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Eine vernünftige Sache

Was ist von der Beteiligung von DEW21 an dem Steinkohlekraftwerk in Hamm aus wissenschaftlicher Sicht zu halten? Darüber sprach RN-Redakteurin Bettina Kiwitt mit Prof. Dr.-Ing. Hans Fahlenkamp vom Lehrstuhl für Umwelttechnik an der Uni Dortmund leitet. Der 61-Jährige forscht u.a. im Bereich der Optimierung umwelttechnischer Komponenten von Kraftwerksprozessen.

07.11.2007

Eine vernünftige Sache

<p>Prof. Dr. Hans Fahlenkamp leitet den Lehrstuhl für Umwelttechnik. Kiwitt</p>

Ist die Kraftwerksbeteiligung von DEW eine vernünftige Sache?

Fahlenkamp: Ja, das ist sie. Am Standort Hamm gibt es relativ alte Blöcke mit einem Wirkungsgrad zwischen 36 und 37 Prozent. Die sollen nach und nach abgeschaltet werden. Das neue Kraftwerk erreicht mit ca. 45 Prozent Wirkungsgrad den zurzeit modernsten verfügbaren Stand der Technik für ein kohlebefeuertes Kraftwerk mit Kühlturmtechnik.

Besser geht es also nicht?

Fahlenkamp : Für den vorgesehenen Standort in Hamm kann man das so sagen.

Aber es geht noch besser?

Fahlenkamp: Ja, dafür müsste man das Kraftwerk an einen Industriebetrieb anbinden. Dann könnte man noch die Prozesswärme nutzen und einen Energienutzungsgrad von 56 Prozent erreichen. In Hamm steht das Kraftwerk auf einem Acker, da gibt es weit und breit keinen Industriebetrieb.

Es bleibt beim Laien der Eindruck, dass da viel Energie ungenutzt verpufft.

Fahlenkamp: Das ist physikalisch begründet. Bei der Umwandlung von Wärme in mechanische und dann elektrische Energie geht immer etwas verloren. Das ist nicht anders möglich.

Können die DEW-Kunden damit rechnen, dass der Strom billiger wird, wenn DEW einen Teil selbst produziert?

Fahlenkamp : Wenn ich sehe, was durch die Stadtwerke quersubventioniert wird, bin ich da skeptisch.

BUND und Grüne sagen, DEW solle die 107 Mio. Euro für die Kraftwerksbeteiligung lieber in alternative Energien und Blockheizkraftwerke investieren.

Fahlenkamp : Das Problem bei den regenerativen Energie sind die Mengen und die zeitliche Verfügbarkeit. Sie können Sonne und Wind nicht so einfach speichern. Und regenerative Energien sind nur schwache Energieträger.

Was bedeutet das?

Fahlenkamp : Wenn man die Leistung des Hammer Kraftwerks mit 1600 Megawatt durch Windenergie ersetzen wollte, benötige man ca. 4000 MW in Off-shore-Technik bei einem Erntefaktor von ca. 40 %, um die selbe Energieausbeute zu bekommen. DEW müsste ein Mehrfaches investieren.

Das Kraftwerk wird 8,9 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr in die Atmosphäre pusten. Das ist eine ganze Menge.

Fahlenkamp: Ja, das ist eine erschreckende Zahl. Zurzeit haben wir in Deutschland 10 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung. Das Klima könnte durch den Karbonatkreislauf drei Tonnen pro Kopf der Weltbevölkerung verkraften. Da liegt China etwa im Moment, aber das wird steigen. Was die Auswirkungen auf das Klima betrifft, sehe ich schwarz

Gibt es eine Lösung, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen?

Fahlenkamp : Ein Mix aus den verschiedenen Energien ist die vernünftigste Lösung. Man muss die regenerativen Energien weiter ausbauen. Für mich gehört zu dem Mix die Kernenergie, obwohl es da Probleme gibt, für die ich auch keine Lösung weiß. Die hoch industrialisierten Länder sind meiner Meinung nach in der Lage, die Risiken einigermaßen schultern zu können. Bei anderen Ländern habe ich Zweifel.

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