Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

PCB-Blutwerte um das 25.000-Fache erhöht

Envio-Giftskandal

DORTMUND Nach Monaten des Wartens und der Angst haben die Mitarbeiter des Dortmunder Recycling-Unternehmens "Envio" auf einer Betriebsversammlung ihre PCB-Konzentrationen in ihrem Blut erfahren. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet.

von Von Jonas Müller-Töwe

, 26.06.2010

Ungewöhnlich, erschütternd, schockierend“: So lauten die Einschätzungen der Bezirksregierung Arnsberg und des Gesundheitsamtes Dortmund zu der PCB-Belastung der Envio-Mitarbeiter. Am Samstagmorgen (26.6.) wurden die rund 30 Beschäftigten in einer Betriebsversammlung über die Ergebnisse der Blutuntersuchungen informiert – während Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus und die Presse draußen warten musste. Die Firma hatte beiden die Teilnahme untersagt.Gesundheitsschäden nicht auszuschließen

In 95 Prozent der Fälle seien die PCB-Werte um das 8500-fache erhöht, schilderte Landesgewerbearzt Dr. Michael Hackmann bei einer anschließenden Pressekonferenz. In einem Extremfall sei eine 25.000-fache Erhöhung festgestellt worden. Gesundheitsschäden seien nicht auszuschließen – eine individuelle Beratung, einschließlich der medizinischen Betreuung über die nächsten Jahre hinweg, habe das Amt den Mitarbeitern angeboten. Die Werte seien „besorgniserregend“. Noch nie sei eine derartige Belastung beobachtet worden – weder in Nordrhein-Westfalen, noch bundesweit.„Es liegen Indizien vor, dass hier mit hoher krimineller Energie illegal gearbeitet wurde“, sagte Bernd Müller, Abteilungsleiter Umwelt bei der Bezirksregierung.

Die Staatsanwaltschaft ermittele, doch lägen den Strafermittlern widersprüchliche Zeugenaussagen zu den Vorgängen bei Envio vor. „Die, die kontrolliert haben, sind getäuscht worden“, warf Müller der Envio-Geschäftsleitung vor. Er werde die Staatsanwaltschaft bitten, wegen fahrlässiger oder möglicherweise auch vorsätzlicher Körperverletzung zu ermitteln. Ob die zweite Envio-Fabrik in Südkorea ebenfalls involviert ist, sei allerdings bislang nicht zu klären.

Trotz der extremen Belastung  der Mitarbeiter und der zum Teil 1000-fach erhöhten Fegeproben auf dem Hof des Geländes geht Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus weiter davon aus, dass die Bevölkerung nicht betroffen ist. "Möglicherweise aber sind es die umliegenden Firmen", räumte sie ein. Den dort Beschäftigten werde man raten, sich ebenfalls einer Blutunteresuchung zu unterziehen.

Das Unternehmen teilte dazu mit: „Das Ergebnis der amtlichen Blutuntersuchung bei 30 Mitarbeitern hat uns tief erschüttert und ebenso überrascht. Alle bisherigen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen, die wir regelmäßig extern vornehmen lassen, haben nie Hinweise auf irgendwelche erhöhten PCB-Konzentrationen im Blut unserer Beschäftigten ergeben.“ Man werde die Bemühungen intensivieren, „den Sachverhalt gemeinsam mit den Arbeitsmedizinern umfassend aufzuklären."

Lesen Sie jetzt