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Der U-Turm: teuer und schmutzig

Kostenexplosion

Geahnt hatte man es schon lange, dass die Kosten zu Umbau und Sanierung des U-Turms wie zuvor beim Bau des Konzerthauses explodieren würden. Jetzt liegen die Zahlen vor: Statt der kalkulierten 54,8 Mio. Euro sind es bis jetzt 83,3 Millionen - eine Kostensteigerung von rund 52 Prozent.

DORTMUND

von Von Tilman Abegg und Gaby Kolle

, 01.04.2011 / Lesedauer: 3 min

Das geht aus einem Sonderprüfungsbericht der städtischen Rechnungsprüfer hervor. Das Geld floss in die Dach- und Fachsanierung, in den Ausbau des Turms zum Zentrum für Kunst und Kreativität, der mit 32 Mio. Euro von der EU gefördert wurde, sowie in den Umbau zum neuen Museum am Ostwall.Restarbeiten sind teuer

Dazu kommen Kosten für noch nicht beendete Restarbeiten, gleichzeitig gibt es aber schon wieder viele Schäden in dem sanierten ehemaligen Kellereihochhaus der Union-Brauerei.

FOTOSTRECKE
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Ganz schön dreckig: Rundgang durch den U-Turm

Der U-Turm - von außen ein Schmuckstück, vor allem dank der Winkelmann-Installation. Schaut man genauer hin, sieht man Dreck, viele Baustellen und Schäden.
02.04.2011
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Teilnehmer des Tanz-Projekts von Ballett Dortmund und Anne-Frank-Gesamtschule im Ballettzentrum© Foto: Ballett
Weiter Richtung Haupteingang. Entlang der Mauer liegen Kippen, Laub, Kaugummis und Scherben.
Probenszene von "Das Fest", Regie Kay Voges, im Schauspiel Dortmund.© Foto: Tilman Abegg
Kulturdezernent Jörg Stüdemann hat die EDG angewiesen, einmal pro Woche hier sauberzumachen. Die Holzwand sieht einigermaßen sauber aus - die schwarzen Matten am unteren Rand aber wirken wie ein Provisorium und lösen sich.
Rechts vom Eingang erwartet den Besucher dieser Ausblick Richtung Norden.
Der Haupteingang: schicke Glasverkleidung (mit Sprüngen), ein Erdhaufen, ein schiefer Aschenbecher.
Neben der automatischen Schiebetür wartet diese Tür auf ihre Vollendung.
Die Schwelle des Haupteingangs sieht noch sehr nach Baustelle aus.
Der rote Eingangsraum macht einen fast fertigen Eindruck. Abgesehen von den staubigen Fußspuren, dem dreckigen Teppich...
... und dem unfertigen Aufzug in der linken Ecke. Der soll, wenn er fertig ist, auch bei geschlossenem U-Turm den Zugang zur View-Bar auf der siebten Etage gestatten.
Durch die Eingangstür tritt man ins Treppenhaus. Eine der Türscheiben ist von einem Bierflaschenwurf gezeichnet - der Verursacher ist bekannt, das Verfahren läuft.© Foto: Tilman Abegg
Vom Haupt-Treppenhaus des U führen weitere Aufzüge nach oben. Dieser hier zeigt Risse in der Glasverkleidung, die kurz nach dem Einbau entstanden sind - als der Aufzug sich zum ersten Mal in Bewegung setzte.
Siebte Etage: Ein dreckiger, löchriger Teppich liegt vor den Aufzügen.
Neben der Aufzugtür hängt dieses Schild.
Stimmt: Fertig sieht die Dachterasse nicht aus.
Blick aus dem Restaurant-Raum des View auf die Terasse. Laut Dezernent Stüdemann habe die ursprüngliche Firma die Arbeit abgebrochen, eine neue wird gesucht.
Neben dem Fenster zur Terasse ist die Wand verdreckt - nicht die einzige Stelle auf der View-Ebene.
Am DJ-Podest hängen ein paar Kabel aus der Wand - ordentlich gerollt, aber unfertig.
Dieselbe Wand.
Blick im View in die Kuppel des U-Turms.
Neben den Toiletten auf der siebten Etage prangen zwei große Löcher in der Wand.
Solche Stellen gibt es einige im U - auch wenn dieses Loch besonders groß ist.
Das Fenster gegenüber. Die Fenster werden erst ab Ende April geputzt, sagt Verwaltungsleiter Rolf Riedel - weil es vorher durch die Bauarbeiten zu staubig ist.
Staub und Schmutz auf der Rolltreppe, die nach unten führt.
Dieses Geländer zeigt nicht nur die Fingerabdrücke, die auf allen gläsernen Handläufen zu sehen sind, sondern auch irgendeine angetrocknete Flüssigkeit.
Decke, sechste Etage. Hier fehlt eine Lampe. Die kleinen Löcher sehen eher aus wie Beschädigungen.
Die barrierefreie Toilertte auf der fünften Etage ist sauber und funktioniert, nur über dem Spiegel fehlen Lampen.
Einmal wöchentlich werden die gläsernen Geländer an den Rolltreppen geputzt, sagt die U-Turm-Verwaltung.
Der untere Rand einer Rolltreppe.
Dieses Glas ist hinüber. Ob Pfusch beim Einbau, Spannungen im Gebäude oder mutwillige Zerstörung schuld ist, muss noch geklärt werden - erst danach kann die Scheibe ersetzt werden.
Ein Fenster in der vierten Etage.
Dritte Etage: Flecken, vielleicht Farbe, an den Scheiben.
Die Kabelbündel hängen vor mehreren der Haupteingangstüren auf den Etagen.
Dieses hier hängt bis auf gut zwei Meter herunter.
"Mach mich sauber" hat jemand in den Staub geschrieben.
Die schicken Rolltreppen, die dem architektonisch eindrucksvollen Treppenhaus Profil verleihen, funktionieren nicht immer.
Die Abdeckung zwischen den beiden Rolltreppen-Enden fehlt, die Füllung bröckelt heraus.
Im ganzen Gebäude liegt heller Staub auf dem dunkelgrauen Boden und macht jeden Schritt sichtbar.
Hinaus - an gerissenen Scheiben und ungestrichenen Wänden. Ende des Rundgangs.
Bisher ist von dem vielen Geld vor Ort nicht allzuviel zu sehen - Besucher haben derzeit eher den Eindruck, dass das so hochgelobte Gebäude mehr und mehr verlottert. Ins Auge fallen drei Kritikpunkte: Müll und Schmutz, unfertige Stellen und Schäden.Müll sammelt sich vorm U

