Dreister Betrug mit der Liebe: Seniorin um Geld gebracht

Romance-Scamming-Masche

Die Polizei warnt bereits vor Jahren vor sogenannten „Scrammern“. Diese täuschen die große Liebe vor, wollen eigentlich aber nur an Erspartes kommen. Im Kreis häufen sich die Fälle.

Kreis Borken

von Theo Theissen

, 13.11.2020, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Betrüger bauen über Dating-Plattformen eine emotionale Beziehung zu den Opfern auf. Sobald sie das Vertrauen gewonnen haben, fordern sie die zumeist ältere Damen auf, ihnen hohe Geldsummen zu überweisen.

Die Betrüger bauen über Dating-Plattformen eine emotionale Beziehung zu den Opfern auf. Sobald sie das Vertrauen gewonnen haben, fordern sie die zumeist ältere Damen auf, ihnen hohe Geldsummen zu überweisen. © Colourbox

Schon im November 2018 hatte eine 65-jährige Frau eine vierstellige Summe an einen sogenannten Scammer, der ihr seine Liebe vortäuschte, auf ein Konto in der Türkei überwiesen. Im Februar dieses Jahres fiel eine 36-jährige Frau aus Gronau auf den „Liebes-Betrug“ eines angeblichen Schiffsarztes herein und schickte dem Mann gleich zwei Mal Geld. Erst vor wenigen Wochen betrog ein Scammer im Kreis Coesfeld eine Frau und brachte sie um 100.000 Euro. Der Täter konnte jedoch von der Polizei festgenommen werden. Im Januar verlor ein 54-jähriger Mann Geld an eine Russin.

Online mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen, ist heutzutage keine große Sache mehr. Auf Dating-Plattformen und in den sozialen Netzwerken geht dies sehr schnell. Doch auch hier gilt wie im echten Leben ein gewisses Maß an Misstrauen – besonders, wenn es um Geld geht.

„Nicht jeder meint es ehrlich“

„Nicht jeder, dem man vertraut, meint es ehrlich – auch nicht im Internet“, sagt Frank Rentmeister, Sprecher der Polizei des Kreises Borken. „Das Romance-Scamming ist unter allen Betrugsmaschen zwar nicht die häufigste, mit der wir es im Kreis zu tun haben. Sie richtet bei den Opfern aber großen Schaden an. Es ist eine sehr aufwändige und zeitintensive Masche, da der Täter erst einmal das Vertrauen seines Opfers gewinnen muss“, sagt Rentmeister

Bei ihrer Masche spielen die Betrüger mit den Gefühlen der Menschen. Wenn sie im Internet Kontakt zu ihren Opfern aufgenommen haben, überhäufen sie diese mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit – einzig mit dem Ziel, ihnen bei passender Gelegenheit das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die virtuellen Partner geben zum Beispiel vor, Geld für eine wichtige Operation ihres Kindes zu benötigen oder beispielsweise während einer Geschäftsreise nach Afrika in Geldnot geraten zu sein.

Nicht selten werden auch Geschichten von gestohlenen Koffern und Pässen, unbezahltem Lohn oder einer nicht bezahlten Hotelrechnung dazu benutzt, das ahnungslose wie gutmütige Opfer dazu zu bringen, Geld zu überweisen. Oft klappt dieser Betrug, da manche Opfer bereits emotional von ihrem Internet-Partner abhängig sind.

Keine Pakete aufbewahren

Die Polizei rät, nicht auf Forderungen des Scammers einzugehen und auf keinen Fall Geld zu überweisen. Zudem sollten für den Internet-Partner auch keine Briefe, Päckchen oder Pakete weitergeleitet oder aufbewahrt werden. Alle Mails und Chat-Texte sollten als Beweis gespeichert werden – zum Beispiel auf einem USB-Stick, einer externen Festplatte oder einer CD-ROM. Überweisungsbelege sollten unbedingt aufgehoben werden. Wer sich unsicher fühlt, sollte sich an seine nächstgelegene Polizeidienststelle wenden.

Die Polizei rät außerdem dazu, Anzeige zu erstatten. Die Strafverfolgung solcher Täter sei zwar schwierig, weil sie vorwiegend aus dem Ausland agieren, aber nicht aussichtslos, meinen die Fachleute. Eine Strafanzeige zu stellen sei auch wichtig, wenn zum Beispiel Banken strafrechtliche Schritte gegen Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben.

Zu einem Scammer sollte schon beim geringsten Verdacht jeglicher Kontakt abgebrochen werden, rät die Polizei. Seine Mails oder Anrufe sollten unbeantwortet bleiben.

Die Betrüger sind mit ihrer Masche fantasievoll. Sie nehmen eine falsche Identität an, um das Opfer in einer angeblichen Notlage um Geld zu bitten. Sie verschicken auch E-Mails und Briefe, die dem Empfänger viel Geld aus einer Erbschaft oder einem Familienschatz versprechen. Um aber an dieses Geld zu gelangen, werden zunächst viele Tausend Euro für Gebühren, Notarkosten oder Steuern fällig. Wenn das Opfer zahlt, brechen die Betrüger den Kontakt ab – und das gezahlte Geld ist verloren.

Man sollte solchen Versprechungen gegenüber äußerst misstrauisch bleiben und nicht zögern, die Polizei zu informieren, meint Rentmeister.

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