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Prostitution: Politik will Sperrbezirk ausweiten

Problemhaus im Kreuzviertel

Etappensieg für die Anwohner der Straße Am Südwestfriedhof im Kampf gegen die Prostitution in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft: Die Bezirksvertretung Innenstadt-West wünscht, dass die Stadt die Ausweitung des Sperrbezirks im Kreuzviertel in die Wege leitet.

DORTMUND

, 22.09.2016
Prostitution: Politik will Sperrbezirk ausweiten

Anwohner ärgern sich über Prostitution in diesem Haus an der Straße "Am Südwestfriedhof" und befürchten eine Ausweitung.

Auf Antrag von SPD, Grünen und auch der CDU hat die Bezirksvertretung Innenstadt-West bei drei Enthaltungen beschlossen, die Verwaltung möge sich mit der Arnsberger Bezirksregierung auf die Ausweitung des Sperrbezirks im Kreuzviertel verständigen. Die Entscheidung allerdings liegt in den Händen der Bezirksregierung; sie zieht letztlich die Grenzen im Stadtgebiet, in denen keine Prostitution erlaubt ist.

Mit ihrem Antrag griffen SPD und Grüne einen Vorstoß der Anwohner in der Straße „Am Südwestfriedhof“ auf. Sie sehen die Ruhe in ihrem beschaulichen Quartier durch das florierende Geschäft mit der Prostitution im Hochhaus Am Südwestfriedhof 41 bis 47 gefährdet. Wie sehr, davon konnten sich Bezirksvertreter 24 Stunden vor der Sitzung bei einem Treffen mit Anwohnern persönlich überzeugen. 

Der gegenwärtige Sperrbezirk (rot) und die geforderte Erweiterung (blau):

Anwohner: Drei Betriebe "im Stile eines Bordells"

Hausverwalter Gerhard Martin („Wir haben nicht die perfekte Mieterstruktur.“) stritt erst gar nicht ab, dass Frauen in dem rund 40 Wohnungen fassenden Haus ihre Sex-Dienste anpreisen. Als er aber von „nur noch vier Wohnungen“ sprach, in denen es Prostitution gebe, hielt ihm Anwohner Mario Samoticha prompt einen Stapel von Inseraten vor die Nase, in denen sich die Damen des Hauses im Netz anbieten, Freier ihre Erfahrungsberichte zum Besten geben und in denen unverblümt um weitere Arbeitskräfte geworben wird: „Wir suchen dringend Verstärkung.“

Die Masse an Anzeigen, so Samoticha, deute nicht auf Einzelfälle hin. „Das sind mehrere Frauen, die sich jeweils eine Wohnung teilen.“ Seien es mehr als zwei Frauen pro Wohnung, handele es sich aber um einen gewerblichen Betrieb. Und der sei genehmigungspflichtig. Samoticha sprach von drei Betrieben, die „im Stile eines Bordells“ geführt würden. Hinzu kämen Frauen, die allein und auf eigene Rechnung arbeiteten.

Haus liegt nur wenige Minuten von vier Schulen entfernt

Die Begleiterscheinungen erschöpfen sich für die Bürger nicht allein im gestiegenen Park- und Suchverkehr. Birgit Volland, Lehrerin, zwei Kinder, wohnt seit 1966 im Quartier. Sie fürchtet, Jugendliche aus den benachbarten Schulzentrum könnte den Verlockungen aus dem Hochhaus erliegen. Das liegt nur wenige Gehminuten entfernt von vier Schulen und diversen Kindertageseinrichtungen – mit rund 4000 Kindern und Jugendlichen.

Bereits jetzt sei zu beobachten, „dass Heranwachsende auf dem Südwestfriedhof Drogen konsumieren“ - und diese offenkundig auch auf der Straße angeboten würden, empörte sich Birgit Volland. Eine Beobachtung, die Anwohner bestätigten. Ein Vater berichtete, er sei bereits von seiner Tochter darauf angesprochen worden. „Die Stadt hat sich große Mühe gegeben, gerade junge Familien im Quartier anzusiedeln“, weiß Birgit Volland. „Mir ist vollkommen schleierhaft, warum man das Wohngebiet nicht in den Sperrbezirk einbezogen hat.“ 

"Städtebaulicher Schandfleck"

Anwohner Lothar Bartsch erinnerte, dass der Schulweg einiger Kinder aus dem Ortsteil Schönau direkt am fraglichen Haus vorbeiführe – und künftig wohl auch der geplante Radschnellweg Ruhr. In einem Brief an Oberbürgermeister (OB) Ullrich Sierau bezeichnet Bartsch, ehemals Feuerwehrmann der Stadt Dortmund, das Hochhaus als „städtebaulichen Schandfleck“. Es sei in einem „desolaten Zustand und renovierungsbedürftig“.  

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