Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Nur die halbe Wahrheit: "Dortmunds Abstieg ins Armenhaus"

Beitrag im Morgenmagazin

Wer als Dortmunder am Donnerstag das ARD-Morgenmagazin gesehen hat und den Beitrag "Dortmunds Abstieg ins Armenhaus", der wähnte sich zuweilen im falschen Film; denn vieles, was zu sehen und zu hören war, ist nur die halbe Wahrheit.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle

, 22.11.2012 / Lesedauer: 3 min
Nur die halbe Wahrheit: "Dortmunds Abstieg ins Armenhaus"

Die Dortmunder Nordstadt.

Fast jeder Vierte gilt in Dortmund inzwischen als arm, so die jüngste Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die sich damit in andere, ähnliche Studien einreiht. In der Ruhrgebietsmetropole stieg die Armutsquote zwischen 2005 und 2011 jeweils um etwa ein Drittel auf gut 24 und 23,5 Prozent. Das ist dramatisch und traurig. Das Morgenmagazin wollte deshalb wissen, was das mit einer Stadt macht, "die millionenschwere Luxusprojekte "wie den Phoenix-See" durchzieht und "ihren Bürgern Kindergartenplätze anbietet, die zu den teuersten der Republik zählen". Warum die Kita-Plätze so teuer sind, bleibt in dem Beitrag offen. Nämlich weil die Besserverdienenden mehr zahlen, damit die Sozialschwächeren für Kita- und Kindergartenplatz nur wenig oder nichts zahlen müssen.

moma-Reporter Martin Kaysh, einer der Köpfe des "Geierabends" (der Steiger), begab sich auf eine Stadtrundfahrt der besonderen Art. Erst schaute er kurz am Phoenix-See vorbei, dem "Stadtmarketing-Dortmund", wo es  Industrie "nur noch als Dekoration" gibt, um dann in die Nordstadt zu fahren, "wo Not und Elend nur noch Soziologie-Studenten und Reporter locken". Der Besuch in der Kana-Suppenküche ist stimmig.Doch Kaysh will zeigen, dass Armut nicht nur in der Nordstadt, sondern in Dortmund "allgegenwärtig" ist. Er macht einen Abstecher ins Dortmunder Theater  -  und zeigt den Prospekt für das Stück "Stadt ohne Geld".  

Dann das Gespräch mit Bodo-Straßenverkäufer Günter Jackat, der die wachsende Armut in den letzten fünf Jahren am ehemaligen Karstadt-Einrichtungshaus festmacht, heute "ein 1-Euro-Laden mitten in der City". Kein Wort von der neuen Thier-Galerie und davon, dass das fast leere Karstadthaus weniger mit der Armut in Dortmund, sondern mehr mit den Problemen des Kaufhaus-Konzerns zu tun hat. Zum Abschluss geht's noch mal in die Nordstadt zu Sitar-Spieler Gerd Neumann, der, "arm und zufrieden", die abgehängte Nordstadt mit seinen Klängen heilen will von ihrer heftigen Melodie "Tatü, tata, Ruhe da oben, ich hol gleich die Bullen, ich hau dir gleich ein in die Fresse".

Ach ja, und ganz zum Schluss darf auch der BVB nicht fehlen. Er hat 4:1 in der Champions League gegen Ajax Amsterdam gewonnen. Und so gibt es trotz des Niedergangs doch noch was zu feiern. Armes Dortmund, arme Nordstadt. Außenstehende werden es nach diesem Bericht wahrscheinlich so sehen, die meisten Dortmunder sicherlich nicht. 

Lesen Sie jetzt