Diskussion um Kinderbücher: Zusatztexte sollen diskriminierende Begriffe erklären

Kinderbücher

Begriffe wie „Neger“, „Zigeuner“ oder „Mohrenstraße“ tauchen immer wieder in älteren Kinderbüchern auf. NRW-Intrgrationsminister Joachim Stamp fordert nun entsprechende Zusatztexte.

Düsseldorf

07.09.2020, 10:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Um das Kinderbuchreihe rund um Jim Knopf gab es in den vergangenen Wochen Diskussionen um einige Formulierungen.

Um das Kinderbuchreihe rund um Jim Knopf gab es in den vergangenen Wochen Diskussionen um einige Formulierungen. © picture alliance/dpa

NRW-Familien- und Integrationsminister Joachim Stamp hat sich dafür ausgesprochen, ältere Kinderbücher mit diskriminierenden Begriffen wie „Neger“ durch Zusatztexte zu ergänzen. In einem Interview der „Rheinischen Post“ (Montag) wurde der FDP-Politiker gefragt, ob man gängige Begriffe und Straßennamen wie die „Mohrenstraße“ verändern müsse. Stamp antwortete darauf, es komme darauf an, ob es Menschen gebe, die sich dadurch verletzt fühlten. Wenn das der Fall sei, „sollte die Sensibilität vorhanden sein zu ändern“.

Auf die Frage, ob dies auch für Kinderbuchklassiker wie „Pippi Langstrumpf“ und „Jim Knopf“ gelte, sagte er: „Es sollte einen erläuternden Text dazu geben, der die Begrifflichkeiten und Zusammenhänge einordnet. Das stärkt die Sensibilität von Kindern, um nicht mit Sprache zu verletzen.“ Das Lied von den „Zehn kleinen Negerlein“ sei „eindeutig verletzend“. In jüngerer Zeit war der Vorwurf erhoben worden, in den Jim-Knopf-Geschichten von Michael Ende würden mitunter stereotype Darstellungen des afrikanischen Jungen verbreitet.

Veränderungen auch bei Büchern von Astrid Lindgren

Eine Kita-Leiterin aus Hamburg hatte in einem Interview der „Zeit“ bemängelt, die Geschichte reproduziere viele Klischees zum angeblich typischen Wesen und Äußeren von Schwarzen. Vor allem die Passage, in der Jim als „Neger“ bezeichnet wird, ist umstritten. Aus den „Pippi Langstrumpf“-Büchern von Astrid Lindgren hatte der Verlag Friedrich Oetinger die Wörter „Neger“ und „Zigeuner“ schon 2009 gestrichen und Pippis Vater in einen „Südseekönig“ umgewandelt.

Dazu hatte der Verlag mitgeteilt, die schwedische Schriftstellerin sei auf keinen Fall rassistisch gewesen. Als sie die Bücher in den 1940er Jahren geschrieben habe, sei „Neger“ in Skandinavien - wie überhaupt in weiten Teilen Europas - das gängige Wort für Schwarze gewesen. Auch aus der 1957 erschienenen „kleinen Hexe“ von Otfried Preußler war das Wort „Negerlein“ noch zu Lebzeiten des Autors gestrichen worden.

dpa

Lesen Sie jetzt

Kinder wollen zuhause bespaßt werden. Damit euch das nicht an den Rand des Wahnsinns treibt, sondern ihr die Kleinen geschickt ablenkt, hat Coolibri Tipps zu Aktivitäten gegen Langeweile daheim.

Lesen Sie jetzt