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Gerburg Jahnke setzt die Damen vom Gewerbe in Dortmund in Szene

Uraufführung im Schauspielhaus

Die Kabarettistin und Regisseurin Gerburg Jahnke inszeniert am Dortmunder Theater Anna Baseners „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“. Ein Probenbesuch.

Dortmund

, 09.02.2019 / Lesedauer: 3 min
Gerburg Jahnke setzt die Damen vom Gewerbe in Dortmund in Szene

Gerburg Jahnke (l.) probt mit Anke Zillich (2.v.l.), Mario Lopatta, Friederike Tiefenbacher und Andreas Beck (r.). © Hupfeld

Zum Start der Theaterprobe studieren die Darsteller eine Schlägerei ein. Es darf nicht wehtun, muss aber so aussehen. Es hagelt Hiebe und Tritte, einstecken muss die von Friederike Tiefenbacher gespielte Hure Mitzi. Wer austeilt, ist ihr Zuhälter – Herbert, den Kevin Wilke verkörpert.

Und dann gibt es eine Frau, die zurückschlägt und Herbert eine Flasche Korn über den Kopf zieht: Das ist die resolute, taffe „Omma“, titelgebende Figur in Anna Baseners Roman „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“, von Gerburg Jahnke jetzt für die Bühne inszeniert.

Noch zehn Tage bis zur Dortmunder Uraufführung am 16. Februar. Regisseurin, Schauspieler und Team proben noch in behelfsmäßigen Kulissen und Kostümen. Erst in dieser Woche wechseln sie in das in Bühnenbild im großen Saal des Dortmunder Schauspielhauses.

Was man aber jetzt schon erkennt: Da ist viel komödiantische „Musik“ drin, nicht nur in Liedern (Text: Anna Basener) und Kompositionen, die Tommy Finke für das Stück geschrieben hat. Wie unser Probenbesuch zeigt, kann Jahnke auf eine wirklich umwerfende „Omma“ zählen – Anke Zillich, die ihren Einstand im Dortmunder Ensemble gibt.

Die „Schlönzkes“ aus dem Publikum werden miteinbezogen

In Sprache, Körperlichkeit, Habitus ist sie ein waschechter „Ruhri“. Köstlich, wie Zillich schon auf der Probe das nichtexistente Publikum frontal angeht, die Vorzüge ihrer „lecker Schätzken“ preist, Herren der vorderen Reihen mit „Eumel“ und „Schlönzke“ anspricht.

„Na, du Schlönzke, is dat dein Fall? Orntlich wat dran anne Ulla, oder?“ Die Omma kennt sich aus mit den Kerlen, schließlich ist sie Wirtschafterin in einem Essener Puff. „Keine putzt so schickobello wie ich!“

Als Zillich vor uns mit Schmackes über „Prosetschko“ und ihren Lieblingsdrink „Samtkragen“ schwadroniert, muss nicht nur Gerburg Jahnke giggeln, so deftig lebensecht klingt das. „Anke ist ein großes Geschenk für die Produktion“, sagt die Regisseurin, Kabarettistin und frühere Gastgeberin der WDR-„Ladies Night“.

Jahnke weiß, was komödiantisches Talent ist: „Anke Zillich ist eine Omma, die hättest du nicht erfinden können. Wir brauchen keine Tana Schanzara, wir haben Anke.“

Jahnke: „Annas Buch ist erfrischend anders“

Als Reviermensch (geboren in Oberhausen) und Humor-Expertin sind Gerburg Jahnke die Qualitäten des Buches von Anna Basener sofort ins Auge gestochen, erzählt sie: „Witz und Ton fand ich hinreißend. Ich habe schon viel Pütt-Literatur gelesen, 90 Prozent haben mich gelangweilt, um ehrlich zu sein. Immer dieselben Klischees mit diesem Tegtmeier-Touch, der sooo einen Bart hat. Annas Buch ist erfrischend anders.“

Ohne dass ihr Honorar geklärt war, habe sie zugesagt, den Roman für ein Hörbuch einzulesen. Genauso freudig habe sie auf Kay Voges‘ Angebot reagiert, den Stoff auf die Bühne zu bringen, sagt Gerburg Jahnke. Pointiert und gestrafft. „Komik darf nicht langatmig sein“, heißt Jahnkes goldene Regel. „Ich habe gekürzt und Anna Basener hat vor Schmerz in den Tisch gebissen“, beschreibt die 64-Jährige ihre Treffen mit der Essener Autorin (36).

Die Damen vom Gewerbe sind selbstbewusst

Auch auf der Bühne bleibt der Stoff ein Schwank und Sittenbild, das für Diskussionen sorgen wird. Es zeigt Damen vom Gewerbe, die sich nicht als Opfer fühlen, sondern ihrer Arbeit mit erhobenem Kopf nachgehen, pragmatisch und durchaus selbstbewusst.

„Aber ja, das ist provokant, das schmeckt nicht allen“, weiß Gerburg Jahnke. „Ich hoffe, dass das Stück nicht bloß als amüsant geschluckt wird, dass es etwas auslöst bei den Leuten. Auf die Reaktion des Publikums bin ich sehr gespannt.“

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