„Don Karlos“ im tollen Bühnenbild

Schauspielhaus Bochum

Hofdamen in Reifröcken und als Bühnenbild die abstrakte Fassade des Bundesnachrichtendiensts - Jan Neumann verbindet in seiner Inszenierung von Schillers "Don Karlos. Infant von Spanien" die Historie mit der Gegenwart im Schauspielhaus Bochum.

BOCHUM

, 08.11.2015, 15:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Don Karlos (Torsten Flassig, l.) und Philipp II. (Jürgen Hartmann) agieren im tollen Bühnenbild von Dorothee Curio.

Don Karlos (Torsten Flassig, l.) und Philipp II. (Jürgen Hartmann) agieren im tollen Bühnenbild von Dorothee Curio.

Sogar die Kunstpalme vorm BND fehlt nicht und darf hin und wieder blinkend über die Bühne des Schauspielhaus Bochum fahren. Der Spitzel- und Überwachungsstaat, den Schiller im 16. Jahrhundert am spanischen Hofe Philipp II. ansiedelte, findet hier seine Entsprechung.

Es ist ein beeindruckendes Bühnenbild, das Dorothee Curio geschaffen hat. Die Raster-Fassade legt sich über eine steile Schräge und doppelt sich - genauso wie die Schauspieler - in einem bühnenbreiten Spiegel.

Nur äußerlich aktualisiert

Doch es bleibt bei dieser äußerlichen Aktualisierung. Der Regisseur sieht "Don Karlos" als eine Mischung aus Liebestragödie und Politthriller. Am eindringlichsten wird der dreieinhalbstündige Theaterabend, wenn es um die privaten Verwicklungen geht.

Damit wird es auch zu einem Abend für Torsten Flassig, der in der Titelrolle seinen endgültigen Durchbruch feiern könnte. Er spielt den Thronfolger als einen verträumten jungen Mann, der die Rechte eines Erwachsenen einfordert und dann wieder trotzig, wie ein kleines Kind ist, der in einem Moment stürmisch verliebt und im anderen unendlich einsam ist.

Wie er einen großen Eisblock als Symbol für den eisigen Machtapparat umklammert und an seine nackte Brust drückt, ist eines der starken Bilder des Abends.

Starke Auftritte

Auch Juliane Fisch als schöne, kraftvolle Königin, Ziel von Karlos' Begierde, und Minna Wündrich als Prinzessin von Eboli haben ihre starken Auftritte in dieser Schiller-Inszenierung. Das politische Spiel gehört dagegen dem Marquis von Posa. Daniel Stock spielt ihn als unerschrockenen, aber auch fanatischen Mann, der Gedankenfreiheit fordert, sich aber in seinen eigenen Strategien verfängt.

Doch wer das Stück nicht kennt, wird Schwierigkeiten haben, dem Geschehen in all seinen Verwicklungen zu folgen, zumal oft zu schnell und damit unverständlich gesprochen wird.

Termine: 11./18.11., 5./ 29.12., Karten: Tel. (0234) 33335555.

 

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