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Brekau-Prozess: Vertagt auf den 14. Dezember

GÜSTROW Vor dem Amtsgericht Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) wurde heute ab 9.30 Uhr der Prozess um den tragischen Unfalltod des Dortmunder Polizisten Benjamin Brekau fortgesetzt. Allerdings ist die Verhandlung schon wieder beendet. Richter Karsten Nitschke hat den Prozess auf den 14. Dezember vertagt.<br><b>Letzte Aktualisierung:</b> 13.35 Uhr.

von Von Martin von Braunschweig

, 23.11.2007
Brekau-Prozess: Vertagt auf den 14. Dezember

Die angeklagte Polizistin Kristin K. mit ihrem Anwalt Martin Habig am Donnerstag (22.11.2007) kurz vor Prozessbeginn im Amtsgericht Güstrow.

Benjamin Brekau war am 8. Juni am Rande des G8-Gipfels auf einem Hotel-Parkplatz in Linstow (Landkreis Güstrow) aus einem Polizei-Mannschaftswagen gestürzt und drei Tage später an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben. Die Staatsanwaltschaft hat Kristin S., eine 26-jährige Kollegin Brekaus, wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Die Dortmunderin hatte bei der Abfahrt vor dem Hotel-Restaurant am Steuer des Ford Transit gesessen. Der Vorwurf der Anklage lautet: Die Polizistin hätte sich vor dem Losfahren vergewissern müssen, dass alle Insassen angeschnallt und die Tür des Wagens geschlossen waren.Hinweis: Der Prozess um den tragischen Tod des Polizisten Benjamin Brekau wird am Freitag um 9.30 Uhr in Güstrow vor dem Amtsgericht fortgesetzt. Wir sind für Sie vor Ort und informieren den ganzen Tag über aktuell.

13.35 Uhr: Mit der Befragung des DEKRA-Gutachters Dirk Hartwig ist der zweite Prozesstag abgeschlossen worden. Terminprobleme bei Richter Karsten Nitschke machten sogar die eigentlich auch noch für heute geplante Vernehmung des medizinischen Sachverständigen unmöglich. Die Verhandlung wird am 14. Dezember um 9.15 Uhr fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen und der Arzt vernommen werden.

Der DEKRA-Sachverständige äußerte sich auf Befragen von Benjamin Brekaus Vater, Ingo Meyer, auch zu der Frage, ob der Dortmunder Polizist möglicherweise aus dem Auto geschubst worden sein kann. Dirk Hartwig: „Eine äußere Einwirkung kann ich nicht ausschließen, aber ich habe auch keinen Anhaltspunkt dafür, sie anzunehmen.“

Nebenkläger Meyer betonte nach dem Verhandlungstag: „Der Prozess hat bisher mehr Fragen als Antworten gebracht.“ Michaela Brekau (26) sagte: „Für mich ist noch deutlicher geworden, dass irgendwas in dem Wagen passiert sein muss, über das keiner sprechen will.“

12.15 Uhr:DEKRA-Gutachter Dirk Hartwig (35) hat dem Gericht den wahrscheinlichen Unfall-Hergang geschildert. Die vor Ort gesicherten Spuren ließen nur den Schluss zu, dass sich das Drama folgendermaßen ereignet habe: Benjamin Brekau stürzte rückwärts aus der geöffneten Schiebetür des Wagens und prallte mit dem Hinterkopf auf den Asphalt. Sei rechtes Bein hatte sich im Inneren des Fahrzeugs verhakt, so dass Brekau noch einige Meter mitgeschleift wurde. Erst dann löste sich das rechte Bein, und der Körper rollte über den Asphalt in seine endgültige Position.

Wie die Zeugen zuvor schilderte auch der Gutachter Merkwürdigkeiten bei der Unfall-Aufnahme am 8. Juni. Er habe auf dem Asphalt eine Metall-Öse von Brekaus Schuh liegen sehen und diese sicherstellen wollen. Er habe dann den umstehenden Beamten zugerufen, er hole nur schnell eine Tüte. „30 Sekunden später war die Öse dann trotzdem weg“, so Hartwig.

Für die Bewertung der Schuldfrage der Angeklagten (26) dürfte dieser Umstand nach Ansicht des Gerichts jedoch unbedeutend sein.

10.51 Uhr: Mit der Vernehmung von zwei Zeugen ist am Amtsgericht Güstrow der Brekau-Prozess fortgesetzt worden. Die beiden Polizeibeamten hatten am 8. Juni den Unfall auf dem Hotelparkplatz in Linstow (Kreis Güstrow) aufgenommen. Beide zeigten sich vor Gericht noch immer irritiert darüber, dass sie seinerzeit nicht die Insassen des Unglücks-Fahrzeugs vernehmen durften.

„Wir haben es immer wieder versucht, zu ihnen vorzudringen, aber die Vorgesetzten haben die Kollegen vor uns abgeschirmt“, sagte einer der Zeugen. „Ich hatte noch nie mit so hohen Dienstgraden zu tun. Vor denen hatte ich echt Manschetten.“

Dass die Kollegen des tödlich verunglückten Dortmunder G8-Polizisten nicht unmittelbar nach dem Unfall befragt werden durften, bezeichnete Richter Karsten Nitschke als „schweren Fehler“. Die „Geheimniskrämerei“ habe dazu geführt, dass Spekulationen über den wahren Unfall-Hergang ins Kraut geschossen seien.

Das Gericht will nun die Gutachten von zwei Sachverständigen hören. Ein Mitarbeiter der DEKRA soll zum Unfallhergang, ein Mediziner zu den Verletzungen von Benjamin Brekau befragt werden.

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