Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Zwischen Spätzle und Clayderman

05.11.2007

Hörde Was haben original schwäbische Spätzle und Richard Clayderman gemeinsam? Ihren größten Fan: Michael Krebs. Seine bedingungslose Begeisterung für beide hat der Kleinkünstler am Freitag mit einer Mischung aus Klavierkunst und Komik auf der Bühne des Cabaret Queue ausgelebt.

Dem Charme von Richard Claydermans "Ballade pour Adeline" war in den 80-er Jahren fast jede Frau erlegen. Grund genug für den heranwachsenden "kloinen Kräbs" aus dem schwäbischen Dorf Neu-Kupfer, ebenfalls das pianistische Handwerkszeug zu erlernen.

Dass er das Instrument mindestens ebenso beherrscht wie sein Idol, das er als Büste, auf Single und LP in seiner Aldi-Tüte bei sich trägt, macht der gebürtige Schwabe gleich mit dem ersten Blues deutlich, dessen Schlusspunkt er geübt mit der Zehenspitze setzt.

In gewagten Modulationen durch Klassiker der Musikgeschichte wie Sinatras "New York", Udo Jürgens' "Aber bitte mit Sahne" und den ACDC-Song "Highway to hell" macht er deutlich, dass ein bisschen "Ballade pour Adeline" in jedem Stück gleich welcher Musikrichtung Platz findet. Selbst im Hip-Hop findet Krebs die passende Form für seine heiß geliebte Ballade.

Kuschelige Schmuse-Romantik will dennoch nicht aufkommen, auch wenn er Imke aus dem Publikum direkt auf seinem mit Kunstfell bedeckten Klavier drapiert und ihr das Stück, das Richard Clayderman berühmt gemacht hat, inbrünstig entgegenschmachtet.

Zu vielfältig scheint sein Repertoire, zu markig die Sprüche, mit denen Michael Krebs zum nächsten Medley überleitet, als dass sich Schmuse-Kitsch breit machen könnte.

Indem er Hits selbstverliebter Schnulzensänger von Roy Black bis Xavier Naidoo bis zur Penetranz wiederholt und variiert, nimmt er eingängigen Schmachtfetzen ihren Zauber und stellt mit seinem Kazoo selbst ausgefeilte Saxofonsoli in den Schatten. Heike Thelen

Lesen Sie jetzt