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Dortmunder Traviata ist musikalisch sensationell

Oper Dortmund

Für sein hervorragendes Sängerensemble ist die Dortmunder Oper bekannt, seit Jens-Daniel Herzog Intendant ist. Aber was Eleonore Marguerre am Samstag dort für eine "Traviata" von Verdi sang und spielte, stellte alles bislang Gehörte in den Schatten. Das war Weltklasse, wie man es sonst nur an allerersten Häusern hört.

DORTMUND

, 29.11.2015 / Lesedauer: 3 min
Dortmunder Traviata ist musikalisch sensationell

Balanciert als einsame Frau am Abgrund: Eleonore Marguerre ist eine überragende Traviata in Dortmund.

Marguerre füllt die bis zur Erschöpfung feiernde, liebende, leidende und schließlich sterbende Violetta mit einer Intensität und Bühnenpräsenz, die zu Tränen rührt. Mit einem beweglichen Spinto-Sopran singt Marguerre die Partie der vom Weg abgekommenen Kurtisane.

Sicher in den Koloraturen

Farbig ist diese Stimme, mühelos sicher in den Koloraturen, anrührend zart in den Spitzentönen im Piano und am Schluss noch aschfahler als die Gesichtsfarbe der zum Gespenst geschminkten Sterbenden.

Als Mozart-Sängerin hat Eleonore Marguerre Karriere gemacht. Im französischen und italienischen Fach blüht ihr Sopran noch mehr auf. Allein wegen dieser Sängerin, die alle Vorstellungen singt, sollte man sich diese "Traviata" nicht entgehen lassen.

Einsame Kurtisane

Regisseurin Tina Lanik gibt der Kameliendame im Opernhaus Dortmund Raum, die Entwicklung von der Lebedame über die liebende Ehefrau zum Opfer zu zeigen. Und sie gibt den drei Hauptdarstellern - mehr als dem Opernchor - viel Raum für das Spiel, das schon vor der Ouvertüre mit einem nackten Mann auf Violettas Coach beginnt.

In einem großen Saal (Bühne und Kostüme: Stefan Hagemeier) ist Violetta immer eine Einsame; sterben darf sie allerdings zu Füßen ihres Alfredo. In ein It-Girl, das Popikone Madonna ähnelt, verliebt sich der Sohn aus gutem Hause.Im zweiten Akt ist Violetta die elegante Ehefrau im Landhaus und am Schluss eine ausgemergelte Hure.

Für den erkrankten Lucian Krasznec war Ovidiu Purcel als Alfredo eingesprungen - ein dunkel gefärbter, sicherer Verdi-Tenor. Tina Lanic zeigt ihn als großen Jungen (mit Fußball), der sich vom Vater nie richtig emanzipiert hat. Diesen Vater Germont singt Sangmin Lee, ein weiterer Glücksfall, mit einem Verdi-Bariton, der Kraft und Schmelz hat.

Der Tod tanzt mit in Tina Laniks Inszenierung. In schwarzer Halbwelt-Kluft stecken Opernchor und Statisterie; die Königin dieser Pariser Szene ist Violetta im goldenen Cinderella-Kleid.

Drama im Graben

Kapellmeister Motonori Kobayashi heizt das Feuer des Dramas an, lässt die Dortmunder Philharmoniker kraftvoll, aber auch sehr elegant spielen. Da rauschen die Ohrwürmer aus dem Graben, und nicht nur im berühmten "Brindisi" ist das Orchester in Hochform. Musikalisch ist dies in jeder Hinsicht ein sensationeller Abend.

 

Termine: 6./11./ 16. 12., 2./15./22./31. 1., 5./20./ 26.2.,6./31. 3.; Karten: Tel. (0231) 5027222.