Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Drei Stücke zur Angst - humoresk bis verstörend

Schauspiel Dortmund

Die Angst geht um im Schauspiel Dortmund: Mit gleich drei Premieren am Samstag beschäftigt sich das Theater unter dem Titel "Stadt der Angst" mit der Überforderung des Einzelnen in der Leistungsgesellschaft. Dabei reicht die Spannbreite der recht unterschiedlichen Stücke von humorvoll bis düster-verstörend.

DORTMUND

von Von Britta Helmbold

, 04.05.2014 / Lesedauer: 3 min

Den Auftakt bildet auf der großen Bühne Marcus Lobbes Inszenierung von der Uraufführung "Autschland d´Amour (besser scheitern)" von Fred Hundt (Pseudonym des Regisseurs) und Nicolai Gogols Komödie "Der Revisor". Anschließend geht´s im Studio mit Sarah Kanes letztem Stück "4.48 Psychose" weiter - von Kay Voges effektvoll in Szene gesetzt.

Überfordert war der Mensch zu allen Zeiten - das legt zumindest Hundts Stück nahe: Im Bühnennebel wandeln Julia Schubert und Carlos Lobo im Steinzeitmenschen-Outfit über die Bühne, Wörter und Halbsätze stammelnd, die vom Stress und der Angst, es nicht zu schaffen, erzählen.

Doch der Hauptteil des Stückes ist ein endloser Fragekatalog, der sich mit den Ängsten der Wohlstandsgesellschaft beschäftigt, - inszeniert als Parodie auf eine Oscar-Verleihung. Nur hier wird der "Autsch 2014" an Deutschland verliehen.

Zunächst als Fragen formuliert lassen die aufgesetzt gute Laune ausstrahlenden Moderatoren von Schubert und Lobo dieselben Inhalte noch mal als Aussagesätze aufs Publikum niederprasseln, während Werbespots mit sarkastischen Sprüchen über die Leinwand flimmern. Am Schluss stecken die beiden Darsteller in niedlichen Zwergkostümen in dieser "Dramödie in 3 Gesängen" (Untertitel) und nuscheln sich was von Überforderung und Angst in ihren Bart - vor projizierten Deutschland-Bildern.

"Der Revisor" als chorische Aufführung Recht aufwendig hat Lobbes dieses ziemlich redundante Stück auf die Bühne gebracht, bei Gogols Lustspiel ist es umgekehrt. Als chorische Aufführung hat der Regisseur "Der Revisor" angelegt - eine hübsche Idee, die auch wunderbar funktioniert. Mit stark verdichtetem Text und in drastischer Sprache wird die Geschichte von einer Stadt, die auf einen Hochstapler hereinfällt, erzählt. Doch knapp 90 Minuten Chorsprech, wenn auch wunderbar von den sechs Schauspielern gemeistert, sind ziemlich ermüdend, zumal das Konzept schnell deutlich wird.

Auf der Bühne sitzen die Darsteller wie in einer Talkshow, übernehmen alle Rollen dieser Kleinstadt-Elite als Sprechchor, mal mit hochgeschraubten Stimmen, wenn die Bürgermeisterin zu Wort kommt, mal tiefer gelegt für die Herren der Runde. Im Wechsel verkörpern sie den vermeintlichen Revisor. Und vom Balkon mischt sich ab und an der Dortmunder Sprechchor ein.

Nach dieser munter-humorvollen Auseinandersetzung mit dem Thema Angst, endet der Premieren-Marathon mit einem Verzweiflungsschrei im Studio: Kay Voges´ technik-affine Performance von Sarah Kanes Stück "4.48 Psychose", das sich als Tagebuch eines angekündigten Selbstmords lesen lässt. Den Text teilen sich drei Schauspieler in einem mit Gaze bespannten Kubus, über den Daten, Animationen und die Gesichter der Darsteller flimmern. Angstzustände werden nachfühlbar, ein intensiver Abschluss. 

Termine: "Autschland d´Amour" / "Der Revisor" - 7./30./31.5.; "4.48 Psychose" - 22./29.5.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22.