Die EDG sei angewiesen, einmal wöchentlich den Vorplatz zu reinigen, sagte Kulturdezernent Jörg Stüdemann auf Anfrage unserer Zeitung. Dennoch sammelt sich in den Mauerecken und an den Schildern Müll.

Auch im Gebäude liegt hellgrauer Staub auf Böden, Türen, Geländerscheiben und Wänden. Zwar würden die Böden laut U-Turm-Verwaltungsleiter täglich geputzt, die Scheiben immerhin wöchentlich. Dennoch scheint das gegen die staubintensiven Arbeiten nichts ausrichten zu können. Vor allem das mehrfache Abschleifen der Böden sei der Grund für den Staub, sagte Stüdemann am Freitag.Überall sind Scheiben kaputt

Weiteres Ärgernis sind die vielen kleinen und größeren Schäden am und im Gebäude: Scheiben sind gesprungen oder gerissen, Wände weisen tellergroße Löcher auf. Die Ursachen dafür würden bald geprüft, sagte Stüdemann: Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, muss für jeden Schaden die Ursache ermittelt und dann vom Verursacher Ersatz eingeklagt werden. "Das ist ein Riesenkatalog", sagte Stüdemann.

Gleichzeitig wies der Dezernent darauf hin, von Anfang an betont zu haben, dass man 2011 noch mit mindestens einem halben Jahr Bautätigkeit leben müsse. "Wir nehmen die rappelige Situation jetzt mit ein bisschen Bauchschmerzen hin", sagte Stüdemann. "Aber im Juli, wenn der Vorplatz fertig gestaltet ist, wird jeder ein Aha-Erlebnis haben." Ende April sollen nun erstmal die gröbsten Arbeiten abgeschlossen sein. Ab dann werden auch die Fenster geputzt.

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