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Hochhaus im Kreuzviertel: Prostitution bleibt erlaubt

Am Südwestfriedhof

Lange Gesichter bei den Anwohnern im südwestlichen Kreuzviertel: Die Stadt bleibt bei ihrer Haltung, das Wohnquartier nicht ins Sperrgebiet zum Verbot der Prostitution aufzunehmen. Täte sie es doch, könnte ein Schuh draus werden.

DORTMUND

, 04.11.2016
Hochhaus im Kreuzviertel: Prostitution bleibt erlaubt

im Hochhaus Am Südwestfriedhof bleibt Prostitution weiterhin erlaubt.

Heike Tasillo,Vize-Chefin im städtischen Ordnungsamt, machte den Anwohner keine Hoffnung, dass der Sperrbezirk auf ihr Wohngebiet und so auf das umstrittene „Bordell-Hochhaus“ Am Südwestfriedhof 41 bis 47 ausgeweitet wird. Die Bezirksvertreter in der Innenstadt-West hatten die Anwohner zwar mehrheitlich auf ihrer Seite. Doch Rechtsdezernentin Diane Jägers ließ den Antrag der Bezirksvertretung, die Verwaltung möge alles Notwendige in die Wege leiten, ins Leere laufen. „Keine Aussicht auf Erfolg“, hatte Jägers abgewunken.

Warum, erklärte die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin Heike Tasillo den Stadtteilpolitikern jetzt persönlich. Die juristischen Hürden seien hoch, und es gelte genau abzuwägen. Immerhin greife die Stadt mit einer Verbotszone für Prostitution in das Grundrecht der freien Berufsausübung ein. Das sei nur gerechtfertigt, wenn der „Schutz der Jugend und „der öffentliche Anstand“ gefährdet sei.

Es muss eine „abstrakte Gefahr“ ausgehen

Das ist nach Ansicht der Stadt im Umfeld des „Bordell-Hochhauses“ nicht der Fall. Dass sich im „Einzugsbereich“ Schulen und Kitas mit rund 4000 Kindern und Jugendlichen befänden, reiche als Argumentation nicht. „Natürlich führen da auch Schulwege vorbei“, räumte Tasillo ein. Von dem Treiben im Haus müsse aber eine „abstrakte Gefahr“ ausgehen. „Das ist das Mindeste, das wir vor Gericht brauchen.“ Zudem müsse erkennbar sein, dass ein Schaden eintreten könne. „Die Ecke ist aber kein Kriminalitäts-Schwerpunkt.“

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Zu gut kann sich Tasillo an den juristischen Kampf um das Verbot der Straßenprostitution erinnern. Die Anforderungen der Gerichte seien hoch. Um Verbote auszusprechen, müsse es zu „Milieubedingten Unruhen“ kommen. In der Nordstadt unweit des damaligen Straßenstrichs sei es soweit gewesen, „dass Kinder die Preise für Dienstleistungen der Frauen nennen konnten.“ Davon sei man im südwestlichen Kreuzviertel weit entfernt. Auch den von Anwohnern beklagten Autoverkehr durch Freier habe man in der Straße Am Südwestfriedhof nicht beobachten können, sagte Tasillo.

Sperrbezirk ist sehr weitläufig

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum die Stadt die Finger von einer Ausweitung des Sperrbezirks lässt - und der scheint grundsätzlicher Natur zu sein: Sollte die Stadt die Grenzen der Verbotszone ausdehnen, könnten die Richter im Fall einer Klage das gesamte Konstrukt aufheben. Immerhin ist der Sperrbezirk mit 18 Quadratkilometern sehr weitläufig: Er umfasst beinahe die komplette Innenstadt (außer einen Zipfel im Kreuzviertel) und reicht im Norden bis ans Westerholz.

Hinzu kommt, dass der Sperrbezirk 1975, also vor nunmehr 40 Jahren, in Kraft getreten ist. Eine lange Zeit, in der „sich die gesellschaftlichen Anschauungen gewandelt haben“, wie Heike Tasillo, zu bedenken gab. Prostitution sei weder verboten noch sittenwidrig. Ihr Fazit: Besser die Finger davon lassen. „Denn 2016 wäre dieser Sperrbezirk so nicht mehr zu machen.“ Eine Neuausrichtung mit einer Erweiterung der Verbotszone werde man nicht genehmigt bekommen.

Dennoch: Die Flinte ins Korn werfen müssen die Bewohner des Kreuzviertel-Quartiers nicht. Im Juli 2017 tritt das neue Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. Wer dann einen Bordellbetrieb auf die Beine stellen will, muss sich vorher das Okay der Behörden holen. Bislang ist das nicht der Fall.

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