Grippeimpfstoff - hohe Nachfrage und späte Bestellungen sorgen für Engpässe

rnGrippewelle

Anfang des Jahres 2018 waren mehr als 300.000 Menschen in Deutschland an einer Grippe erkrankt. Die Grippewelle nimmt Kurs auf NRW - aber es mangelt teils an Impfstoff.

NRW

, 07.12.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

In der Region plagen sich schon viele Menschen mit Erkältungen rum. Da ist es zu einer Grippe nicht weit. Aktuell beklagen aber viele Orte einen Engpass des Grippe-Impfstoffs. Mögliche Ursachen für die Knappheit sind laut des Bundesgesundheitsministeriums eine höhere Nachfrage und eine verspätete Bestellung von Grippe-Impfstoffen durch Ärzte und Apotheker.

Wo der Grippe-Impfstoff noch zu haben ist, wo die Unterschiede von einer Grippe zu einer Erkältung liegen und was zur Vorsorge empfohlen wird, darüber geben unsere Fragen und Antworten Aufschluss.

? Wo ist der Grippeimpfstoff noch verfügbar?

Während in vielen Städten wie Castrop Rauxel, Werne, Stadtlohn, Kirchhellen und Bottrop der Grippe-Impfstoff schon aufgebraucht ist, sind in Haltern, Lünen und Selm noch vereinzelt Impfstoffe verfügbar. Anders gestaltet sich die Lage in Dortmund. Die Apotheken hätten den Ärzten „in den letzten Wochen noch mal in größeren Mengen nachgeliefert“, sagt Michael Beckmann, Sprecher des Apothekerverbands in Dortmund. Zwar gebe es auch schon Ärzte und Apotheken, „die keinen Impfstoff mehr zur Verfügung haben.“ Von einem Notstand brauche man in Dortmund aber noch nicht zu reden.

Auch das Klinikum Dortmund ist noch mit dem Impfstoff versorgt und hat ein eigenes Impfzentrum im Haus, in dem man sich beraten und impfen lassen kann.

? Was ist eine Grippe überhaupt?

„Um eine Grippe handelt es sich, wenn der Erreger der Influenza-Virus ist“, erklärt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Krankheiten mit Influenza-Viren verlaufen mit sehr schweren Symptomen. Die Viren zerstören dabei zu einem gewissen Teil das Lungen-Gewebe. Fieber, Schlappheit, starke Kopf- und Gliederschmerzen sind Symptome, die auftreten können. In der Regel wird die Dauer einer Grippe vom RKI mit fünf bis sieben Tagen angegeben. In schweren Fällen kann die Grippe deutlich länger dauern – zwischen drei bis sechs Wochen.

„Die Grippeimpfung ist sehr wichtig!“
Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe

? Wie sinnvoll ist es, sich impfen zu lassen?

Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, ist da eindeutig: „Die Grippeimpfung ist sehr wichtig! Sie schützt nicht nur einen selbst, sondern auch andere Menschen, die sich vielleicht aufgrund ihrer körperlichen Verfassung nicht impfen lassen können oder die anfälliger für eine Influenza-Infektion sind.“

Vor allem Schwangere und Personen über 60 sollten sich impfen lassen, aber auch Herzkranken, Diabetikern, Asthmatikern und medizinischem Personal wird zu einer Grippeimpfung geraten. „Zur Vorbeugung ist die Impfung, die beste Möglichkeit“, erläutert Susanne Glasmacher vom RKI. Nach einer Impfung dauert es bis zu zwei Wochen, bis der Schutz des Impfstoffes komplett aufgebaut ist.

? Wie bereitet sich Dortmund auf die Grippewelle vor?

Mitte Oktober zogen für eine Kampagne zwei Flugbegleiterinnen samt Bordwagen durchs das Klinikum Dortmund. Sie waren für die fiktive „Grippe Airline“ im Einsatz und sollten die Mitarbeiter des Klinikums zur Grippeimpfung informieren. „Wir haben mit der Kampagne Information über den Grippeschutz ausgegeben. Anschließend konnte man sich auch an mobilen Stationen impfen lassen“, erklärt Pressesprecher Marc Raschke: „Das Ganze hat zu einer deutlichen Steigerung der Impfungen geführt.“ Zwei Wochen nach dem Start der Kampagne waren bereits so viele Mitarbeiter geimpft wie im Vorjahr.Die Stadt Dortmund hat zur Vorsorge schon vor Wochen Impfungen für alle Mitarbeiter angeboten, wie auch in den vergangenen Jahren.

? Wie wird der Grippeimpfstoff zusammengestellt?

Die Grundlage für den Influenza-Impfstoff enthält Bestandteile der Viren, die für die Grippewelle erwartet werden. Labore aus der ganzen Welt – in Deutschland ist es das Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut – untersuchen Influenzaviren und geben die Ergebnisse an die Weltgesundheitsorganisation weiter.

