Dortmunderin gewinnt NRW-Preis – und überschreitet weiter Grenzen

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Die Dortmunder Künstlerin Silvia Liebig hat den neuen NRW-Preis „City Artist“ gewonnen. Die 54-Jährige sucht noch immer die großen Herausforderungen. Grenzen interessieren sie kaum.

Dortmund

, 16.10.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre, säße Silvia Liebig heute vermutlich hinter einem Schalter einer Bank. Stattdessen arbeitet die Dortmunderin in ihrem Atelier in der Innenstadt.

Keine Grenzen hingenommen

Die zwei Räume bieten genug Platz für Farben und allerlei Materialien, die in zahlreichen Regalfächern einsortiert sind. Der Dortmunderin war bereits früh klar, dass sie einen anderen Weg einschlagen wird, als von ihren Eltern gewünscht.

Bereits als Kind wollte die 54-Jährige Grenzen nicht einfach hinnehmen: „Ich habe mich immer gefragt: Was ist dahinter?“ Der Wunsch, das herauszufinden, ohne dafür „auf die Finger“ zu bekommen, habe zu vielen kreativen Strategien geführt, von denen sie noch heute profitiert.

In der Arbeit „Der Automat“ stand ein überdimensionierter Warenautomat als Symbol für die Inhumanität des Kaufens.

In der Arbeit „Der Automat“ stand ein überdimensionierter Warenautomat als Symbol für die Inhumanität des Kaufens. © Odenwaeller

Das erste, an das sie sich in ihrer Kindheit erinnert: „Ich krieche über den Boden, schaue hinten durch meine Beine und habe das Gefühl, ich bin eine Fliege unter der Decke.“ Mit diesem Perspektivwechsel habe alles angefangen.

Liebig entschied sich für ein Studium des Kommunikationsdesigns an der Fachhochschule Dortmund. Dort wurden ihr allerdings wieder Grenzen gesetzt.

Mit Abschluss des Studiums entschied sich Liebig für eine Pause von der Kunst. „Ich war so satt vom eingeschränkten Denken durch das Studium, dass ich erstmal keine Lust mehr hatte, Kunst zu machen“, erinnert sich Liebig.

Erst spät Heimweh bekommen

Kurze Zeit später konnte sie bereits wieder auf Ausstellungen im In- und Ausland zurückblicken. Auch in den Folgejahren kam sie viel herum, hatte im Jahr 2011 bei einem Aufenthalt in der Schweiz dann ein seltsames Gefühl: „Ich hatte das erste Mal in meinem Leben Heimweh.“

Liebig fing an, sich im Projekt „Soundpatrouille“ mit dem Begriff Heimat auseinanderzusetzen. Das Ergebnis wurde beim Leipziger Hörspielsommer 2018 als „Bestes dokumentarisches Hörstück“ ausgezeichnet.

Welchen Ort Silvia Liebig als Heimat definiert, scheint klar. Die Dortmunderin gerät schnell ins Schwärmen, wenn sie über ihre Stadt spricht.

Sie sei am besten, wenn sie aussehe, als würde sie gar nichts tun. „Denn dann macht mein Kopf total viel Pingpong“ – ihre Definition für kreative Prozesse.

Nicht auf eine Sache festlegen

Einer Kategorisierung ihrer Arbeit entzieht sich Liebig. „Mir wäre es viel zu langweilig, mich auf eine Sache festlegen zu müssen“, so die Künstlerin. Diese Einstellung und ihre vielfältige Mediennutzung in ihren Arbeiten sorgt dafür, dass sich Liebig nun „City Artist“ nennen darf.

Silvia Liebig hat die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung „City Artist“ des NRW-Kultursekretariats als eine von zehn Kulturschaffenden erhalten. Jede der 21 Mitgliedsstädte des Kultursekretariats nominierte einen lokalen Künstler für den Preis. Liebig setzte sich in Dortmund gegen 16 Mitbewerber durch. Das Kultursekretariat wählte aus den 21 Nominierten zehn Gewinner aus.

Die Auszeichnung erhielt die 54-Jährige wegen ihrer „unverwechselbaren Bildsprache“, teilt die Jury in ihrer Begründung mit. Die Künstlerin beschreibt es anders: „Ich mache immer das, was die größte Herausforderung bietet.“

Die sah sie 2014 in der Arbeit „Der Automat“, in der ein überdimensionierter Warenautomat als Symbol für die Inhumanität des Kaufens stand. In diesem Jahr beschäftigt sich Liebig in „Meine Welt auf Corona“ in Ausstellungen und Aktionen mit der weltweiten Pandemie.

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Inspiration zu Fuß

Um sich inspirieren zu lassen, geht Liebig gerne spazieren. Dazu gehören auch die zwei Kilometer zwischen Wohnung und Atelier. Die differenzierte Wahrnehmung der Umgebung inspiriert sie zu neuen Ideen, wie sie sagt. „Fluch und Segen im Job sind, dass ich deshalb nie wirklich zur Ruhe komme.“ Aber sie macht das, was sie liebt – im Atelier statt in der Bank.

Aktuelle Projekte und Ausstellungen der Künstlerin Silvia Liebig sind im Internet zu finden unter: www.kalikiri.de
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