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75,9 Prozent stimmen in Dortmund für Erdogan

Abstimmung zu Türkei-Referendum

Auch in Nordrhein-Westfalen lebende Türken konnten am Referendum in der Türkei teilnehmen. Das Votum für die Politik von Staatspräsident Erdogan war in keiner anderen deutschen Stadt so hoch wie in Dortmund. Kritiker zweifeln das Ergebnis an.

DORTMUND

, 18.04.2017 / Lesedauer: 3 min
75,9 Prozent stimmen in Dortmund für Erdogan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine in Instanbul.

Laut Polizei haben 200 Türken am Ostersonntag-Abend spontan an einer Feier auf dem Borsigplatz teilgenommen. Es sei friedlich geblieben. Über das Referendum abstimmen konnten stimmberechtigte Türken auch in der Nordstadt. Laut der türkischen Wahlkommission hätten 75 Prozent in Dortmund für den Umbau der Türkei zu einem Präsidialsystem mit mehr Macht für den Staatspräsidenten Erdogan gestimmt. So viele, wie in keinem anderen Stimmbezirk in Deutschland.

 

 

„Dazu muss man wissen, dass das gesamte Konsulatsgebiet Essen hier in Dortmund gewählt hat. Das Gebiet reicht von Essen bis in den Hochsauerlandkreis“, sagte Volkan Baran von der Nordstadt-SPD am Montag über das Ergebnis. Es sei angesichts der totalitären Politik Erdogans mit tausenden Festnahmen von Oppositionellen und Journalisten "enttäuschend" und "heftig“.  

Volkan Baran zweifelt die Rechtmäßigkeit der Wahlen an. „Es ist nicht allein wichtig, wer wählt. Es kommt darauf an, wer die Stimmen auszählt. Ich habe Bedenken, dass die Wahlen korrekt verlaufen sind“, sagte auch der seit vielen Jahren mit seiner Familie in Dortmund lebende Mehmet Özcan. 

Erdogan-Unterstützer: "Das Ergebnis ist gut für die Türkei"

Diese Kritik weist Izzet Bayrak von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) zurück: „Man kann ja viel behaupten, sollte aber bei der Wahrheit bleiben. Das Volk hat demokratisch gewählt, so, wie es sein soll. Das Ergebnis ist gut für die Türkei. Alle Wahlbeobachter haben die Rechtmäßigkeit bestätigt“, sagte der 56-Jährige aus der Nordstadt auf Anfrage unserer Redaktion.

Die UETD ist der verlängerte Arm von Erdogans Partei AKP in Deutschland. Sie betreibt ein Büro in Dortmund. Izzet Bayrak sagte, dass allein die in Dortmund lebenden Türken zu 70 Prozent pro Erdogan gestimmt hätten. „Das Ergebnis überrascht mich nicht“, sagte der UETD-Vorsitzende.

"Nicht alle Türken über einen Kamm scheren"

Erschüttert reagierte auch die Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Dortmund, Aysun Tekin, auf die Wahlergebnisse. Sie hat die Sorge, dass nun alle in Dortmund lebenden Türken als nicht oder nur integrierte Bürger angesehen würden. Auch, weil eine große Mehrheit mit ihrem "Ja" für eine Politik stimmten, dessen oberster Repräsentant für die Todesstrafe plädiert. "Man darf aber jetzt nicht alle Türken über einen Kamm scheren", sagte sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Aysun Tekin geht davon aus, dass viele Gegner Erdogans nicht zur Wahl gegangen seien, weil sie mit dem Leben in der Türkei nicht mehr viel zu tun hätten.

Auch die SPD-Bundestagsabgordnete Sabine Poschmann äußerte sich zum Wahlergebnis: "Wichtig finde ich, dass wir keinen Riss im Zusammenleben mit unseren türkischen Mitbürgern zulassen dürfen", schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite.

Wie hoch die Wahlbeteiligung im Dortmunder Wahllokal letztendlich war, ist nicht bekannt - die türkische Wahlkommission hat diese Zahlen bislang nicht veröffentlicht. Als die Auslandswahllokale vor einer Woche schlossen, hatten 67,4 Prozent aller Wahlberechtigten im Konsulatsbezirk Essen ihre Stimme abgegeben - deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt, wo die Wahlbeteiligung bei 48,7 Prozent lag. Diese Zahlen sind jedoch nicht das Endergebnis, da alle Auslandstürken noch bis inklusive 16. April - dem Tag des Referendums in der Türkei - an Grenzübergängen abstimmen konnten.

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