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"Ich kriege immer noch eine Gänsehaut"

19.11.2007

Kirchhellen Es war sehr still im Forum des Vestischen Gymnasiums. Rainer Eppelmann bescherte den Schülern mit seinen 45-minütigen Ausführungen über die DDR eine Geschichtsstunde der besonderen Art.

Eppelmann wurde 1943 in Berlin geboren und hat die DDR von Anfang bis Ende miterlebt. "Es gab für uns zwei traumatische Daten in der DDR." Damit meinte er den 17. Juni 1953, den Tag der so genannten Junirevolution, und den 13. August 1961, den Tag des Mauerbaus. "Das hieß damals nicht Mauer, sondern wurde antifaschistischer Schutzwall genannt", so Eppelmann. "Nach diesen beiden Tagen waren wir total eingeschüchtert. Wir trauten uns nicht, etwas zu sagen, denn gegen die da oben kannst du nichts machen." Die Bürger beschränkten sich darauf, wenn möglich, Westfernsehen zu gucken.

Treffen in Kirchen

Da Demonstrationen gegen die SED verboten waren, entdeckten die Menschen im Osten bald eine erlaubte Art, um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen: "Wir trafen uns in Kirchen, die bald so voll wurden, dass wir mit Lautsprechern arbeiteten, damit die Leute vor der Tür noch etwas mit bekamen."

1989 gingen die DDR-Bürger auf die Straße. Sie demonstrierten stumm und ohne Plakate, blieben friedlich und wanderten mit Kerzen um den Leipziger Ring. "Menschen können ohne etwas zu sagen so viel sagen. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke", so Eppelmann. Die Menschen, die mitliefen, wurden immer mehr. Am 4. November nahmen eine Millionen Menschen daran teil. Dies war Auslöser für eine gelockerte Reiseregelung, die zur Öffnung der Mauer führte. "Wir standen am Grenzübergang Bonheumer Straße und hatten unsere Hände auf den Schlagbaum gelegt. Wir waren nicht die einzigen und forderten den Grenzoffizier immer auf, die Schranke zu öffnen. Bis wir einfach unter den Schlagbaum griffen und es selbst taten. Es war der bedeutendste Abend meines Lebens."

Zögerlicher Applaus

Nach seinem Bericht waren die Schüler sehr still. Der Applaus setzte zögerlich ein. Für lange Diskussionen hatte Eppelmann keine Zeit. Er musste weiter nach Wulfen, wo er im AWO Seniorenzentrum erwartet wurde. dzi

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