Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Draußen rauchen - und dann die Zeche prellen

Wirte sind sauer

„Ich geh’ mal eben eine rauchen“, sagt der Kneipengast – und macht sich davon. Eine Erfahrung, die Dortmunder Wirte und Clubbesitzer seit dem 1. Mai immer häufiger machen. Wir haben uns unter ihnen umgehört.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle

, 07.11.2013 / Lesedauer: 3 min
Draußen rauchen - und dann die Zeche prellen

Dieser Raucher prellt gar nicht die Zeche - er posiert nur für ein Foto.

  • Es ist im doppelten Sinn die „Laufkundschaft“, die das Nichtraucherschutzgesetz für sich nutzt: „Die trinken zwei, drei Bier, nehmen dann ihr Bierglas und ihre Kippe in die Hand, als wollten sie vor der Tür eine rauchen, und weg sind sie“, berichtet Wolfgang Gärtner, Mitbetreiber des „Barrock“ im Kreuzviertel. Vor allem, wenn der BVB spiele. Dabei, so Gärtner, sei der Sportkanal Sky für die Wirte so teuer geworden. „Die gucken dann Fußball und prellen auch noch die Zeche.“ In seinem zweiten Lokal, dem meist von Stammgästen besuchten B-Trieb 100 Meter weiter dagegen, „kommt keiner auf den Gedanken abzuhauen.“ Zuweilen, so Gärtner, überlege er, ob er bei einigen Gästen im Barrock vorher abkassieren sollte. „Aber das ist doch peinlich. Außerdem könnte es den Falschen treffen. Manche sind dann beleidigt und kommen nicht wieder.“
  • Auch bei Angelin Sierigk, Lebensgefährtin von Omid Ghorbanazar, dem Wirt der Ratsschänke in der Prinzenstraße, ist der Ärger über immer mehr unbezahlte Deckel nicht verraucht. Seit Mai, sagt sie, beobachte sie dieses Phänomen: „Vor dem Rauchverbot hatten wir das höchstens einmal im Jahr. Gelegenheit macht eben Diebe.“ Hinten im Biergarten hätten die Gäste keine Möglichkeit, sich aus dem Staub zu machen, „doch nach vorn raus ist es ein Problem“. Wenn der Laden voll sei, müsse sie angesichts des ständigen Rein und Raus eigentlich noch zwei Aufpasser an der Tür einstellen. Halte man aber sofort ab, sei der eine oder andere Gast beleidigt. Sierigk: „So muss man eben ein gutes Gedächtnis haben.“
  • Hartmut Eicher von der Servgast GmbH, zu der auch „Wenkers am Markt“ gehört, hat selbst solche Erfahrungen noch nicht gemacht, „aber schon davon gehört.“ Ebenso Claus Altendorf, Dortmunder Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes: „Ein Taxifahrer hat mir davon erzählt.“
  • Wie Sierigk und Gärtner kennt das Mareike Strasser, Betriebsleiterin des Maximilian am Alten Markt, aus eigener Erfahrung: „Auf der Terrasse nimmt die Zechprellerei ständig zu. Manche essen und trinken, obwohl sie kein Geld dabei haben.“
  • Oliver Seebacher, Betriebsleiter im Stade gegenüber, dagegen „lässt die Gäste deshalb gar nicht erst in Versuchung kommen. Es wäre sicherlich ein Problem, wenn wir nicht vorher abkassieren würden. Deckel machen wir nur bei Stammgästen, die wir kennen.“ Es sei eher ein Problem, „dass die Leute die Gläser mitnehmen. So ein Bierkrug kostet etwa 2,50 Euro. Das summiert sich auf einen immensen Schaden.“
  • Hubertus Brand vom Roadstop in Syburg hat bislang noch keine Probleme mit Zechprellerei: „Wir haben ehrliche Kunden.“

Auch die Zahlen der Polizei gäben keinen Anstieg der Zechprellerei seit dem Rauchverbot her, so Polizeisprecher Marco Müller. Doch die Dunkelziffer, vermutet er, „wird sehr hoch sein“. Denn die meisten Wirte verzichten auf eine Anzeige. Wie Wolfgang Gärtner: „Das bringt doch nichts.“ Da könne sie ja ständig anrufen, sagt auch Angelin Sierigk.

Lesen Sie jetzt