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Kleiderlust aus Zentnerlast

Das "Team für alle Fälle" findet seine Werkstatt im neuen Logistik-Zentrum der Caritas. Mittendrin: ein dicker Aufsitzrasenmäher.

02.11.2007

Gleich um die Ecke kämpfen sich die Büglerinnen Kornelia Trippe und Rosalie Jugovic durch 1,5 Tonnen Kleidung und Wäsche für den Caritas-Shop an der Osterlandwehr. Nicht mitgerechnet die 600 bis 800 kg aus privaten Haushalten. Von etwa 130 Kunden pro Woche holt und bringt die Caritas Wäsche - gegen handelsübliche Bezahlung. "Sonst bekämen wir Ärger mit der IHK", sagt Caritas-Abteilungsleiter Klaus Neumann (Foto). Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.

Ein Riesen-Wäschetrockner wirbelt Unterhosen, Handtücher und Co. im Dauereinsatz trocken. In den Waschmaschinen schleudern die Requisiten unserer Überflussgesellschaft. "Hier geht kein Stück in den Kleidershop, das zuvor nicht gewaschen wurde", unterstreicht Sandra Abdinghoff (Foto). Die 34-Jährige ist hauswirtschaftliche Betriebsleiterin und führt das neue Logistikzentrum. Gewaschen wird jedes Teil mit einem Desinfektionsmittel, das selbst Kleiderläuse abtötet.

Hygiene und nochmals Hygiene stehe im Vordergrund, bekräftigt Neumann, der stolz darauf ist, dass sich die Kundenzahl im Shop (700 qm) unter seiner Führung verdoppelt hat. Rund 200 sind es jetzt. Tag für Tag. Sie sind Kunden des "Caritas-Dienstleistungsangebotes Wäsche- und Möbelaufbereitung für Menschen mit geringer Kaufkraft", so die offizielle Lesart.

Zurück am Logistikstandort Hannöversche Straße: Rechts stapeln sich zentnerweise neue Altkleider, die auf Sortierung warten, links ein Turm Möbel aus Haushaltsauflösungen. "Aber Gelsenkirchener Barock stellen wir hier nicht hin, nur solide, massive Sachen, keine Großmöbel." Klaus Neumann ist in seinem Element. Pro Woche wird die Caritas zu einer Haushaltsauflösung gerufen, und dabei sind die Mitarbeiter oft näher dran, als ihnen lieb ist. "Es ist schon einige Male passiert", so Neumann, dass vorher jemand mehrere Wochen tot in seiner Wohnung gelegen hat". In diesem Jahr bereits dreimal, in einem Fall sogar in einem Zweifamilienhaus. Sie sähen immer mehr zugemüllte Wohnungen, erfährt auch Sandra Abdinghoff. Dort stehen ihre Mitarbeiter vor Bergen schimmeliger Lebensmittel und schmutzigster Wäsche.

Hin und wieder versüßt Schönes den Arbeitsalltag: Der Dank einer alten Dame, deren Garten mit ihrem Ehemann sozusagen gemeinsam starb. Das Caritas-Team richtete die Beete wieder her. Oder die E-Mail aus Berlin, voll des Lobes und vieler Fotos für die geleistete Arbeit bei der Haushaltsauflösung.

Bald zieht noch mehr Leben ins Logistik-Zentrum. Ein Teil der Qualifizierung junger Mütter (bis 25 Jahre) soll hier stattfinden. Insgesamt 36 sind es, die waschen, bügeln und nähen lernen. Angehende Haushaltsdienstleister üben sich bei ihrer fachpraktischen Ausbildung in Tapezier- und Malerarbeiten, um sich später einmal selbstständig zu machen mit einem Service rund um Haus und Hof. Klaus Neumann sprudelt vor Ideen.

Bis zu seiner Rente möchte der 61-Jährige noch seine Vision von Kleider- und Möbelshop verwirklichen: "Eine Außenstelle pro Stadtbezirk." Ulrike Böhm-Heffels

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