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Rotlicht-Alarm im Kreuzviertel - Anwohner beschweren sich

Am Südwestfriedhof

Vor Jahren beschwerten sich die Anwohner der Nordstadt über Freier, die auf der Suche nach Prostituierten durch die Straßen kurvten. Ähnliche Vorgänge beobachten Bewohner der Straße Am Südwestfriedhof im Kreuzviertel. In einem Brandbrief bitten sie die Stadt um Hilfe.

DORTMUND

, 07.09.2016
Rotlicht-Alarm im Kreuzviertel - Anwohner beschweren sich

Anwohner ärgern sich über Prostitution in diesem Haus an der Straße "Am Südwestfriedhof" und befürchten eine Ausweitung.

Im Fadenkreuz steht das gut 40 Wohnungen fassende Hochhaus Am Südwestfriedhof 41-47, für jeden Autofahrer von der B1 gut zu erkennen. Das Objekt habe einen schlechten Ruf über die Stadtgrenzen hinaus. Es sei zu „einem sozialen Brennpunkt“ geworden, schreibt ein Anwohner, dessen Garten an das Grundstück des Hochhauses grenzt.

Als Grund führt er an, dass in dem Haus nicht nur die Wohnungsprostitution floriere, sondern „mindestens drei Bordellbetriebe mit unterschiedlichster Ausrichtung“ hinzukämen. Der Anwohner, dessen Name ungenannt bleiben soll, will auch beobachtet haben, „wie zwei Autos mit belgischen Kennzeichen vorfuhren und Frauen brachten.“

Anwohner von Verkehr genervt

Vom Auto- und Parkverkehr sind die Bewohner der Straße Am Südwestfriedhof seit Langem genervt. Nun fürchten sie, es könne noch eine „Schippe drauf kommen.“ Der Grund: Der Eigentümer des Hauses, ein Privatmann aus Wetter, hat vor Kurzem Rodungsarbeiten auf der Grünfläche an der Ostseite des Hochhauses gestartet. Die Anwohner sind alarmiert.

Sie fürchten, das Grundstück solle in einen Parkplatz für Sex-Kunden umfunktioniert werden – und den Verkehr zusätzlich ankurbeln. Hinzu kommt: Die Zufahrt könne nur über einen drei Meter breiten Weg hergestellt werden. Der aber sei als Abstandsfläche zur Rückfront dreier Wohnhäuser definiert.

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„Sicherheitstechnisch völlig indiskutabel“, kritisiert der Beschwerdeführer in seinem Brief an die Verwaltung – und hat beim Bauordnungsamt vorsorglich Einspruch gegen die Arbeiten angemeldet. Sollte die Zufahrt Realität werden, müssten Birken gefällt werden, die unter Schutz stehen.

Tatsächlich ging vor Kurzem die Motorsäge an, Nachbarn alarmierten die Polizei. Die Arbeiten ruhten erst einmal. Alarmiert durch das Schreiben der Anwohner, schärft die Verwaltung ihren Blick auf die ihr ohnehin nicht unbekannte Immobilie. Weil das Hochhaus außerhalb des Sperrbezirks liege (er endet an der Stadtbahnhaltestelle Kreuzstraße), gebe es aktuell keine Handhabe gegen die Wohnungsprostitution, sagt Stadtsprecher Maximilian Löchter. Interessanter sei da schon der Hinweis auf die Grünfläche.

"Ich kann den Mietern ja nicht die Bettdecke hochheben" 

Der Stadt liege „kein Antrag auf Nutzungsänderung vor“. Das Bauordnungsamt werde sich das Gelände ansehen und im Falle eines Verstoßes einschreiten. Hausverwalter Gerhard Martin kann die Beschwerden nicht nachvollziehen. Er räumt ein, dass vielleicht in „drei bis vier Wohnungen“ dem horizontalen Gewerbe nachgegangen werde. „Aber ich kann den Mietern ja nicht die Bettdecke hochheben.“

Im Falle ihres Auszugs werde man sich die Nachmieter genau ansehen. Dass Prostitution, wie von Anwohnern behauptet, gewerblich und organisiert in Form eines Bordells betrieben werde, bestreitet der Verwalter. Zwar sei der Flachbau in der Vergangenheit als einschlägiges Etablissement geführt worden. Dafür habe auch eine Genehmigung als „Barbetrieb mit Nebenräumen“ vorgelegen. Damit sei es aber vorbei, „es gibt hier keine Bar mehr.“

"Wir möchten ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn" 

Im Gegenteil: „Wir bauen dort Apartment-Wohnungen ein.“ Und die Grünfläche? Auch ein Missverständnis, sagt der Hausverwalter. Man wolle keinen Kunden-Parkplatz schaffen. Sondern eine Zufahrt für die Feuerwehr, damit die im Brandfall auch seitlich ans Haus gelange. „Wir möchten ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn.“

Weder die Stadt noch die Mitternachtsmission verfügen über belastbare Zahlen zum Ausmaß der Wohnungsprostitution in Dortmund. Abgesehen von der baurechtlichen Genehmigung, muss sich ein Vermieter derzeit keine gesonderte Erlaubnis besorgen, wenn er Wohnungen fürs Sex-Gewerbe zur Verfügung stellt. Das soll sich Mitte 2017 mit dem neuen Prostitutionsschutz-Gesetz ändern.

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