Digitale Lösungen für die Linderung der Einsamkeit

rnCorona-Krise

Körperliche Nähe meiden, menschliche Nähe verstärken - den scheinbaren Widerspruch aufzulösen gelingt in virtuellen Räumen. Für alle, denen das Telefon bislang gereicht hat, gibt es nun immer mehr „Updates“.

Unna

, 29.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Teile der Wirtschaft sich ins Home Office verabschieden und eine Kanzlerin in Quarantäne das Land per Telefonkonferenz regieren kann, wird klar, dass Kommunikationsmittel jenseits des Ferngesprächs mehr leisten als bislang für möglich gehalten. Die Krise zwingt selbst bekennende Analogmenschen dazu, sich mit der Digitalisierung der menschlichen Begegnung auseinanderzusetzen. Manche lernen dabei ihre Vorteile kennen. Aber auch für diejenigen, denen der Einstieg schwer fällt, gibt es immer mehr Einstiegshilfen.

Einsteigertipps von der Ehrenamtsagentur

Die Unnaer Ehrenamtsagentur hat ein Informationsblatt zusammengestellt, das Tipps und Querverweise zu sinnvollen Internetquellen zusammenfasst. Weil ein öffentliches Auslegen in Papierform der Idee der Kontaktvermeidung widersprechen würde, ist es auf die Internetseite der Initiative hochgeladen worden.

Wichtigste Botschaft der Ehrenamtsförderer vorab: Die Einrichtung einer einfachen Telefonkonferenz ist kostenlos möglich und sogar recht einfach. Etwas tiefere Beschäftigung verlangt eine Videokonferenz.

Wenn sich schon die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im virtuellen Raum zum Gipfeltreffen zusammenschalten, sollten doch auch private Begegnungen möglich sein.

Wenn sich schon die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im virtuellen Raum zum Gipfeltreffen zusammenschalten, sollten doch auch private Begegnungen möglich sein. © picture alliance/dpa

Unnas Hacker-Club lädt ein zum „Social Life 2.0“

Wer richtig tief in diese Materie eindringen will, für den hat der Unnaer Verein UN-Hack-Bar eine Art Anleitung für das „Social Life 2.0“ zusammengestellt. „Technik kann helfen, uns wieder näher zu kommen“, erklärt der Verein hinter dem „Hack Space“ an der Morgenstraße, und das sei in Zeiten der Corona-Krise vielleicht auch für die ansonsten weniger IT-begeisterten Menschen eine Chance. Die Hacker aus Unna stellen den Menschen ihre digitale Infrastruktur zur Verfügung - und dabei Plattformen vor, von denen ein Großteil der Bevölkerung noch nie etwas gehört hat.

Die UN-Hack-Bar ist normalerweise ein analoger Treffpunkt für Freunde von Elektronik und Informationstechnik. Während der Corona-Krise müssen sich die Mitglieder leibhaftig aus dem Weg gehen. Auf digitalen Plattformen bleiben sie aber in Verbindung.

Die UN-Hack-Bar ist normalerweise ein analoger Treffpunkt für Freunde von Elektronik und Informationstechnik. Während der Corona-Krise müssen sich die Mitglieder leibhaftig aus dem Weg gehen. Auf digitalen Plattformen bleiben sie aber in Verbindung. © UDO HENNES

Die Technik läuft - und jetzt?

Doch die technische Plattform allein ist nur eine Voraussetzung dafür, dass das soziale Leben auch im virtuellen Raum gelingt. Skepsis daran, dass diese Form der Begegnung ein echter Ersatz für das Treffen in leiblicher Gegenwart sein kann, hören auch die Mitglieder der UN-Hack-Bar. „Eine Aussage, die in unseren Reihen oft getätigt wird, ist: Du kannst soziale Probleme nicht mit Technik lösen“, heißt es in einem Text der Initiative. In der Regel treffe es auch zu, aber die derzeitige Lage sei halt eine Ausnahme.

Die Ehrenamtsagentur gibt eine Reihe von Praxistipps dafür, wie Familien, Freundeskreise, Vereine und andere Gruppen die technischen Möglichkeiten mit Leben füllen können:

Virtuelle Stammtische: Bis Kneipen und Cafés wieder öffnen, einfach zum

bewährten Termin zur Telefonkonferenz laden.

Familientreffen: Zu einem regelmäßigen Termin virenfreie Enkelkontakte ermöglichen.

Telefon-Kränzchen: In Nachbarschaft und Bekanntenkreis nach

Einsamen suchen und ein Kontaktgrüppchen mit festem Termin gründen.

Virtuelle Vorstandssitzung: Sie sind sogar in einigen Satzungen gestattet und inzwischen in manchen Vereinen getestet.

Literarische Zirkel: Bücher lesen, sie anderen vorstellen und darüber diskutieren.

Philosophieren: Vielleicht mit tiefsinnigen Radiobeiträgen als Impuls zum Symposion zusammenrufen.

Hellweger-Frühshoppen: 10 Uhr, die Zeitung ist durch - Zeit, in der TelKo mit andren darüber zu diskutieren.

Basis-Lockruf: Wann, wenn nicht jetzt, ist in einem Verein oder einer Partei die Zeit gekommen, alle Mitglieder zu befragen, was sie für Ideen für die Vereinszukunft haben?

Auch in der digitalen Runde gelten Regeln

Ein paar Tipps fürs Verfahren zeigen zudem, dass auch der virtuelle Raum nicht frei ist von gesellschaftlichen Konventionen. Sinnvoll sei, wenn jeweils eine Person die Moderation der Runde übernimmt, also Gastgeber ist. Das kann natürlich reihum gehen. Themenvorschläge sollten per Text-Nachricht vorab in die Runde gegeben werden. Pünktlichkeit ist auch von zu Hause aus eine Form der Höflichkeit.

Adressen im Netz

So klappt das Treffen im virtuellen Raum

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