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Was ist beim Dortmund-Tatort wahr - und was nicht?

Faktencheck zu "Kollaps"

Sind auf Dortmunds Spielplätzen Drogen versteckt? Was würde Kommissar Faber in der echten Welt blühen, wenn er Kriminellen Beweismittel zuschanzt? Und wo in Dortmund liegt dieser Park? Nach dem Dortmund-Tatort "Kollaps" stellen sich viele Fragen. Wir beantworten sie - in unserem großen Faktencheck.

DORTMUND

, 18.10.2015
Was ist beim Dortmund-Tatort wahr - und was nicht?

Kommissar Faber spürt den flüchtigen Jamal (Warsama Guled, r) auf.

Gibt es in der Nordstadt eine Drogenszene?

Ja. Die Polizei spricht von "mehreren Örtlichkeiten" in der Nordstadt, die als "Deliktbrennpunkte" beschrieben werden könnten, ohne genaue Gegenden zu nennen. Anwohner berichten jedoch, dass momentan besonders an der Münsterstraße auf offener Straße Drogen gehandelt würden.

Ende der 2000er-Jahre  war der Westpark  im Unionviertel eine der Hauptanlaufstellen der Drogenszene. Sie wurde jedoch von der Polizei durch häufige Streifen und Großeinsätze verdrängt. Anfang der 2010er-Jahre wurden häufiger Drogengeschäfte im Borsigplatzviertel beobachtet. Dort ist es aber in letzter Zeit etwas ruhiger geworden.

Gibt es solche großangelegten Razzien gegen Dealer?

Immer wieder geht die Polizei gegen den Drogenhandel in der Nordstadt vor. Erst Anfang Oktober wurde ein Kokain-Händler in der Oesterholzstraße festgenommen, in dessen Autos über 200 Drogen-Päckchen gefunden wurden. Regelmäßig gibt es Großeinsätze, bei denen Dealer festgenommen und Drogenverstecke ausgehoben werden.

Werden wirklich Drogen auf Spielplätzen versteckt?

Nein, Dortmunds Spielplätze sind bisher nicht als Drogenverstecke aufgefallen. Dealer deponieren ihre Ware jedoch durchaus in Verstecken. Die Polizei hat unter anderem schon Drogen in Baumscheiben, Sträuchern oder Stromkästen gefunden.

Kann Kokain töten, wenn ein Mensch eine gewisse Menge davon isst?

Ja, sagt Frank Schlaak von der Drogenberatung "Drobs Dortmund". Das zeigen unter anderem die Todesfälle bei Drogenkurieren, die mit Kokain gefüllte Kondome geschluckt hatten, die dann im Magen rissen. Schlaak ist nicht bekannt, dass in Dortmund einmal ein Kind gestorben sei, weil es Kokain gefunden und gegessen habe. Er erinnert sich jedoch an einen Fall vor einigen Jahren, bei dem ein Dortmunder Kind das Methadon (eine Ersatzdroge für Heroin) seiner Eltern fand und trank. Es starb.

Gibt es in der Nordstadt wirklich 8000 Bulgaren?

Das behauptet einer der besorgten Nordstadt-Bewohner im Film. Solche Zahlen werden häufig benutzt, um die Ängste vor "Überfremdung" zu schüren. Zwar ist die Zahl der in der Nordstadt wohnenden Bulgaren seit dem EU-Beitritt des Landes 2007 stark gestiegen. Doch von 8000 sind sie immer noch weit entfernt. Zum 31. Dezember 2014 waren genau 1484 Bulgaren in der Nordstadt gemeldet - das sind gerade einmal 2,6 Prozent der über 57.000 Nordstadt-Bewohner.

Wo liegt eigentlich der Park, der einer der Hauptschauplätze von "Kollaps" ist?

Nicht in Dortmund. Gedreht wurde in der Kölner Südstadt, der Park liegt an der Buschgasse, etwa anderthalb Kilometer südlich des Kölner Doms.

Wenn schon der Park nicht in Dortmund liegt, wo wurde denn an Originalschauplätzen gedreht?

Tatsächlich in Dortmund gedreht wurde in der City. Faber und Bönisch schlendern zum Beispiel über die Kampstraße, die Disko "Oma Doris" am Platz von Leeds dient Banden-Boss Abakay als Zentrale, der unglückliche Drogendealer Jamal wird im Brückstraßenviertel erstochen, nachdem er sich in der Zentralen Ausländerbehörde am Rande des Friedensplatzes Unterlagen für Integrationskurse geholt hat. 

Den Chef-Drogenhändler Abakay kenn ich doch von irgendwoher!

Richtig, der Bandenchef tauchte bereits im 2. Dortmund-Tatort Mein Revier auf. Damals war er einer der Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Ein Drogendealer in der Nordstadt war erschossen worden. Schlussendlich stellte sich jedoch heraus, dass er nicht der Mörder war. 

Gibt es Bandenkonflikte in der Nordstadt?

Ein Hinweis darauf, dass in der Nordstadt immer wieder rivalisierende Drogenbanden aneinander geraten, ist eine Massenschlägerei Mitte Mai in der Stahlwerkstraße. Dort lieferten sich zwei Gruppen eine regelrechte Straßenschlacht, bei 50 bis 60 Menschen unter anderem mit Macheten und Stühlen aufeinander losgingen.

Im Zuge dieses Straßenkampfes ergaben unsere Recherchen, dass es in der Nordstadt offenbar mehrere abgesteckte Reviere gibt: Das Borsigplatz-Viertel, die "Malli", das Schleswiger Viertel und die Münsterstraße seien lukrative Gegenden mit abgesteckten Claims.

Was blüht einem Polizisten, wenn er Fahndungsfotos an Unbefugte, sogar Kriminelle weitergibt, wie es Faber mit den Fahndungsfotos macht?

In der Realität wäre Faber in richtig großen Schwierigkeiten. Die Polizei nennt so etwas "Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht". Das Strafmaß: eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Wird gegen einen Polizeibeamten in einem solchen Fall ermittelt, kann ihn die Dienstaufsicht für maximal drei Monate suspendieren, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind. Dann muss der Polizist - wie Faber im Film - tatsächlich seine Waffe und seinen Dienstausweis abgeben, außerdem bekommt er ein Hausverbot für alle Polizeiämter.

Wird wirklich die Dienstwaffe eines Polizisten noch am Tatort konfisziert, wenn ein tödlicher Schuss abgefeuert wurde, wie es bei Nora Dalay geschieht?

Das würde tatsächlich so passieren, sagt die Polizei Dortmund. Außerdem würden dann Ermittlungen wegen des Verdachts auf Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge eingeleitet. Dabei wird überprüft, ob der tödliche Schuss strafbar war.

Wann gab es in Dortmund zuletzt so einen Fall?

2006. Damals erschoss ein Polizist einen Kiosk-Räuber in Eving, der ihn mit dem Messer angriff.

 

 

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