Dortmunder an Schwerter Schulen - die Standpunkte

Überblick

Die Diskussion über die Zulassung von Dortmunder Schülern an Schwerter Gymnasien geht weiter. Es gibt zwar die Aussicht auf eine Teil-Lösung für angemeldete Geschwisterkinder. Gelöst ist die Frage nach der zukünftigen Handhabung dieses Themas damit aber nicht. Wir geben einen Überblick über die unterschiedlichen Standpunkte.

HOLZEN/HÖRDE

, 02.03.2017 / Lesedauer: 4 min
Dortmunder an Schwerter Schulen - die Standpunkte

Ihren „Herzenswunsch“, mit ihren Freunden an einem Schwerter Gymnasium unterrichtet zu werden, hatten Holzener Kinder in dieser Woche noch einmal deutlich formuliert.

Die Teil-Lösung sieht so aus: Die Stadt geht davon aus, dass zumindest Geschwisterkinder aus Dortmund in Schwerter Schulen aufgenommen werden. Das teilte Schuldezernentin Daniela Schneckenburger (Grüne) mit. Dies betreffe derzeit 17 der 33 Kinder, die ihre Anmeldung an einem Schwerter Gymnasium abgegeben haben. „Wir wollen nicht, dass Familien auseinandergerissen werden“, sagte die Dortmunder Schuldezernentin nach Gesprächen mit der Schulverwaltung in Schwerte.

Dortmund würde sich aber auch über ein Signal freuen, so Schneckenburger, dass alle 33 Kinder in Schwerte zur Schule gehen können. Das hänge aber letztlich von der Entscheidung der Schulleitung in Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg ab, die das notwendige Personal bereitstellen müsse.

Aus verschiedenen Richtungen kommen derzeit Einschätzungen zum Thema. Das sind die aktuellen Entwicklungen.

Das sagen die Eltern:

Nicole Feist, in den vergangenen Tagen zu einer Art Sprecherin für viele Eltern geworden, berichtet weiter von einer gedrückten Stimmung unter vielen Holzenern.  „Selbst einige angemeldete Geschwisterkinder sagen: ,Freuen kann ich mich erst, wenn ein Brief mit der Aufnahme kommt. Ich möchte nicht noch mal enttäuscht werden.‘ Auch für die Eltern ist die weitere Wartezeit bis Mitte März schwer zu ertragen“, sagt sie. Es gehe darum, eine dauerhafte und tragfähige Lösung für Dortmunder Schüler an den Schwerter Gymnasien zu finden.

Deshalb begrüßen die Eltern eine Initiative der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Hörde. Diese bringt einen Antrag in die nächste Sitzung am 14. März (Dienstag) ein, in dem sie die Schulverwaltung der Stadt Dortmund auffordert, „mit den zuständigen Stellen der Stadt Schwerte sowie der Bezirksregierung in Arnsberg umgehend eine Vereinbarung zu treffen, um Kindern insbesondere aus dem Holzener Einzugsbereich einen Schulbesuch in einer der Schwerter Schulen zu ermöglichen“.

Das sagt die Politik:

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Sauerländer verweist auf die „seit Jahrzehnten geübte Praxis“, dass Eltern aus dem Dortmunder Teil von Holzen ihre Kinder in Schwerte anmelden. „Ein Schulbesuch in Schwerte ist häufig wegen kürzerer Wege und einer wesentlich besseren ÖPNV-Anbindung für die Eltern einfacher zu organisieren, als der Besuch einer vergleichbaren Schulform in Hörde oder im Dortmunder Zentrum.“

Die Zweiteilung von Holzen beruht auf einer Gebietsreform von 1975. „Diese hat selbstverständlich nicht zu einer scharfen Trennung von vielfältigen Austauschen zwischen den ehemals zusammengehörenden Ortsteilen von Holzen geführt“, so Werner Sauerländer. 

Die Dortmunder CDU hatte sich am Dienstag zum Thema geäußert. Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, Dr. Eva-Maria Goll, wirft der SPD vor, auf gesamtstädtischer Ebene nicht ehrlich zu agieren. Der Vorwurf: In der letzten Sitzung des Schulausschusses hätten die Ratsvertreter der SPD einen CDU-Antrag, weitere Verhandlungen mit der Stadt Schwerte aufzunehmen, dezidiert abgelehnt.

Goll wirft die Frage auf: „Wofür steht die SPD tatsächlich: für eine Verständigung mit Schwerte zum Wohle der Dortmunder Schüler oder für die Haltung, die Schulstruktur- und Grundsatzfragen höher zu bewerten als konkrete Problemlösungen?“

 

Folgen hat die Diskussion derweil auch für andere Dortmunder Schulen. Denn die „ausreichende Zahl an Schulplätzen in Dortmund“, von der die Schulverwaltung spricht, reduziert sich bei genauerem Hinsehen schnell auf das Goethe-Gymnasium in Hörde. Schulen in der Innenstadt oder im Stadtbezirk Aplerbeck kommen wegen der schlechten Erreichbarkeit nur für wenige in Frage. Am Hörder Phoenix-Gymnasium sind bereits alle Plätze belegt.

Das sagen die Schulen:

Allein in den vergangenen Tagen hat Goethe-Schulleiter Christof Nattkemper nach eigene Angaben zwölf Aufnahmegespräche geführt, außerdem Probeunterricht für kurzfristige Interessenten organisiert. Allerdings in dem Wissen, „dass diese Zahl wieder bröckelt, wenn sich eine Lösung für alle Kinder in Schwerte andeutet“. Aus Nattkempers Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass die Städte von den Anmeldezahlen so überrascht worden sind. „Man hätte das errechnen können“, sagt er.

Das sagen die Schwerter:

Markus Steube, Dortmunder und Schulpflegschaftsvorsitzender am Schwerter Ruhrtal-Gymnasium, äußert sich im Namen der „Aktionsgruppe Schwerter Gymnasien“ ebenfalls zum Thema. Er schreibt: „Die Lösung ist die Einrichtung einer oder zweier weiterer Klassen an den Schwerter Gymnasien, rechtlich abgesichert durch eine Beschulungsvereinbarung zwischen Dortmund und Schwerte.“ Den Eltern sei klar, dass sich daraus kein Rechtsanspruch ableite.

Steube betont: „Übrigens müssen keine zusätzlichen Kapazitäten in Schwerte mit Dortmunder Geld geschaffen werden, wie dies vom Dortmunder Oberbürgermeister behauptet wird. Die beiden Gymnasien waren bis zum letzten Schuljahr auf jeweils vier Züge ausgerichtet.“