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"Ein vielfältiges Viertel"

"Rap, Koran und Oma Bonke" ist der Titel einer dreiteiligen Dokumentation, mit der das ZDF in dieser Woche die Dortmunder Nordstadt porträtiert. Matthias Pupat (Foto), Absolvent des Dortmunder Journalistik-Studiengangs und jetzt Redakteur beim ZDF, ist einer der Autoren. RN-Redakteur Oliver Volmerich sprach mit ihm.

06.11.2007

Wenn von außen der Blick auf die Nordstadt geworfen wird, ist zu befürchten, dass vor allem Klischees gepflegt werden. Ist das so?

Matthias Pupat: Natürlich kommen auch die Probleme der Nordstadt rüber: Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Perspektivlosigkeit sind für viele Einwohner tägliche Realität. Oder der Umgang vieler Jugendlicher mit Drogen. Die haben sich selbst vor laufender Kamera einen Joint gedreht.

Aber wir zeigen daneben die vielen menschlichen Seiten, die die Nordstadt zu bieten hat. Es kommt rüber, dass das ein sehr vielfältiges Viertel ist. Wir hatten auch Kontakt zum Urban II-Projekt. Wir haben gegenüber der Stadt unsere Karten offen auf den Tisch gelegt. Alles in allem ist es aber kein Dortmund-Film, sondern ein Film über gelungene und gescheiterte Integration in der Nordstadt.

Wie ist die Dokumentation denn entstanden?

Pupat: Wir hatten die für Journalisten seltene Gelegenheit, uns über einen sehr langen Zeitraum mit einem Thema zu beschäftigen. Wir haben mit fünf Reportern interessante Personen über ein halbes Jahr in ihrem Alltag begleitet. Eine Kollegin ist sogar vorübergehend ganz in die Nordstadt gezogen.

Und Sie selbst?

Pupat: Ich war in einem türkischen Hotel an der Münsterstraße untergebracht. Da hat man die ganze Nordstadt vor dem Fenster.

Wie lief die Arbeit dann konkret?

Pupat: Man musste natürlich erstmal die Menschen finden und kennen lernen. Wir hatten eine Recherche-Phase von eineinhalb bis zwei Monaten, bevor es überhaupt zum ersten Drehtermin kam.

Wen haben Sie begleitet?

Pupat: Eine türkische Frau, die im Scheidungsprozess steckte und einen Jugendlichen in einer Berufsvorbereitungsmaßnahme, die am Ende in der Dokumentation aber nicht vorkommen.

Dann die Kindergarten-Leiterin Gerda Kraft, die sich vor allem um die Sprachintegration der Kinder aus vielen verschiedenen Nationen kümmert. Was sie leistet, finde ich schon sehr bewundernswert. Und sie hat sehr offen geredet. Das ist eine ungebrochene Frau der klaren Worte.

Und dann Ilsegret Bonke, die ja auch im Titel der Dokumentation vorkommt. Als Spielplatz-Patin kümmert sie sich um die Kinder in ihrem Viertel und legt sich mit den Junkies an. Die schläft mit 75 Jahren fünf Stunden und ist 19 Stunden im Viertel unterwegs. Und ist damit so etwas wie die gute Seele der Schleswiger Straße. Viele Nachbarn haben gesagt: Wenn's die Oma Bonke hier nicht gäbe, wären wir auch längst weg.

Hat sich Ihr eigenes Bild von der Nordstadt im Laufe der Arbeit verändert?

Pupat: Im Grunde schon. Ich kannte die Nordstadt aus meiner Studienzeit eher von Kino- oder Kneipenbesuchen oder später durch berufliche Termine. Jetzt habe ich auch den Alltag kennen gelernt. Mit ihrem südländischen Flair ist die Nordstadt in gewissen Ecken durchaus lebenswert.

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