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Architektur-Führer Dortmund — Arbeitersiedlung Oberdorstfeld

Die Siedlung Oberdorstfeld ist eine typische Bergarbeitersiedlung. Sowas will man sehen, wenn man ins Ruhrgebiet kommt. Ein Klassiker. Kurze Zeit drohte die Siedlung ihren Denkmalstatus zu verlieren, weil die Bewohner zu lasch mit der Gestaltungssatzung umgegangen waren.

Dortmund

von Richard Schmalöer

, 20.06.2014
Architektur-Führer Dortmund — Arbeitersiedlung Oberdorstfeld

Ein Haus der Siedlung Oberdorstfeld.

  • z.B. Dickebank, Karlsglück, Knappenstraße, Zechenstraße, 44149 Dortmund-Dorstdfeld
  • Baujahr: 1913-19/1920-27
  • Architekt: Oskar Schwer, Erweiterung Otto Salvisberg
  • droht Denkmalschutz zu verlieren
  • Besonderheit: 1993 wurde die Siedlung in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen — und droht seit Ende 2013, diesen Status wieder zu verlieren. Die Bewohner waren zu lasch mit der Gestaltungssatzung umgegangen.
  • Info: Eigentümer des Grubenfeldes „Vereinigte Dorstfeld“ war die Gewerkschaft Dorstfeld. Sie war auch Bauherrin der Kolonie Oberdorstfeld: 1912 beantragte die Gewerkschaft 150 Arbeiterwohnhäuser und Beamtendoppelhäusern in der Wittener- und Fritz-Funke-Straße. Im Bauantrag kündigte Generaldirektor Ernst Tengelmann eine „Colonie“ an, die in gesundheitlicher, wirtschaftlicher und schönheitlicher Hinsicht allen Anforderungen entsprechen sollte. Der Entwurf „halbländliche Industriesiedlung“ von Oskar Schwer wird geprägt durch das Gartenstadtkonzept: Verzicht auf starre Baufluchten, Auflockerung der Bebauung durch Mischung verschiedener Haustypen, Gliederung der Baukörper, abwechslungsreiche Straßenräume, großzügige Haus- und Vorgärten. (nach: Untere Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, "Gestaltungsfibel Werkssiedlung Oberdorstfeld)

"Zwei Jahre lang ging ich hier mehr oder weniger ein und aus, als Vermittler zwischen den sich teilweise schikaniert gefühlten Bewohnern und Eigentümern der kleinen Bergarbeiterhäuser in Oberdorstfeld und den „Schikaneuren“ der Denkmalbehörde. Die Interessen schienen gegenläufig. Aber: Sie waren es nicht. Der Wunsch nach einer lebenswerten Siedlung im Sinne der Howardschen Gartenstadtbewegung war beiden Seiten gemein, wobei auch da jedem Einzelnen das Hemd näher war als die Jacke. Soll heißen: für die eigenen Umbau- und Erweiterungspläne wurde der Blick auf das Ganze schon mal ausgeblendet. Das sich aber die Schönheit und Qualität dieses Quartiers aus der aufeinander abgestimmten Vielfalt der thematischen Variation speist, war mitunter schwer zu vermitteln, wenn das individuelle Bauvorhaben dadurch eingeschränkt wurde. Ob wir etwas ausrichten konnten? Bei den Projekten, die wir beraten und betreut haben, schon ein wenig. Da aber sowohl vor als auch nach unserem zweijähringen Intermezzo viel baumarkttypisches appliziert wurde, hat das Gesamtbild der Siedlung schwer gelitten — der Denkmalstatus steht sogar in Frage.Und ich wiederum frage mich, ob ich nicht einfach mit einem Megafon hätte durch die Straßen gehen sollen und es laut in die Bergarbeiterhäuser hätte rufen sollen: „Ihr habt es schön hier, wirklich schön! Bitte versucht, es zu erhalten!“