Diese stellt auf dieser Grundlage die Zusammensetzung für den Impfstoff jedes Jahr fest. Dieser enthält dieses Jahr jeweils zwei Subtypen des Influenza A- und B-Virus und wird seit diesem Jahr von den gesetzlichen Krankenversicherungen bereitgestellt. „Zudem bietet der Vierfachimpfstoff einen wesentlich umfassenderen Schutz als der Dreifachimpfstoff der Vorjahre. Auch das ist ein klares Argument für die Influenza-Impfung“, sagt Anke Richter-Scheer.

Schwere Nebenwirkungen sind dabei sehr selten, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Website schreibt. Stellenweise kann es nach der Impfung zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle kommen. Auch Symptome wie Frösteln, Müdigkeit, Übelkeit oder Muskelschmerzen können in den ersten drei Tagen auftreten, klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder ab.

Gut zu wissen

Grippe? Erkältung? Hier liegen die Unterschiede

Die Grippe wird durch das Influenza-Virus hervorgerufen, während Erkältungen durch 200 verschiedene Virusarten auftreten können. Eine Erkältung verursacht dabei eher mildere Symptome. Zu diesen zählen Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. In seltenen Fällen auch Fieber. Dennoch ist es oft nicht möglich, eine echte Grippe und eine Erkältung zu unterscheiden. Um sicherzugehen, ob es sich bei der Erkrankung um eine Grippe oder eine Erkältung handelt, muss überprüft werden, welche Viren sich im Körper befinden.

? Was sollte man tun, wenn man befürchtet, betroffen zu sein?

Je nach Schwere der Symptome sollte man zum Arzt gehen oder schauen, ob ein Hausbesuch des Arztes möglich ist. „Vor allem Schwangere oder Personen über 60 Jahre sollten das tun“, sagt Susanne Glasmacher. Diese sind besonders betroffen und haben ein abgeschwächtes Immunsystem, was zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen kann. Im schlimmsten Fall sogar zum Tod.

? Welche Vorsorgetipps gibt es?

„Eine gesunde Ernährung und Bewegung sind für eine gute körperliche Konstitution wichtig“, erklärt Anke Richter-Scheer und führt weiter aus: „Zudem sollte man sich von Erkrankten möglichst fernhalten, sich nicht anhusten lassen, auf das Händeschütteln verzichten und sich selbst regelmäßig gründlich die Hände waschen.“

Die Handhygiene ist hierbei besonders wichtig, das macht auch Susanne Glasmacher vom RKI deutlich: „Unabhängig von der Impfung sollte man auf gute Händehygiene achten. Viren verteilen sich am häufigsten durch Hände. Mein Rat: In den Ellbogen husten oder niesen und Kontakt vermeiden zu kranken Personen.“

? Wann beginnt die Grippewelle?

Normalerweise geht das RKI davon aus, dass die Grippewelle Anfang Januar beginnt und sich bis in den März zieht. In der Regel wird mit einer Zeit von drei bis vier Monaten gerechnet. Zum Ende des vergangenen Jahres und zu Beginn dieses Jahres war die Grippewelle so stark ausgeprägt, dass sie schon Anfang Dezember begann und sich bis in den April zog.

? Wie bereiten sich Hausarztpraxen auf die Grippewelle vor?

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme für die Hausärzte ist die Aufklärung der Patienten, erläutert Anke Richter-Scheer: „Wir Hausärzte beraten unsere Patienten und fordern sie insbesondere bei bestehender Indikation auf, sich impfen zu lassen, sofern ihre körperliche Gesamtkonstitution dies zulässt.“ Auch die gesundheitliche Vorsorge beim medizinischen Personal ist hier maßgeblich. Vor allem sollen „Hausärzte und Praxispersonal die Hygienevorschriften strikt einhalten.“

In Deutschland ist die Grippe die Krankheit mit den meisten Todesfällen. Die Grippewelle von Ende 2017 bis Anfang dieses Jahres war dabei eine der intensivsten in den vergangenen Jahren. Dabei kam es nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums zu rund neun Millionen Arztbesuchen und fast 2000 Todesfällen. Der Krankenstand erreichte im vergangenen Februar mit 6,2 Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren, teilte damals der Interessenverband der Betriebskrankenkassen mit. Weltweit sind es zwischen 250.000 und 500.000 Menschen, die jährlich an einer Grippe sterben. Bis zu drei bis fünf Millionen Menschen erkranken dabei im Jahr. Zwischen Dezember 2017 und Anfang April erkrankten 333.567 Menschen in Deutschland an einer Grippe, gab die Arbeitsgemeinschaft Influenza Mitte des Jahres bekannt.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt