Dozent bezieht Stellung zum Video der Eskalation im Hörsaal

Tumulte gefilmt

Der Tumult geht weiter: Am Montag (2.) kam es in einem Ruhr-Uni-Hörsaal zu einer Auseinandersetzung zwischen Antifaschisten, Jura-Studenten und dem Dozenten. Nun ist im Internet ein Video aufgetaucht. Mehrere Facebook-Nutzer erklärten daraufhin, dass die Aggression vom Dozenten ausgegangen sei.

BOCHUM

von Von Sebastian Ritscher

, 04.12.2013, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Bochumer Fenster befindet sich der RUB-Hörsaal, in den die Antifaschisten eingedrungen sind.

Im Bochumer Fenster befindet sich der RUB-Hörsaal, in den die Antifaschisten eingedrungen sind.

Die Kommentare im sozialen Netzwerk scheinen Borges nicht weiter zu sorgen. „Bei Facebook-Kommentaren muss man berücksichtigen, dass es sich um einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft handelt, der sich überproportional verbreitet.“ Bei dem Tumult im Hörsaal im Bochumer Fenster ging es um Michael B. Der 23-jährige Dortmunder studiert im ersten Semester Jura. Das Mitglied des Dortmunder Kreisverbandes „Die Rechte“ kandidiert laut eigener Aussage auf seiner Facebook-Seite bei der Kommunalwahl 2014 für den Dortmunder Stadtrat. Zudem betreibt der bekennende Neonazi im Internet den einschlägigen Versandhandel „antisem.it“.

Die Antifaschisten wollten mit ihrer Aktion auf den politischen Hintergrund des Dortmunders aufmerksam machen. Sie stürmten vermummt den Hörsaal, zeigten auf den Neonazi und verteilten Flyer. Dazu hingen sie Plakate auf dem Campus auf und verteilten Flugblätter. Die hat die RUB entfernen lassen. „Auf denen stand der direkte Aufruf ,Zeigt Michael B., dass er an der Uni nicht willkommen ist‘“, erklärt Barbara Kruse aus dem Dezernat für Hochschulkommunikation auf Anfrage unserer Redaktion.  

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. Beim Abhängen der Plakate bleibt es aber vorerst: „Der Vorfall ist gerade mal zwei Tage her und daraufhin haben wir noch nichts initiiert. Das ist noch zu früh“, sagt Kruse. Wie die Universität mit Michael B. umgeht, ist unklar. Fest steht allerdings, dass der Neonazi an der Uni bleiben kann. Kruse: „Ihn auszuschließen, geht nicht. Er darf hier studieren.“ Ein Jurist habe das bereits geprüft.

Laut Kruse nimmt die Ruhr-Universität den Vorfall ernst, erklärt aber gleichwohl, dass die Sicherheitsvorkehrungen vorerst nicht überarbeitet werden – schließlich sei es das erste Mal, dass es zu so einem Vorfall gekommen ist. Die Uni überlegt noch, die Linken Aktivisten fühlen sich derweil missverstanden. Das erklären sie in einer Pressemitteilung: „So wurde unter anderem das Outing als geplanter Gewaltakt gegen eine Einzelperson dargestellt. Die Grundintention der Aktion hingegen war ein kreativer und friedlicher Protest, der die Studierenden auf die Präsenz eines bekannten Neonazis unter ihren Kommiliton_innen hinweisen sollte.“ Gewalt war vielleicht nicht geplant, aber vermutlich auch nicht ausgeschlossen. Die Pressestelle der Polizei bestätigte gestern, dass einige der Aktivisten Teleskopschlagstöcke bei sich trugen.

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