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Zeugin sah Zschäpe vor Kubasik-Mord in Dortmund

NSU-Prozess

Im NSU-Prozess geht es seit Donnerstag erstmals um den Fall des 2006 ermordeten Mehmet Kubasik. Ein Antrag der Nebenklage sorgte für Aufsehen: Eine Zeugin will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe unmittelbar vor dem Mordanschlag in der Stadt gesehen haben. Die Dortmunderin soll nun vernommen werden.

DORTMUND/MÜNCHEN

von Von Tom Sundermann/dpa

, 19.09.2013
Zeugin sah Zschäpe vor Kubasik-Mord in Dortmund

Die Angeklagte Beate Zschäpe (Mitte) am Donnerstag zwischen ihren Anwälten Anja Sturm (l.) und Wolfgang Heer (r.) vor dem Oberlandesgericht München. Eine Zeugin will Zschäpe vor dem Mord an Mehmet Kubasik in Dortmund gesehen haben.

Die Nebenklageanwältin Doris Dierbach beantragte am Donnerstag, die Zeugin vor dem Münchner Oberlandesgericht zu vernehmen. Die Frau habe Zschäpe und ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zusammen mit einem „bulligen Skinhead“ eine Woche vor dem Mord an Kubasik auf einem Grundstück in Dortmund beobachtet. Der türkischstämmige Kioskbesitzer wurde am 4. April 2006 in der Nordstadt erschossen. Die Aussage der Nachbarin belege die persönliche Anwesenheit Zschäpes in der Nähe von Tatorten, aber auch Verbindungen zur örtlichen Neonazi-Szene, sagte Dierbach. Mehrere Nebenklagevertreter schlossen sich dem Beweisantrag an. 

Die ersten Aussagen kamen am Vormittag von zwei Polizisten, die als erste am Tatort waren. Kommissar Marco B. war einer der ersten, der das Mordopfer im Kiosk sah - zwei Kunden hatten ihn zur Mittagszeit gefunden und die Polizei gerufen. B. berichtete, wie er Kubasik in einer großen Blutlache liegend fand. Ihm sei aufgefallen, dass das Portemonnaie des Opfers und die Kasse im Kiosk unangetastet waren.

Im Anschluss sagte der Ermittler Ralf B. aus, der nach dem Mord mehrere Zeugen befragt hatte. Eine Frau hatte demnach gleich zweimal am Tag der Tat zwei Männer in der Nähe des Tatorts gesehen. Für Aufsehen sorgte ein Beweisantrag der Nebenklage-Anwältin Doris Dierbach, die die Hinterbliebenen des zwei Tage nach Kubasik in Kassel ermordeten Halit Yozgat vertritt. Sie forderte das Gericht auf, eine Zeugin zu laden, die das NSU-Trio in der ersten Aprilwoche 2006 in Dortmund gesehen haben will. Sie habe Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe auf einem Nachbargrundstück zusammen mit einem weiteren  Mann beobachtet.

Im Saal sitzen auch die Tochter des Ermordeten, Gamze Kubasik, und seine Witwe Elif. Sie hätten eigentlich bereits am Vortag aussagen sollen. Ihre Vernehmung wurde wegen eines Befangenheitsantrags der Zschäpe-Verteidiger gegen die Richter jedoch verschoben.

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