildebrandt auch in seinem aktuellen Buch "Nie wieder achtzig!" nicht, aus dem er nach seinen ausgiebigen aktuellen Betrachtungen las. Ob Unternehmensberater, Helmut Kohl, Tour de Trance oder Life-Style-Magazine, sie alle mussten sich den treffenden satirischen Spott des "Scheibenwischers" gefallen lassen.