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Zschäpe in Dortmund? Belastungszeugin ist sich sicher

NSU-Prozess

War Beate Zschäpe unmittelbar vor dem Mord an Mehmet Kubasik 2006 in Dortmund? Ja, sagt eine Belastungszeugin im NSU-Prozess. Am Montag sagte die Ex-Dortmunderin erstmals vor Gericht aus. Sie will direkten Augenkontakt mit der Hauptangeklagten Zschäpe gehabt haben. Doch es gibt Zweifel an der Aussage.

DORTMUND/MÜNCHEN

von Von Tom Sundermann/dpa

, 30.09.2013

Eine Zeugin im NSU-Prozess will Beate Zschäpe mit ihren mutmaßlichen Komplizen kurz vor einem Mordanschlag in Dortmund gesehen haben. Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten zusammen mit einem Skinhead auf einem Nachbargrundstück gestanden, berichtete die Journalistin Veronika von A. am Montag vor dem Oberlandesgericht München. Sie habe die Gruppe von einem Dachfenster aus beobachtet. Es habe so ausgesehen, als habe der Skinhead den Dreien etwas auf dem Grundstück gezeigt. Die Ermittlungen lassen es allerdings möglich erscheinen, dass eine Verwechslung vorliegt.

Wie die Zeugin schilderte, öffnete sie das Fenster und hatte direkten Blickkontakt mit Zschäpe: „Sie hat nicht den Blick gesenkt, sondern etwas zur Seite gesagt.“ Daraufhin sei die Gruppe "in militärischer Ordnung" im Haus verschwunden. Wenn die Zeitangaben stimmen, war das wenige Tage, bevor am 4. April 2006 in Dortmund der Kioskbesitzer Mehmet Kubasik erschossen wurde.Inzwischen haben die Ermittler den früheren Nachbarn der Zeugin vernommen. Er sagte, seine Frau sehe Zschäpe ähnlich. Am Montag wurden den Prozessbeteiligten neue Akten ausgeteilt, darunter die Kopie eines Fotos der Nachbarsfrau. Die Kopie ist allerdings von ziemlich schlechter Qualität.

Die Zeugin erzählte auch, im Jahr zuvor hätten auf dem Grundstück „Grabungsarbeiten“ stattgefunden - teilweise bei Dunkelheit. Sie habe gedacht: „Wenn da gegraben wird und es sind keine Zeugen erwünscht, da werden möglicherweise belastende Dinge vergraben.“ Auch hierfür könnte es eine harmlose Erklärung geben: Der Nachbar erzählte den Beamten des Bundeskriminalamts, er habe einen Teich ausgehoben. Auch gebe es in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis Leute, auf die die Beschreibung von Böhnhardt und Mundlos passen könne. Mit der rechten Szene will er aber nichts zu tun haben. Der Nachbar und seine Frau sollen am 8. Oktober als Zeugen gehört werden.

Nachdem der „Nationalsozialistische Untergrund“ aufflog, habe sie auf Fotos Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt wiedererkannt, erzählte die Zeugin. Ob sie sich noch immer sicher sei, fragte der Vorsitzende Richter - jetzt, da sie Zschäpe im Gerichtssaal sehe. Die Frau wandte sich daraufhin direkt an die Hauptangeklagte: „Wenn sie nicht ein perfektes Double haben, Frau Zschäpe, dann glaube ich schon, dass ich das so wiederholen kann.“ Bei der Polizei hatte sich die Frau zunächst nicht gemeldet. „Ich war sicher, dass das Dortmunder Umfeld erkundet wird. Und dass das Ermittlungswissen größer ist als meines.“ Außerdem habe sie der Polizei misstraut, weil den Ermittlern in den Untersuchungssausschüssen so viele Fehler nachgewiesen worden seien. Erst als der Briefwechsel Zschäpes mit einem Dortmunder Neonazi bekanntwurde, habe sie sich entschlossen, ihre Beobachtungen mitzuteilen.

Schon die Ankündigung der Zeugin hatte für Aufsehen gesorgt - denn bislang gab es kaum Hinweise darauf, dass Zschäpe bei den Anschlägen des NSU selbst in der Nähe der Tatorte war. Sie ist vielmehr als Mittäterin angeklagt, weil sie für die legale Fassade des Trios gesorgt haben soll. Mundlos und Böhnhardt hatten sich am 4. November 2011 erschossen, um der Festnahme zu entgehen.

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