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Wird der Neonazi-Aufmarsch in Hörde verboten?

Waffenfunde bei Großrazzia

Böses Erwachen für die Neonazis in Dortmund: Am Donnerstag wurden 91 Wohnungen und Vereinsräume der Rechten von der Polizei untersucht. Am Nachmittag präsentierte die Polizei erste Ergebnisse. Seit dem Abend steht nun ein Aufmarsch-Verbot für den 1. September im Raum.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle (mit dpa)

, 23.08.2012

Das Verbot der Dortmunder Neonazi-Kameradschaft kann Auswirkungen auf den geplanten Neonazi-Großaufmarsch am 1. September in Hörde haben. „Wir prüfen bis zuletzt, ob wir die Versammlung verbieten können“, sagte Polizeipräsident Norbert Wesseler auf einer Pressekonferenz am Nachmittag. „Es könnte Auswirkung haben.“  

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Großrazzia bei Dortmunder Neonazis

Schlag gegen die Neonazi-Szene: Eine Dortmunder Gruppe wurde verboten, am Donnerstagmorgen gab es zahlreiche Hausdurchsuchungen.
23.08.2012
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Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Ab 6 Uhr morgens räumte die Polizei das Hauptquartier des Nationalen Widerstand Dortmund an der Rheinischen Straße 135. Gleichzeitig wurden 90 Wohnhäuser in Dortmund durchsucht. © Foto: Dieter Menne
Der Aufenthaltsraum der Nazis im Haus Rheinische Straße 135 in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Gleich hinter der Eingangstür des Hauses Rheinische Straße 135 liegt der Aufenthaltsraum der Neo-Nazis.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Eindrücke von den Durchsuchungen: 91 Häuser wurden in Dortmund durchsucht, hier das Hauptquartier des Nationalen Widerstand Dortmund an der Rheinischen Straße 135.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Ab Punkt sechs Uhr durchsuchte und räumte die Polizei das Nazi-Haus an der Rheinischen Straße 135.© Foto: Dieter Menne
Polizisten durchsuchen das Hauptquartier des Nationalen Widerstand Dortmund an der Rheinischen Straße 135 in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Ab Punkt sechs Uhr durchsuchte und räumte die Polizei das Nazi-Haus an der Rheinischen Straße 135.© Foto: Dieter Menne
Polizisten durchsuchen das Hauptquartier des Nationalen Widerstand Dortmund an der Rheinischen Straße 135 in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Der Türspion am Eingang des Nazi-Hauses Rheinische Straße 135 in Dortmund ist zugepflastert. © Foto: Dieter Menne
Polizisten durchsuchen das Hauptquartier des Nationalen Widerstand Dortmund an der Rheinischen Straße 135 in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Polizisten durchsuchen das Hauptquartier des Nationalen Widerstand Dortmund an der Rheinischen Straße 135 in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Bei Nazi-Demos erbeutete Schutzschilder der Polizei klemmen hinter den durchgesessenen Sofas im Aufenthaltsraum an der Rheinischen Straße 135..© Foto: Dieter Menne
Unter anderem Lederhandschuhe, T-Shirts und CDs wurden im Haus Rheinische Straße 135 verkauft.© Foto: Dieter Menne
Blick über den Innenhof des Nazi-Hauses Rheinische Straße 135 in die Küche der Rechtsextremisten.© Foto: Dieter Menne
An der Theke zum Aufenthaltsraum des Nazi-Hauses an der Rheinischen Straße 135 konnten sich die Rechtsextremisten mit Sturmhauben eindecken.© Foto: Dieter Menne
Blick in die Küche des Nazi-Hauses. Die Polizei nahm alles auf und inventarisierte es, bevor der Umzugswagen alles abholte.© Foto: Dieter Menne
Unter dem Dach im Hinterhaus hingen Plakate an den Wänden und lagerte das Propaganda-Material, vor allem Wahlplakate für die Wiederholungswahl.© Foto: Dieter Menne
Überall im Haus an der Rheinischen Straße 235 hingen Verhaltensregeln und Hinweise auf Fotografierverbot.© Foto: Dieter Menne
An den Wänden im Haus Rheinische Straße 135 hingen Sporturkunden von Nazi-Turnieren© Foto: Dieter Menne
Überall im Haus Rheinische Straße 135 hingen Verhaltensregeln und Hinweise auf Fotografierverbot.© Foto: Dieter Menne
Unterm Dach im Hinterhaus an der Rheinischen Straße 135 lagerten Wahlplakate der NPD.© Foto: Dieter Menne
Unterm Dach wurden offensichtlich Reden geschwungen.© Foto: Dieter Menne
Auch bei den Nazis an der Rheinischen Straße 135 wurde draußen geraucht.© Foto: Dieter Menne
Hinter der Theke zum Aufenthaltsraum so genannte Laternenkleber am Kühlschrank und die Reichsflagge an der Wand.© Foto: Dieter Menne
Nazi-Propaganda an den Wänden.© Foto: Dieter Menne
Das Nazi-Symbol und Hauptquartier Haus Rheinische Straße 135 ist seit Donnerstag Vergangenheit. Die Polizei setzte die Rechtsextremisten vor die Tür.© Foto: Dieter Menne
Die Polizei inventarisierte T-Shirts, CDs, Handschuhe und andere Artikel, die die Nazis verkauften.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Eindrücke von den Durchsuchungen: 91 Häuser wurden in Dortmund durchsucht.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Eindrücke von den Durchsuchungen: 91 Häuser wurden in Dortmund durchsucht.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Eindrücke von den Durchsuchungen: 91 Häuser wurden in Dortmund durchsucht.© Foto: Dieter Menne
Großrazzia gegen die Neonazi-Szene in Dortmund. Eindrücke von den Durchsuchungen: 91 Häuser wurden in Dortmund durchsucht.© Foto: Dieter Menne

Anmelder ist ein führendes Mitglied des nun verbotenen Vereins „Nationaler Widerstand Dortmund“. Er hatte zum 1. September einen Aufmarsch mit bis zu 1000 Beteiligten zum sogenannten Antikriegstag angemeldet. Bei Aufmärschen und Gegendemonstrationen war es in Dortmund in der Vergangenheit wiederholt zu Gewalttätigkeiten von beiden Seiten gekommen.

