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Bezirksregierung erstattet Anzeige

Envio-Skandal

DORTMUND Die dramatisch erhöhten PCB-Werte im Blut von Mitarbeitern der Entsorgungsfirma Envio beschäftigen jetzt auch die Staatsanwaltschaft. „Wir haben Anzeige gegen wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Körperverletzung erstattet“, sagte Jörg Linden, Sprecher der Arnsberger Bezirksregierung.

von dpa

, 28.06.2010
Bezirksregierung erstattet Anzeige

Das Firmengebäude von Envio.

Der als krebserregend geltende Stoff war in einer nur für gereinigte Materialien zugelassenen Halle des Trafo-Entsorgers entdeckt worden. Daraufhin wurde das Blut von 37 Mitarbeitern untersucht. Einer der Männer hatte mit 225 Milligramm PCB pro Liter Blut eine 25.000 Mal höhere Belastung als der Durchschnitt der Bevölkerung. Der Betrieb war schon vor Wochen von der Arnsberger Bezirksregierung bis auf weiteres stillgelegt worden. Das Unternehmen hatte sich am Samstag „tief erschüttert und ebenso überrascht“ über die Funde gezeigt. Die bisherigen Vorsorgeuntersuchungen hätten „nie Hinweise auf irgendwelche erhöhten PCB-Konzentrationen im Blut unserer Beschäftigten“ ergeben, erklärte Geschäftsführer Dirk Neupert. Das Unternehmen werde sich bemühen, „den Sachverhalt umfassend aufzuklären“.

Die Staatsanwaltschaft in Dortmund ermittelt bereits gegen das Unternehmen wegen des Verdachtes der Luft- und Bodenverunreinigung. Der Fund von PCB-belastetem Material in der nur für aufbereitete Materialien reservierten Halle hatte die Gesundheitsuntersuchungen ins Rollen gebracht. Später wurden auch auf dem Freigelände der Firma erhöhte PCB-Konzentrationen festgestellt. Daraufhin wurde der Betrieb komplett stillgelegt, sagte Linden.

Neben der Untersuchung des Blutes der Envio-Mitarbeiter werden auch noch rund 300 Blutproben von Arbeitern anderer Unternehmen untersucht, die auf dem Envio-Gelände als Untermieter ansässig sind. Erst dann lasse sich abschätzen, ob noch weiterreichende Untersuchungen nötig sind, sagte Linden. Die Envio-Arbeiter wurden am Samstag über die zum Teil dramatisch erhöhten Werte informiert. Laut Linden gab es auf der Betriebsversammlung keine lauten Töne: „Ganz im Gegenteil: Es herrschte zunächst Schockstille.“

Die betroffenen Arbeiter des Unternehmens, das unter anderem mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) belastete Transformatoren entsorgt, sollen nach Auskunft der Bezirksregierung in den kommenden Jahren weiter untersucht und begleitet werden. Bisher gebe es aber bei keinem der Männer Anzeichen einer Krebserkrankung. Bislang sei wenig über den seit 1989 in Deutschland verbotenen Giftstoff bekannt. Eine spätere Gesundheitsschädigung der Arbeiter sei aber aufgrund der drastisch erhöhten Werte keinesfalls auszuschließen.

Dazu komme bei den Arbeitern die psychiologische Komponente: „Die wissen, sie haben das im Körper und es baut sich nur sehr langsam ab. Und damit müssen sie nun leben“, sagte Linden.

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