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Sekretärinnen aßen zwei Brötchen und eine Frikadelle

Fristlose Kündigung

DORTMUND Über zwei Brötchen und eine Frikadelle sind jetzt zwei Sekretärinnen der Geschäftsführung des Bauverbands Westfalen gestolpert. Weil sie hungrig zugriffen, wurden die beiden langjährigen Angestellten fristlos gefeuert.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 25.09.2009 / Lesedauer: 2 min
Sekretärinnen aßen zwei Brötchen und eine Frikadelle

Verspeiste Brötchenhälften wurden zwei Sekretärinnen des Bauverbands Westfalen zum beruflichen Verhängnis. Sie kassierten die fristlose Kündigung.

Beide Fälle landen jetzt vor dem Dortmunder Arbeitsgericht: Am 6. und 12. Oktober. Die Sekretärinnen klagen gegen ihre Kündigungen, handelten „ohne jedes Unrechtsbewusstsein“, wie einer der beiden Rechtsanwälte betont. Die beiden Verbands-Angestellten, 34 Jahre beim gleichen Arbeitgeber beschäftig die eine, fast 20 Jahre die andere, waren mit der Zubereitung des Mittagessens für einen Ausschuss beschäftigt. Dann bedienten sie sich unangekündigt selbst. Zwei halbe Brötchen mit Aufschnitt und eine Frikadelle verputze eine der Frauen, zwei halbe Brötchen die andere.

Über welchen Weg der Arbeitgeber feststellte, dass die Beschäftigten selbst zulangten, bleibt einem ihrer Rechtsvertreter unklar. Jedenfalls wurden die Sekretärinnen einzeln zum Gespräch gebeten. Dann folgte ihre Kündigung. Ein „gestörtes Vertrauensverhältnis“ konstatiert der Vertreter der Arbeitgeberseite zu den Vorkommnissen. Rechtsanwalt Prof. Dr. Jürgen Weidemann findet: „Es wäre ein Leichtes gewesen, nachzufragen, ob sie ihren Hunger stillen könnten.“ So aber stehe ihr Arbeitgeber auf dem Standpunkt, es komme nicht auf den Wert der ungefragt und somit unrechtmäßig zu sich genommenen Dinge an, sondern einzig auf den Vertrauensverlust. Der Anwalt sieht sich auf gutem Weg, dass die fristlose Kündigung unanfechtbar bleibt und verweist auf ähnliche Fälle in der Rechts-Literatur.

Mutmaßungen, fristlose Kündigungen aufgrund solcher Bagatellen auszusprechen, mit denen womöglich Arbeitgeber teure, alte Kräfte in wirtschaftlich schwerer Zeit los werden wollen, rückt Prof. Weidemann ins Reich der Fabel: Gleich gelagerte Fälle von Vertrauensverlust, die zu fristlosen Kündigungen führten, habe es zu jeder Zeit gegeben.

  • Im ersten Verfahren ist ein Gütetermin am 6. Oktober vor der 3. Kammer des Arbeitsgerichts Dortmund anberaumt.
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