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Bäcker-Lehrlinge mussten für Arbeitsvisum nach Tirana fliegen

Bürokratie-Wahnsinn

Junge Flüchtlinge helfen dem Dortmunder Handwerk aus der Patsche und besetzen Ausbildungsplätze. Um in Deutschland arbeiten zu dürfen, müssen sie aber große bürokratische Hürden überwinden. Der Gipfel: Die Grünbau-Gesellschaft fliegt mit ihren Auszubildenden sogar ins Ausland, um die nötigen Papiere zu besorgen.

DORTMUND

, 30.10.2016
Bäcker-Lehrlinge mussten für Arbeitsvisum nach Tirana fliegen

Endri Ajazi ist einer von drei jungen Albanern, mit denen das Ausbildungscoaching von Grünbau für ein Arbeitsvisum bei der deutschen Botschaft nach Tirana geflogen ist. Die jungen Auszubildenden gehen motiviert zur Arbeit.

Endri Ajazi, Ildis Dini und Albi Jugjaj waren 16 Jahre alt, als sie ohne Eltern ihr Heimatland Albanien verlassen hatten, um in Deutschland ein besseres Leben führen zu können. Jetzt arbeiten die heute 18-Jährigen als Auszubildende bei den Dortmunder Bäckereien Dahlmann, Vorwerk und Grobe. Bevor sie ihre Unterschriften unter die Ausbildungsverträge setzen konnten, mussten sie viele kleine Brötchen backen.

Das Grünbau-Ausbildungscoaching für junge Flüchtlinge und Zuwanderer bahnte den jungen Männern und den Betrieben die Wege durch deutsche Bürokratie. Denn Endri, Ildis und Albi konnten noch so motiviert und fleißig sein – sie stammen aus einem "sicheren Herkunftsland", sind nicht mehr jugendlich und erfüllen damit auch in einem Mangelberuf nicht mehr die Voraussetzungen, eine Lehrstelle besetzen zu dürfen.

Ausbildungsfonds für die drei Azubis

Um den Ausbildungsbetrieben und den Bewerbern zu helfen, gründete die gemeinnützige Nordstadt-Firma "Grünbau" einen Ausbildungsfonds, der mit Spenden den Lebensunterhalt der drei Auszubildenden absichert. 800 Euro pro Monat mussten sie für ein Arbeitsvisum nachweisen. Da sie aus einem sogenannten "sicheren Herkunftsland" stammen, haben sie keinen Anspruch auf öffentliche Zuschüsse. Der Staat verlangt den 800-Euro-Nachweis, damit er nicht selbst zahlen muss.

Für den Antrag auf ein Arbeitsvisum musste Grünbau mit den Bewerbern zur deutschen Botschaft nach Tirana in Albanien und mit den Papieren dann zurück nach Deutschland fliegen, damit die Lehrverträge rechtmäßig zustande kommen konnten. "Eine gewollte Sanktionsmaßnahme, um Flüchtlinge fern zu halten", kommentierte Florian Eichenmüller von Grünbau die Vorschriften.

Dabei bezeichnen Annemarie Dahlmann und Thomas Vorwerk die Bewerber als "Glücksgriffe" für ihre Betriebe. Grünbau möchte noch mehr freie Lehrstellen mit Flüchtlingen und anderen Zuwanderern besetzen und bitten um Spenden für den neuen Fonds, der mit 10.000 Euro an den Start gegangen ist. 

 

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