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Kindergarten wird als Toilette missbraucht

Heroldstraße

Die Menschen im Kindergarten an der Heroldstraße in der Dortmunder Nordstadt sind verzweifelt. Regelmäßig finden sie Fäkalien, Drogenreste, Zigarettenkippen und Spritzen. Seit acht Wochen waren die Kinder nicht mehr draußen.

DORTMUND

, 30.06.2017 / Lesedauer: 3 min
Kindergarten wird als Toilette missbraucht

Ein Kind hinter einer Seitentür des Kindergartens. Fäkalien liegen am Donnerstag, wie so oft, vor der Tür.

Es gibt wenig, was sie auf dem Kindergartengelände an der Heroldstraße morgens noch nicht gefunden haben. Da lagen also im Außengelände Unterwäsche und Spritzen, geplünderte Geldbörsen und Unterwäsche, Müll selbstverständlich auch, Drogen und Drogenreste. Zigarettenkippen, Glasflaschen, Glassplitter. Und regelmäßig, so gut wie jeden Morgen also, liegen da Kothaufen. Mal mit, mal ohne Papier.

Acht Wochen waren die Kinder nicht mehr draußen

Seit nunmehr acht Wochen waren die 53 Kindergartenkinder nicht mehr draußen. Am letzten Freitag platzte Erzieherin Susanne Kaiser einmal mehr der Kragen: Sie sah Zivilpolizisten, die den Spielplatz an der Missundestraße inspizierten. Der Spielplatz liegt hinter dem Außengelände des Kindergartens, getrennt werden die Areale nur durch einen Zaun. Da waren also die Polizisten, da war ein Süchtiger, und der, als er die Beamten erkannte, schluckte seine Drogen schnell herunter.

Als die Polizisten weg waren, erbrach sich der Mann über den Zaun ins Kindergartengelände. Im Kindergarten selber steht im Eingangsbereich eine Tafel mit Regeln, die hier gelten. Die Überschrift darüber lautet: „Alles was ich brauche, habe ich im Kindergarten gelernt.“ Das wird stimmen, denn auf das Außengelände gehen die Kinder seit über acht Wochen nicht mehr. Zu hoch ist die Verletzungsgefahr an Glasscherben. Oder auch die Möglichkeit, dass ein acht Monate altes Kind, so alt sind hier die Jüngsten, eine alte Kippe verschluckt.

Sandkasten als Drogenbunker

Bei einem der letzten Außenspieltage fand ein Kind einen kleinen und durchsichtigen Plastikbeutel – es ging davon aus, „weißes Mehl“ gefunden zu haben. Und der Sandkasten im vorderen Bereich wurde als Drogenbunker genutzt – er wurde abgebaut.

Erzieherin Annette Banik ist 56 Jahre alt, 1983 fing sie hier im Johannes-Kindergarten an, heute leitet sie die evangelische Einrichtung. Dass der Norden nicht leicht ist, weiß sie. Was sie nicht weiß, ist, woran es liegt, dass der Kindergarten seit anderthalb Jahren solche Probleme hat. Einbrüche gab es schon früher, auch Vandalismus an den Spielgeräten, aber warum jetzt die Außenanlage nicht nur demoliert, sondern auch regelmäßig als Toilette benutzt wird, kann Banik nicht erklären.

Was ihr Sorge macht ist, wenn Kolleginnen Menschen ansprechen, die an den Zaun und damit ins Gelände pinkeln. Da wird dann mittlerweile gedroht und beschimpft, „es ist gefährlich geworden“. Und Kollegin Kaiser ergänzt: „Inzwischen fehlt komplett die Gesprächsgrundlage“.

Wunsch nach doppeltem Zaun

Der Kindergarten wünscht sich einen doppelten Zaun, der höher als der alte ist und dessen Zwischenräume mit Steinen aufgefüllt wird. Als Sicht- und Müllschutz. Am Mittwochabend waren, nach Schilderungen einer betroffenen Mutter, die Zustände im Kindergarten auch Thema in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord. Dessen Vorsitzender, Dr. Ludwig Jörder, sah hier einen „offenbar besonders krassen Fall“ vor sich.

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