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Angst vor Handy-Raub wächst

Jugendliche Straftäter

Je teurer das Smartphone, desto höher die Gefahr eines Raubüberfalls - zumindest, wenn die Besitzer jugendlich und alleine unterwegs sind. Die Polizei geht von einer erheblich gestiegenen Dunkelziffer im Bereich der Handy-Diebstähle aus. Viele Täter haben keine Ahnung von den Folgen.

DORTMUND

von Von Susanne Riese

, 09.01.2013 / Lesedauer: 3 min
Angst vor Handy-Raub wächst

Die Zahl der Handyräuber - hier ein Symbolbild - steigt.

In der U-Bahn hatten sie sich kennengelernt. „Wo fahrt ihr denn hin?“ ... „Ach, da steigen wir auch aus“, hieß es. Was für ein Zufall. Von wegen! Die drei jungen Männer, die die Jugendlichen in der Bahn angequatscht haben, suchten keine neuen Freunde, sondern Opfer. Nach dem Verlassen der Bahn zeigten sie ihr wahres Interesse: „Handys raus, oder es passiert was!“  

 So wie diesen Jugendlichen geht es vielen. Erst in der vergangenen Woche wurden zwei 15-Jährige in der Nähe des Hörder Bahnhofs von einem älteren Jungen mit einem Messer bedroht und um ihre Handys erleichtert. Kurz vor Weihnachten folgten drei Täter im Dortmunder Süden unbemerkt Jugendlichen im Bus, stiegen mit ihnen aus und schlugen zu.  Die Opfer sind nicht nur mit einem Schlag ihr Mobiltelefon und oft auch die Geldbörse los, sondern auch ihr Sicherheitsgefühl und Grundvertrauen. Besonders gefährdet sind männliche Jugendliche, das bestätigt die Polizei. „Ein Phänomen, das uns unter den Nägeln brennt“, so Sprecher Kim Ben Freigang.

 Die Fallzahlen spiegeln das zwar nicht unbedingt wider – sie sind seit 2010 sogar rückläufig – die Polizei vermutet aber eine ganz erhebliche Dunkelziffer. 516 „Raubdelikte auf Straßen, Wegen und Plätzen“, verzeichnete sie 2011, im Jahr davor 645. In dem meisten Fällen ging es um Handys und Bargeld.  Die Täter werden meist aktiv, wenn Jugendliche alleine unterwegs sind. Sie suchen sich Gleichaltrige oder Jüngere aus, in der Regel männlich und deutsch. Auch die Täter sind jung – 70 Prozent unter 21, die meisten zwischen 14 und 18 Jahre alt.  

 Die Masche variiert dabei nur leicht. Manche Täter fragen auf der Straße nach der Uhrzeit und greifen zu, wenn die Jugendlichen ihr Smartphone zücken, um nachzusehen. Oder ein Täter lockt sie in eine Falle, wo dann zwei weitere zuschlagen.  Typisch sei das Agieren aus einer Gruppe heraus, so Freigang. Gewalt und Drohungen, auch mithilfe von Hieb- und Stichwaffen, verleihen der Attacke Nachdruck. „Die Schüler werden eingeschüchtert und bedroht. Viele trauen sich nicht, den Raub anzuzeigen“, sagt ein Kriminalbeamter. „Sie erzählen dann ihren Eltern, sie hätten das Handy verloren.“

Selbst wenn eine Versicherung den materiellen Schaden ersetzt, bleiben bei den Opfern häufig traumatische Erinnerungen zurück. Den selbst oft noch minderjährigen Tätern dagegen ist manchmal gar nicht bewusst, was sie da machen. Sie sprechen nicht von Raub oder Diebstahl, sondern nennen das, was sie da machen, verniedlichend „abziehen“. Vor Jahren waren es Markenklamotten, die auf diese Weise geraubt wurden, heute sind es wertvolle Smartphones.  

 Oft geht es dabei auch um Nervenkitzel und um das Ausüben von Macht. Freigang: „Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, sondern eine handfeste Straftat.“ Erwachsenen droht eine Haftstrafe nicht unter einem Jahr. Bei Jugendlichen unter 21 allerdings entscheidet ein Jugendrichter über das Strafmaß.  Der massive Handy-Klau kommt auch bei den Mobilfunk-Anbietern an. Rund 60 Prozent der Kunden schlössen bereits eine Versicherung für ihr neues Handy ab, erzählt ein Mitarbeiter des Phone-House in der City. Und immer häufiger kommt sie auch zum Einsatz: „In der Vorweihnachtszeit war es extrem“, so der Handy-Fachmann.

Raubdelikte in Zahlen: Im Bereich des für Dortmund und Lünen zuständigen Polizeipräsidiums Dortmund gab es 516 Geschädigte im Jahr 2011 (645 im Jahr davor); Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor. Unter den 266 Tatverdächtigen 2011 waren 20 jünger als 14, 92 zwischen 14 und 18 Jahre und 63 zwischen 18 und 21 Jahre alt. Bei den Opfern waren 2011 46 unter 14 Jahre alt (Vorjahr 63), 94 zwischen 14 und 18 (193) und 96 zwischen 18 und 21 (121). Die Aufklärungsquote der Polizei beträgt in solchen Fällen rund 40 Prozent: 42 Fälle waren es 2010, 38 im Jahr 2011.

 

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