Dortmunder Bier-Laien brauen eigenes Flaschenbier

"Unser voller Ernst"

Dortmund hat eine stolze Geschichte als einstige Bierhauptstadt Europas. Doch von dem einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig, finden Jens Neubert, Christian Schnitt und Marcus Koch. Die drei Dortmunder langweilte das Bier ihrer Heimatstadt - also brauten sie kurzerhand ein eigenes Bier. Es heißt - kein Scherz - "Unser voller Ernst".

DORTMUND

, 18.06.2017 / Lesedauer: 3 min
Dortmunder Bier-Laien brauen eigenes Flaschenbier

Die drei Flaschenbierfreunde und Ernst (v.l.): Marcus Koch, Christian Schritt und Jens Neubert haben das Pils „Unser voller Ernst“ auf den Dortmunder Biermarkt gebracht.

Die Sache mit dem Pils und den drei Freunden aus Dortmund ist eine ernste. Sie lieben das Bier. Und sie lieben es an lauen Sommerabenden – oder auch nicht so lauen Abenden – in gemütlicher Runde zusammenzusitzen und Bier zu trinken. Aber, und hier wird’s ernst, sie sind gelangweilt vom Bier, das diese Stadt, die sich einst Bierstadt nannte, bietet. Deshalb haben sie nun ein eigenes Bier auf den Markt gebracht: „Unser voller Ernst“.

Jens Neubert (44) ist selbstständiger Grafik-Designer. Christian Schritt (42) arbeitet als Sonderpädagoge. Marcus Koch (44) hat einen eigenen Weinladen im Kaiserstraßenviertel, den Kleinen Weinkoch. Mit Bier hatten die drei bislang wenig zu tun, beruflich zumindest.

Aus Wein wurde Bier

Aber irgendwie war diese Idee, etwas selbst zu machen, immer da. Jens Neubert und Christian Schritt hatten schon mal darüber nachgedacht, einen eigenen Wein zu machen. Marcus Koch und Christian Schritt wiederum haben immer mal wieder gesponnen, wie denn das eigene Bier so schmecken könnte.

Irgendwann, es war letztes Jahr im Sommer, saßen die drei Freunde in geselliger Runde zusammen. Es ging ums Bier. Und dann machten sie ernst. „Was“, sagt Jens Neubert, „liegt denn näher, als in Dortmund Bier zu machen?“ Der Biermarkt dieser Stadt habe jedenfalls ein bisschen Frische nötig, finden die drei Freunde.

Ein völlig normales Pils

Allein die Vorstellung ein Bier zu brauen, das genauso schmeckt, wie sie es sich vorstellen, habe ihnen schon ziemlich viel Spaß gemacht. Die Drei wollten ein Bier kreieren, das man genießen möchte. Nicht saufen. Solche sind sie nicht. „Ein Bier“, sagt Christian Schritt, „das sich auf das Wesentliche konzentriert.“ Eines, das man einen ganzen Abend lang trinken mag. Ein völlig normales, gutes Pils.

Weil Selbstbrauen zu kompliziert gewesen wäre, haben sich die Drei einen Brauer in der Nähe gesucht und sind auf die Privatbrauerei Vormann in Hagen gestoßen. In Dortmund habe es niemanden gegeben, deswegen sind sie in die Nachbarstadt ausgewichen. Aber der „Ernst“ sei trotzdem ein Dortmunder Bier, ein heimatverbundenes und handgemachtes, wie es das früher oft gegeben habe.

Seit Mitte auf dem Markt

3000 Flaschen haben die Flaschenbierfreunde, so nennen sie ihr Label, von ihrem Ersparten zunächst produzieren lassen. Seit Mitte Mai ist ihr Pils auf dem Markt.

Bei „Unser voller Ernst“ dominiert der Hopfen. Das liege unter anderem am sogenannten Hopfenstopfen. Dem fertigen Pils sind bei der Lagerung noch zwei Aromahopfensorten, Simcoe und Citra, hinzugefügt worden, erklärt Marcus Koch. Das gebe dem Bier eine gewisse Fruchtigkeit.

Etwas weniger Kohlensäure als andere Biere

Bei der Produktion hätten sie meistens das Bauchgefühl entschieden lassen, sagt Jens Neubert. „Wir hatten dieses Lebensgefühl im Kopf, das mit Bier verbunden ist. Das haben wir versucht umzusetzen.“ Dazu, sagt er, gehöre auch „eine stinknormale Pulle“. Aus der sollte man den „Ernst“ auch am besten trinken, rät Marcus Koch. „Das Bier hat etwas weniger Kohlensäure als andere Biere. Deshalb schmeckt es am besten aus der Flasche.“

„Ernst“ ist, wenn es nach den drei Freunden, erst der Anfang. Weitere Biere könnten folgen. „Wir haben viele Ideen“, sagt Christian Schritt. Zunächst aber müsse das neue Dortmunder Bier die Dortmunder ernsthaft überzeugen.

„Unser voller Ernst“ kostet 2 Euro, im Sixpack 12 Euro. Erhältlich ist es beim Kleinen Weinkoch, Davidis-straße 39, und außerdem auch in einigen Supermärkten und Läden. Weitere Infos unter 

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