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Richter bricht Verhandlung um Dortmunder Mord ab

NSU-Prozess

Der Richter hat den NSU-Prozess für diesen Verhandlungstag abgebrochen. Der Dortmunder Mord wird später weitervehandelt. Grund für den Abbruch ist der Gesundheitszustand der Angeklagten Beate Zschäpe.

DORTMUND/MÜNCHEN

von Von Tom Sundermann und Dennis Werner

, 06.05.2014
Richter bricht Verhandlung um Dortmunder Mord ab

Mehmet Kubasik wurde 2006 in seinem Kiosk an der Mallinckrodtstraße ermordet.

Zschäpes Verteidiger lehnen den Arzt als befangen ab: Er habe ihre Mandantin nur befragt und nicht untersucht. Richter Manfred Götzl bricht um 15.50 Uhr die Verhandlung ab. Der Fall Kubasik wird erneut im Prozess aufgegriffen.

Noch immer geht es im Prozess nicht weiter. Ein Arzt hat Zschäpe untersucht: Sie gab demnach an, ihr sei übel geworden, nachdem sie eine Mitteilung erhalten hatte – "welche, das sage ich nicht", beschied sie dem Arzt. Dieser stuft sie als verhandlungsfähig ein. Weigert sich Zschäpe, in den Saal zu kommen, könnte sie in Handschellen hereingebracht werden.

Nach weit über drei Stunden will Richter Manfred Götzl die Verhandlung fortsetzen – ohne Beate Zschäpe, die nicht wiedergekommen ist. Das ist im NSU-Prozess bislang noch nie vorgekommen. Der Zeuge muss warten, bis klar ist, ob Zschäpe nicht doch verhandlungsfähig ist. Ihr sei übel, erklären ihre Anwälte.

Verwirrung um Beate Zschäpe: Es scheint ein ernstes Problem vorzuliegen. An die Unterbrechung schließt sich die Mittagspause bis 12.30 Uhr an.

Was hat Zschäpe? Die Pause wird verlängert. Möglicherweise wird Zschäpe von einem Arzt untersucht. Gamze Kubasik, die schon mehrere Prozesstage als Nebenklägerin verfolgt hat, ist nicht erschienen. Auch ihre Mutter Elif ist nicht aus Dortmund angereist.

Der Polizist sagt aus, er habe eine Zeugin vernommen, die in der Nähe des Tatorts wohnte. Sie will am Tag des Mords zur Mittagszeit zwei "Junkie-Typen" beobachtet haben. Polizist Stefan K.: Die Zeugin sagte aus, sie habe in Tatortnähe "Rechtsradikale" beobachtet. Später befragt, ruderte sie zurück: Sie sei falsch verstanden worden, habe eher Drogensüchtige gesehen. Kurz darauf wird die Verhandlung unterbrochen: Rechtsanwalt Wolfgang Heer spricht von "gesundheitlichen Gründen", die seine Mandantin Beate Zschäpe betreffen.

Die Angeklagten sitzen, die Richter sind hereingekommen: Im Oberlandesgericht München hat die Verhandlung begonnen – genau ein Jahr nach der Eröffnung des NSU-Prozesses am 6. Mai 2013. Der Vorsitzende Manfred Götzl ruft den Kriminaloberkommissar K. auf, einen Dortmunder Polizisten, der im Fall Kubasik ermittelte. Er soll zu seinen Recherchen im Umfeld des Mordopfers aussagen. Der 39-jährige Mehmet Kubasik war 2006 in seinem Laden in der Nordstadt erschossen worden. Laut Anklageschrift sollen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am Mittag des 4. April den Kiosk in der Mallinckrodtstraße betreten haben und mit einer Ceska-Pistole auf Kubasik geschossen haben.

Mundlos und Böhnhardt sind tot. Sie starben bei einem selbstgelegten Brand in ihrem Wohnmobil. Vor dem Münchner Oberlandesgericht angeklagt sind Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben und Carsten S.. Sie sollen für den Tod Mehmet Kubasiks verantwortlich zu sein. Heute stehen die Ermittlungen um den Fall im Zentrum des Verhandlungstages. Unter anderem geht es darum, warum zunächst im Umkreis der Familie nach Schuldigen gesucht wurde und Hinweise nach einem nationalsozialistischen Hintergrund zunächst nicht in Betracht gezogen worden waren. 

 

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