Wie in der derzeit laufenden Pressekonferenz im Polizeipräsidium bekannt wurde, wurden in einer der durchsuchten Wohnungen von Mitgliedern des Nationalen Widerstand Dortmund ein scharfer Revolver und ein Gewehr einschließlich  Munition gefunden. 

Bei der Razzia in Dortmund hat die Polizei rund 1000 Plakate der rechtsextremen NPD gefunden. Das teilte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf mit. „Dies zeigt die enge Verflechtung dieser rechtsextremistischen Partei mit der gewaltbereiten Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen“, sagte der Minister. 

Im Haus Rheinische Straße hat die Polizei NPD-Plakate für die Wiederholungswahl am Sonntag gefunden. Möglicherweise ein wichtiger Fund für ein potenzielles Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme Partei; denn er ist ein Hinweis auf die offenbar systematische Zusammenarbeit mit aggressiven Organisationen der Neonazis.Nach der Razzia haben sich am Donnerstagmorgen am Wilhelmplatz in Dorstfeld 19 Neonazis versammelt. Sie protestierten gegen die Maßnahmen der Polizei. Anmelder der Spontan-Demo: Ein Mitglied der verbotenen Gruppe "Nationaler Widerstand". Deshalb hat die Polizei die Kundgebung um kurz nach 12 Uhr aufgelöst und Fahnen und Transparente beschlagnahmt.   

Böses Erwachen für die Neonazis in Dortmund: Es war Punkt sechs Uhr und gerade hell, als die Polizei  am Donnerstag mit rund 20 Beamten vor dem unbewohnten Nazi-Haus an der Rheinischen Straße 135 anrückte, um das Hauptquartier des „Nationalen Widerstands Dortmund“ leer zu räumen. Zeitgleich wurden 90 Wohnungen in Dortmund durchsucht, vornehmlich in Dorstfeld.

Bei dem mit 600 Beamten bisher größten Einsatz des Polizeipräsidiums Dortmund gegen Neonazis beschlagnahmte die Polizei Vermögen, zog Besitz ein und untersagte das Tragen von Vereinssymbolen. „Wir wollen denen die Logistik abschneiden“, erklärte Polizeisprecher Wolfgang Wieland. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte am Morgen mehrere rechtsextremistische Kameradschaften verboten. Der „Nationale Widerstand Dortmund“, Veranstalter der braunen Aufmärsche, zählte zu den aktivsten Neonazi-Gruppierungen in NRW.

Zu den ersten, die das Haus „R135“ betraten, gehörte Sprengstoffspürhund Buddy. Er fand nichts, bis auf ein paar leere Flaschen im Dachgeschoss des Hinterhauses, aus denen man auch Molotow-Cocktails hätte basteln können. Daneben stapeln sich Berge von Propaganda-Material. Im Aufenthaltsraum gleich hinter der Haustür ist „Antikriegstag 1. September“ blass schwarz auf die weiß getünchte Wand gepinselt – der Termin des nächsten Nazi-Aufmarsches. Hinter blauen, ausgesessenen Polstermöbeln auf weiß gefliestem Boden klemmen vier Polizeischutzschilde, Beute aus vergangenen Nazi-Demos.

Die Ausrüstung dafür gab’s unter anderem an einer schäbigen Theke: Sturmhauben in Schachteln neben Aufklebern und Süßigkeiten. Im Angebot auch Lederhandschuhe, Schlagstock und CDs mit dumpfer brauner Hass-Musik von Gruppen wie „Blutbanner“ und „White United Terror“.Wer selber singen will, für den liegt griffbereit das „Liederbuch“ auf dem Tisch, ein Plastikhefter mit Texten von „Die Wacht am Rhein“ und „Es dröhnt der Marsch der Kolonnen“. An der Wand: Zeitungsausschnitte und ein Blatt mit sieben Verhaltensregeln, darunter „das Fotografieren und Filmen (auch mit Handykameras ist nicht erlaubt).“ Beim braunen Treiben wollte man unter sich bleiben.

Die Beamten vom Staatsschutz katalogisieren alles, bevor der Umzugswagen kommt, das komplette Inventar abholt und zum Polizeipräsidium bringt. Auch wenn an der Wand ein Plakat hängt mit „R135 bleibt“ werden die Nazis buchstäblich rausgefegt, der Stadt das Haus besenrein übergeben. Sie ist Eigentümerin und will daraus ein Jugendzentrum machen. Ein paar Straßen weiter, wie etwa in der Thusneldastraße, schellen jeweils drei bis vier Kripo-Beamte an Wohnungstüren und drücken verschlafenen Rechtsextremisten die Verbotsverfügung in die Hand. Bei Durchsuchungen in Dorstfeld und Lütgendortmund halten sie Ausschau nach belastendem Material. Ein schlechter Tag für die Neonazis in Dortmund, ein guter für die Stadt.

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