Dogewo-Mieter warten seit 47 Jahren auf Modernisierung

Auf'm Brautschatz

Als die letzte Mieterhöhung kam, hatten Wilfried und Lotti Nagel genug. Seit 47 Jahren wohnt das Ehepaar in einem Haus der Dogewo21 in der Straße Auf‘m Brautschatz. Seitdem ist das Haus nahezu im selben Zustand, weil der Dogewo eine Sanierung zu teuer ist. Die Mieter fordern nun eine Lösung.

HÖRDE

von Von Felix Guth

, 16.08.2013, 02:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Fassade des Hauses.

Die Fassade des Hauses.

Da ist die Außenwand, die beinahe ungeschützt Wind und Feuchtigkeit durchlässt. Die Folge: Schimmel in mehreren Räumen, seit Jahren nur notdürftig überstrichen. Auf dem Dachboden wird es abenteuerlich. Nackte Dachpfannen ohne Isolierung, dazwischen immer wieder sichtbare Lücken. Für Regentage hat Lotti Nagel (76) hier immer drei Eimer parat stehen. Da sind veraltete Rohre und Leitungen. „Jeder Handwerker sagt uns: Bis bald, denn das hält nicht lange“, erzählt Wilfried Nagel.Und da ist ein Sicherheitsproblem, das Familie Nagel schon schmerzhaft gespürt hat. Zweimal ist in den vergangenen eineinhalb Jahren in ihre Wohnung eingebrochen worden. Die Haustür ist auf dem technischen Stand der späten 50er Jahre und damit vergleichsweise leicht zu öffnen. „Unsere Versicherung hat klar gesagt, dass diese Türen nicht sicher sind“, meint Wilfried Nagel. Man sei nicht komplett unzufrieden mit Vermieter Dogewo 21, der Service funktioniere. Doch die Nagels und ihre Nachbarn verstehen nicht, dass die Stadttochter für mehrere Millionen Euro verwahrloste Nordstadt-Immobilien kaufen kann, für ihr Haus aber die Investition scheut.

„Die Probleme sind bekannt und der Ärger verständlich“, sagt Dogewo-Sprecherin Regine Stoerring. „Aber wir verfahren so, dass wir Gebäude lieber grundlegend sanieren, anstatt mit Flickwerk anzufangen.“ Im Falle der Brautschatz-Siedlung sei der Bedarf allerdings derart hoch, dass es erst „langfristig“ in der Planung für eine Sanierung sei. Jetzt Haustüren auszutauschen oder einzelne Fassaden aufzufrischen, widerspreche der üblichen Vorgehensweise. 450 Millionen Euro seien in den vergangenen zehn Jahren in den Dortmunder Bestand geflossen. Auch in die Nordstadt, wo Dogewo auch eine Verantwortung für die Stadtentwicklung spüre. Insgesamt gebe es in Dortmund ein spezielles Problem. „Viele der Häuser, die in den 50er- und 60er-Jahren gebaut wurden, altern gemeinsam“, sagt Stoerring. Alle gemeinsam zu sanieren, sei schlicht nicht möglich. Deshalb kann es sein, dass zu den 47 Jahren, die Familie Nagel schon wartet, noch einige hinzukommen. „Unser Problem ist“, meint Wilfried Nagel mit Blick auf andere Viertel von Hörde, „dass wir keine konkurrierenden Wohnungsunternehmen in der Nachbarschaft haben“. Dann, so glaubt er, wäre schon längst etwas passiert. Felix.Guth

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