Duisburger erwürgt Ehefrau und vergräbt sie: „Ich habe sie geliebt“

rnGerichtsprozess

Ein Mann meldet seine Frau als vermisst und sucht Trost bei ihrer Familie. Dabei hatte er zuvor sie selbst erwürgt. Jetzt steht der 29-jährige Duisburger vor Gericht.

Duisburg

, 01.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Monate hat es gedauert, bis Mine O. gefunden wurde. Die Leiche der jungen Mutter war in einem Duisburger Waldstück verscharrt. Jetzt steht ihr Ehemann vor Gericht – und gibt zu, sie Anfang September 2019 erwürgt zu haben.

Reden will der 29-Jährige allerdings nicht. Das überlässt er Verteidigerin Simone Dahlmann-Ludwig. Sie hat eine Erklärung vorbereitet, die sie zum Prozessauftakt vor dem Duisburger Schwurgericht verliest. „Wir haben uns angeschrien“, heißt es darin. „Irgendwann habe ich ihren Hals mit beiden Händen gefasst.“

„Ich war enttäuscht, traurig wütend“

Es hatte Streit gegeben. Wieder einmal. Mine O. war angeblich nur kurz nach Hause gekommen, wollte schnell wieder weg. Sie sei eine schlechte Mutter, will der Angeklagte ihr vorgeworfen haben. Und dass sie immer nur „feiern“ gehe und nicht an den gemeinsamen, damals fünfjährigen Sohn denke. „Ich war enttäuscht, traurig und wütend zugleich. Ich habe sie geliebt, aber ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte.“

Er habe schließlich so lange zugedrückt, bis seine Frau zu Boden gesackt sei. Der 29-Jährige will zunächst gedacht haben, dass sie nur bewusstlos sei. Er will ihr sogar noch kaltes Wasser ins Gesicht geschüttet haben. „Aber da war mir schon klar, dass sie nicht mehr gelebt hat.“

Bei ihrer Familie Trost gesucht

Er holte einen großen Koffer aus dem Keller, mietete eine Garage an, in der er ihn abstellte. So lange, bis es zu „Geruchsentwicklungen“ kam. „Da habe ich mich entschieden, sie zu vergraben.

Gleichzeitig meldete er Mine O. als vermisst, suchte Trost bei ihren Eltern, spielte den verlassenen Ehemann. „Das ist für die Familie kaum fassbar“, so Anwältin Marie Lingnau, die vor Gericht die Mutter der 26-Jährigen und deren zwei Brüder vertritt. „Die Tat hat unfassbares Leid über die Familie gebracht.“

Wie es heißt, war die Ehe schwierig und kurz vor dem Ende. „Es hat sich abgezeichnet, dass sich Mine O. von dem Angeklagten trennen wollte“, so Lingnau. „Das hat sie deutlich kommuniziert.“

„Ich wollte, dass sie glücklich ist“

Dass schon über Scheidung gesprochen worden ist, will auch der Angeklagte nicht bestreiten. Es sei schließlich nicht zu übersehen gewesen, dass man sich immer weiter auseinandergelebt habe. Trotzdem heißt es in seiner schriftlichen Erklärung: „Ich wollte, dass sie glücklich ist.“

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Die Tat sei ihm eigentlich völlig fremd, hatte Verteidigerin Dahlmann-Ludwig schon vor Prozessbeginn gesagt. In der später verlesenen schriftlichen Erklärung heißt das dann so: „Ich werde mir nie verzeihen, dass ich meinem Sohn die Mutter und den Eltern meiner Frau die Tochter genommen habe.“

Der Sechsjährige wohnt heute bei den Großeltern mütterlicherseits. Er ist gerade eingeschult worden.

Die Anklage lautet auf Totschlag. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Anfang Oktober zu rechnen.