Dirigent Kurt Masur ist mit 88 Jahren gestorben

Nachruf

Der letzte wahre Romantiker war Kurt Masur für die Klassikfreunde. In seiner fast 60-jährigen Karriere ist der Dirigent, „der in Klängen träumt“, zum Weltstar geworden und ein bescheidener Weltstar geblieben. Am Samstag starb er mit 88 Jahren im amerikanischen Greenwich in Connecticut.

19.12.2015, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dirigent Kurt Masur ist mit 88 Jahren gestorben

Kurt Masur ist mit 88 Jahren gestorben.

Seine Auftritte mit dem London Philharmonic Orchestra und dem Gewandhausorchester in den Philharmonien Dortmund und Essen waren Sternstunden für beide Häuser.  2010 nahm er in der Philharmonie Essen auch den Echo-Klassik-Preis für sein Lebenswerk entgegen. Die Laudatio auf den Maestro hielt damals sein Freund Hans-Dietrich Genscher.

Mit den Fingerspitzen formte Masur Klänge, ballte die Faust in typischer Pose, wenn er dramatische Wucht darstellen wollte und ließ den Musikern immer viel Zeit, um Klänge auszumalen.

Als „scheuen Menschen“ bezeichnet sich Masur. Trotzdem braucht er das Rampenlicht. Auch nach mehreren Stürzen 2012 und 2013 nahm er schnell wieder den Taktstock in die Hand. Vor zwei Jahren erkrankte der ehemalige Gewandhauskapellmeister an Parkinson, aber er dirigierte weiter - im Rollstuhl.

Gewandhauskapellmeister

Zum Dirigieren kam der im schlesischen Brieg geborene Sohn eines Ingenieurs über Umwege. Er wollte Konzertpianist werden, doch eine Versteifung einiger Finger machte dies unmöglich.

In Leipzig studierte er Komposition und Orchesterleitung – 1970 wurde er dort Gewandhauskapellmeister, stand 26 Jahre am Pult des berühmten Klangkörpers und prägte dessen besonderen, dunklen Klang. Mehr als 42 Uraufführungen hat Masur geleitet.

 

Politiker wider Willen  

Im Wende-Herbst 1989 wurde Kurt Masur zum Politiker wider Willen. In den Wirren der Montagsdemonstration gehörte er zu den Mitunterzeichnern eines Aufrufs zur Gewaltlosigkeit.

„Die friedliche Revolution und die Wende waren ein Wunder“, sagt Masur. Später öffnete er das Gewandhaus für Diskussionen und war für sein Engagement Anfang der 1990er Jahre für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Die Stadt Leipzig machte ihn im Dezember 1989 zum Ehrenbürger. 2004 wurde Kurt Masur in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet.

„Eiserner Kanzler“

Als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra (1991-2002) eroberte der deutsche Souverän das amerikanische Publikum. Das Ensemble lernte den „eisernen Kanzler“ als konsequenten Leiter am Pult kennen.

Von 2002 bis 2007 war Masur auch Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra sowie von 2002 bis 2008 musikalischer Leiter des Orchestre National de France.

Musik als Botschaft

"Musik ist für ihn eine Botschaft", schloss Hans-Dietrich Genscher im Oktober 2010 bei der Echo-Klassik-Preisverleihung in der Philharmonie Essen seine Laudatio auf einen der berühmtesten Dirigenten des 20. Jahrhunderts: Kurt Masur.

 

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