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Pass jetzt passgenau

DORTMUND Fälschungssicher soll er sein und teuer ist er: Der neue ePass, lang: "Elektronischer Pass mit Biometrie-Merkmalen". Am 1. November kamen neben dem Bitte-Nicht-Lächeln-Bild Fingerabdrücke als weiteres Identifizierungs-Merkmal hinzu. Die RN wollten wissen, ob's bisher Probleme gab und besuchten für die Samstag-Reportage die Bürgerdienste.

von von Ulrike Böhm-Heffels

, 30.11.2007
Pass jetzt passgenau

Den Zeigefinger kurz aufs Rotlicht gelegt, schon misst der Scanner die Biometrie der Hautstruktur. Fingerabdrücke sind einmalige Merkmale des Individuums Mensch.

Der Chef hat zu trockene Haut. Anhauchen hilft. Leider nur bei Fingern. Und nur für den nächsten Moment. Seine Zeigefinger sehen gerade Rot, erst der rechte, dann der linke. Rotlicht für Sekunden – so fix lässt sich die Individualität vom Chef dokumentieren. Höchst amtlich.

Kein Überwachungsstaat

Rainer Wagener ist Bereichsleiter im Bürgerbüro, zuständig u. a. für Einwohnermelde-, Kfz-Zulassungen und Fahrerlaubnisse. Mit dem neuen Reisepass, der seit 1. November auch Fingerabdrücke aufnimmt, hat er kein Problem: „Der Pass hat nichts mit einem Überwachungsstaat zu tun. Er bringt aber deutlich mehr Sicherheit.“ Während der Abdruck mit den Fingern bei den meisten Antragstellen schon ganz gut funktioniert – über den kleinen (Rotlicht-)Scanner, nur wenig größer als eine Köderbox für Mäuse –, hapert es noch immer bei der Bildauswahl. Immerhin seit zwei Jahren erlaubt sie nur ernste Gesichter. Katja Pawelczik hat gut Lachen. Einen neuen Pass braucht sie selbst erst 2009. Die Mitarbeiterin der Bürgerdienste kennt jede Menge Schmunzelgeschichten: Vor zwei Stunden wehte eine junge Frau vor ihren Tisch, ein Foto in der Hand, das sie mit breitem Stirnband zeigt. Das sei jetzt stylisch, erfuhr Pawelczik, und die Frau mit dem Pass-Wunsch erfuhr, dass sie noch einmal zu erscheinen hätte. Mit neuem Foto, freier Stirn und ernstem Gesichtsausdruck. Das Ganze frontal „geschossen“.

Mit Hund aufs Bild Katja Pawelczik legt die Stirn in Falten: „Einmal wollte ein Mann unbedingt mit seinem Hund aufs Foto. Ein anderer mit Hut. Wir sagen dann schon, bevor sie sich zum zweiten und dritten Mal vor den Automaten setzen, sollten sie lieber das Geld beim Fotografen ausgeben.“ Der muss wissen, was er tut: biometrisch verwertbare Fotos liefern. Ungefähr jedes fünfte, das hier im Bürgerbüro der Berswordthalle abgegeben wird, habe die nämlich nicht, sieht die Fachfrau. Familien tun ihr leid, die mit Neugeborenen kommen. Neugeborene? „Der neue Pass gilt quasi ab dem 0. Lebensjahr. Aber versuchen Sie mal ein Baby vor den Automaten zu halten. Wir hatten schon Babys mit schlafenden Augen auf Fotos oder den elterlichen Händen hinterm Säuglingskopf.“

Niemals montags

Im Bürgerbüro tobt langsam das Leben. Montage dehnen sich hier nicht mit gähnender Langeweile. Unruhige Menschen mit Autokennzeichen in der Hand bestimmen jetzt den Trubel – zwei Tage nach Erscheinen der Kfz-Anzeigen. Mitten in der wartenden Masse ein paar verstreute Pass-Abholer. Um 59 Euro sind sie ärmer für ein zehn Jahre gültiges Dokument. Fast 100 Euro kostet der Spaß, wenn einem die eigene Vergesslichkeit ein Schnippchen schlägt: Wem gestern einfiel, dass er nächste Woche in die USA reist und der alte Pass abgelaufen ist, erhält innerhalb von 72 Stunden ein Express-Dokument, das leider arm macht. Also, besser nicht bis zum Kofferpacken warten: „Die Bestellung dauert vier Wochen“, warnt Pawelczik.

Die ausführliche Reportage lesen Sie in der Samstag-Ausgabe der Ruhr Nachrichten.

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