Donald Trump darf in der Operette vom Adel träumen

Theater Hagen

Operetten und Regisseure mit hohen Ansprüchen an eine aktualisierte, möglichst noch politische Inszenierung vertragen sich nicht gut. Am Theater Hagen versuchte sich nun Holger Potocki an Emmerich Kálmáns "Csárdásfürstin" - ein Regisseur, der vor knapp zwei Jahren mit Gounods "Faust" ein bemerkenswertes Regiedebüt in Hagen hingelegt hat. An diesen Erfolg kann er nicht anknüpfen. Seine Operette scheitert an Einfalls- oder Lustlosigkeit. Am Samstag war die Premiere.

HAGEN

, 15.11.2016, 14:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Donald Trump darf in der Operette vom Adel träumen

Veronika Haller ist die Hagener Csárdásfürstin.

Dass eine Operettenproduktion ausgerechnet in Hagen so deutlich misslingt, ist mehr als bemerkenswert. Denn in der leichten Muse liegt eine Stärke des spielfreudigen Ensembles. Bei Kálmáns "Csárdásfürstin" aber geht das Zurücklehnen der Regie, die sich vor allem auf die Wirkung der sehr prächtigen Ausstattung sowie der schönen Choreografien verlässt, erst einmal gründlich nach hinten los.

Bemüht und hölzern

Der erste Akt wirkt bemüht und hölzern. Erst nach der Pause kommt Schwung ins Ensemble. Nicht zum ersten Mal ist es die junge, quirlige Sopranistin Maria Klier, die als Stasi ordentlich Schwung ins Bühnengeschehen bringt und ihre Mitspieler tatsächlich mitzureißen vermag.

Soweit könnte man meinen, habe die Produktion zwar spät, aber doch noch die Kurve gekriegt - wäre nicht auf den letzten Drücker in einer durch und durch konventionellen Inszenierung noch Potockis politisches Sendungsbewusstsein erwacht.

Misslungenes Video

Allen Ernstes lässt er im Anschluss an eine Szene, in dem Graf Boni vom Fall aller Standesdünkel seiner adeligen Gesellschaft träumt, ein Video einspielen, in dem in martialischer Bildsprache alte und neue Nazis, Donald Trump, Marine Le Pen und Geert Wilders innerhalb weniger Sekunden über einen Kamm geschoren werden.

Der Ultrakurzfilm wirkt wie eine Aktualitätsfloskel, die zurzeit in jedes beliebige Stück eingespielt werden könnte. In einer derart altbackenen Produktion wie dieser Csárdásfürstin wirkt sie nur lächerlich.

18./30.11., 8./14./20./30.12., bis 2.4.; Karten: Tel. (02331) 2073218.

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